Jahrgang 
1864
Seite
323
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Julius Roſen:

Schleswig⸗Holſtein meerumſchlungen. 323

in ſeiner Familie gedacht, nun war Alles vorbei. Er hätte Elſe verziehen, daß ſie ihn um ihres Vaterlandes willen verlaſſen hatte, daß ſie aber eine Verworfene war, konnte er ihr niemals vergeben.Der Mann hat Recht, wandte er ſich zu ſeinen Begleitern.Ich bin ein däniſcher Soldat geweſen, habe die Flucht des Gra⸗

fen Brander begünſtigt, habe eine ſchwere Schuld

auf die Seele gewälzt und bin froh darüber. Führt mich nach Kopenhagen, ich will Alles geſtehen, und wenn Ihr mich zum Schaffot führt, will ich jubeln, denn ich mag nicht mehr leben.

Der Führer hatte nach dieſem Geſtändniſſe nichts Eiligeres zu thun, als Wilhelm feſſeln zu laſſen, um jeden Fluchtverſuch unmöglich zu machen. Auch gönnte er ſeinen Leuten keine weitere Ruhe, ſondern brach auf, damit er ſeinen Fang ſo bald als möglich in Sicher⸗ heit bringe.

Mit einem Blicke der Verzweiflung nahm Wil⸗ helm Abſchied von den Bewohnern der Hütte und ſchritt reſignirt ſeinem Schickſale entgegen.

Mutter Frieb war erſchüttert. Sie hatte ſich Wilhelm verworfen und ſchlecht gedacht, ſeine Ver⸗ zweiflung hatte ſie gerührt.Du hätteſt doch ſchweigen ſollen, ſprach ſie zu ihrem Gatten.

Er fahre in die Hölle! entgegnete dieſer.

Was haſt Du davon, wenn er gehängt wird, entgegnete das Weib,bringt Dir das Deine Schiffe wieder?

Auch die Rache iſt ſüß.

Die Rache an ihm, weil ſie Dich beſtahl? Mir thut er leid.

Kümmere Du Dich um Deine Sachen, antwor⸗ tete unwirſch der Fiſcher und kehrte ſeinem Weibe den Rücken.

Dieſe ging an ihre Arbeit, er aber ſetzte ſich auf die Bank vor ſeiner Hütte nieder und brummte unver⸗ ſtändliche Worte in den Bart. Er ſchien auch nicht zu⸗ frieden zu ſein.

Seine Aufmerkſamkeit wurde jedoch bald friſch geweckt. Eine weibliche Geſtalt kam in größter Haſt auf die Hütte zugerannt und ſchien furchtbar ermattet, denn die Füße wollten ſie kaum tragen. Nur mit Mühe, man hätte ſagen können ſprungweiſe, kam ſie näher und die aufgelöſten Haare flogen um ihre Stirne.

Täuſchen mich meine Augen. brummte Chri⸗ ſtian,oder iſt es wirklich Elſe.

Es war wirklich Elſe. Sie war von der ſchwar⸗ zen Bucht aus der Spur ihres Gatten gefolgt, und dieſe hatte ſie zur Hütte ihrer Verwandten geleitet. Sie vergaß auf das ſie erwartende Schickſal, ſie ſetzte ſich willig den Beſchimpfungen und Mißhandlungen ihres Vetters aus, wenn ſie nur ihren Wilhelm finden, ſein Schickſal mit ihm theilen konnte. Von ferne hatte ſie den Zug bemerkt und ahnend, daß es die Eskorte

ihres Gatten ſei, ſtrengte ſie die letzten Kräfte an, um

noch zur rechten Zeit die Hütte zu erreichen. Athemlos, zitternd und bebend kam ſie daſelbſt an, kam zu ſpät an. Wilhelm war bereits fort. Faſt bewußtlos ſank ſie zur Erde nieder.

Iſt die Dirne zurück, rief ihr der Vetter Chri⸗ ſtian zu,was will die Diebin von uns?

Habt Erbarmen, Vetter, jammerte Elſe und ſtreckte ihm flehend die Arme entgegen.Reicht mir einen Labetrunk, damit ich Kräfte ſammle, damit ich meinen Wilhelm erreichen kann. O, ſeid barmherzig, Vetter.

Du haſt mir die Mittel geſtohlen, mich und meine Familie zu ernähren, Du haſt mir meine Schiffe geraubt, und ich ſoll Dich ſpeiſen? Verhungere, Beſtie, ich kenne Dich nicht und helfe nicht, wenn ich bis an den Hals im Ueberfluſſe ſtäke.

O läſtert nicht und ſeid nicht ſo hart mit mir, Vetter, jammerte das Weib.Ich habe mich an Euch und Eueren Kindern verſündigt, aber ich mußte ſo handeln. Ich will ja wieder gut machen, was ich ver⸗ ſchuldet, Ihr ſollt Erſatz haben für Euere Schiffe.

Erſatz, lachte Chriſtian,geht das Hand⸗ werk gar ſo gut?

Ich verſtehe Euch nicht, Vetter, flehte Elſe, weiß nicht, was Ihr meint, weiß nur, daß jede Mi⸗ nute mich von meinem Gatten weiter entfernt.

Dafür ſollteſt Du mir ja danken, Dirne, rief ihr der Fiſcher mit rohem Lachen zu.

Danken? fragte verwundert das Weib.Ihr müßt ja eben ſo ſehnlich wünſchen, daß ich Wilhelm rette und mich mit ihm einige, denn nur dann kann ich Euch Erſatz leiſten für Eueren Schaden.

Iſt Dein Mann ſo dumm, Dirne, lachte Chrii⸗ ſtian,daß er Dich in Gnaden wieder aufnimmt, nachdem Du mit Deinem Buhlen entflohen biſt?

Buhlen? Herr mein Gott, was denkt Ihr?

Hat er ſich an Deiner Liebe ſchon geſättigt, der Freche, oder iſt er in jener fürchterlichen Nacht ertrun⸗ ken, was ich ihm von Herzen wünſchte.

Wer? fragte immer erſchrockener Elſe.

Wer? Frage doch nicht ſo dumm und ſtelle Dich nicht unſchuldig, da Du doch verworfen biſt. Dein Buhle, um deſſentwillen Du mir meine Schiffe ge⸗ ſtohlen.

Aber Vetter, entgegnete zu Tode erſchreckt Elſe, Ihr werdet doch nicht glauben

Daß es Dein Schatz war, fiel ihr Chriſtian ins Wort.Warum ſollte ich das nicht glauben? Nur eines Schätzleins willen verläßt man Gatten und Kind, nur eines Buhlen willen wird man zur Diebin und ſetzt das Leben der größten Gefahr aus. Kannſt Du läugnen?

Ich ſchwöre Euch, Vetter

Schwöre nicht, Dirne, ich glaube Dir doch nicht. Auch Dein Wilhelm weiß, woran er iſt.

Wilhelm? rief erſchrocken das Weib und ſah mit ſtieren Blicken ihren Vetter an.Was ſollte Wil⸗ helm wiſſen?

Dein galantes Abenteuer habe ich ihm erzählt und er iſt erbaut davon.

Unglücklicher, was haſt Du gethan? rief Elſe, war mit einem Satze aufgeſprungen und hatte Chriſtian bei der Bruſt gepackt.Du haſt den Wurm des Arg⸗

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