Jahrgang 
1864
Seite
313
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d, wenn

Pariſer Humoresken. Nach dem Franzöſiſchen von Léon Grellepois.

XXIV. Im Wädchen-Penſionat. Die Kleinen.

(Die gebenedeite Erholungs⸗Stunde hat ſo eben geſchlagen.)

Emma lauf Chriſtine ſchmollend und die Naſe hoch aeen).Fräulein, ich bitte Sie, mich in Ruhe zu aſſen.

Chriſtine:Wie, Du willſt nicht mit mir Federball ſpielen? Ganz neue Rakets!

Es wäre mir ſehr leid.

Was habe ich Dir denn wieder gemacht?

Ich habe Ihnen keine Rechenſchaft abzulegen.

Es iſt gut. Ich will die kleine Marie holen.

Ich verbiete es Ihnen.

Alſo ſpielen wir zuſammen.

Sie erröthen nicht, mir einen ſolchen Vorſchlag zu machen nach Ihrem Betragen gegen mich?

Ich verſichere Dich, daß ich mich an gar nichts erinnere.

Ich erkenne darin Ihre gewohnte Unbeſonnenheit.

Chriſtine(die bitterlich zu weinen anfängt):Hi...hi! Sie verurſachen mir immer Schmerz. Hi!... Sie ſind ſchlimm, Fräulein.

Emma:Fch verbiete Ihnen zu weinen. Dieſe dumme Unterlehrerin hätte Sie nur ſo zu ſehen?

Alſo ſage mir, was ich Dir gethan habe. Hi!

Sie wollen es?

Ich bitte Dich mit gefalteten Händen darum!

Antworten Sie, führe ich Sie nicht jedesmal mit in's Sprechzimmer, wenn die Mama mich beſucht?

Gewiß, ich habe nie das Gegentheil geſagt. Wenn es Fräulein Pinſon iſt, die mich verleumdet hat, ſo iſt ſte eine Lügnerin! Ich wiederhole im Gegentheile in einem fort und überall, daß Du mich immer mitnimmſt, daß Du eine ſehr gute Freundin biſt, und ich führe davon zum Beweiſe an, daß Du mir vorigen Sonntag erlaubteſt, Deinen neuen Hut anzuziehen, ehe wir in die Meſſe gingen.

Und meine Manſchetten⸗Knöpfe?

Deine Manſchetten Knöpfe auch; daß wir ſogar ge⸗ theilt haben, und daß Du mir einen bis zum Segen ge⸗ laſſen haſt.

Und thut das eine Schlimme, he?

Nein, oh! nein.

Und wie haben Sie es mir ſoeben entgelten laſſen, ſo viele Güte, als Ihre Mutter Sie jetzt beſucht hat?... Haben Sie mich aufgefordert, Sie in's Sprechzimmer zu begleiten? Antworten Sie.

Ich habe nicht daran gedacht, es iſt wahr.

Ich weiß warum. Weil Ihr Couſin dort war... und Sie eiferſüchtig auf mich ſind.

Chriſtine(empört):Oh! ob man ſo etwas ſagen kann! Ich eiferſüchtig! Ich ſchere mich wenig um meinen Couſin. Ueberdies iſt er häßlich.

Emma:Das verſtehen Sie nicht, er hat ein nobles Ausſehen.

Erinnerungen. 88. Bd. 1864.

ehs Reuilleton. We⸗

Mag er haben was er will; was kümmert mich das? Ahl Sie machen mich zu unglücklich! Hi! Hil ich will S nicht mehr gern haben. Ich werde es der Mutter agen.

Schweig, da iſt die Madame.

Nein, ich will weinen, es geht mir zu ſehr zu Herzen.

Mein liebes Chriſtinchen, ſchau, ich werde es nie, nie mehr thun. S

Madame(bei den zwei Freundinnen vorbeigehend): Ah, die zwei Unzertrennlichen. Habet Euch recht gern, Fräulein. Die in dem Penſionat begonnenen Freund⸗ ſchaften begleiten uns oft in die Welt.(Sie entfernt ſich majeſtätiſch.)

Emma:Reibe Dir doch nicht ſo ſehr die Augen: Du wirſt ſie roth bekommen, und man wird ſehen, daß Du geweint haſt.

Chriſtine:Warum machen Sie mir Herzleid?

Alſo, ſpielen wir Federball.

Wirklich, willſt Du?

Ja, ich will.

Oh! wie Du doch gut biſt! Oh! ich habe Dich gehörig gern, und ich ſchwöre Dir auf mein theuerſtes Ehrenwort, daß, wenn mein Couſin mit Mama kommen wird, ich nicht mehr vergeſſen werde...

Schon gut, ſchon gut; wir werden ſehen.

Die zwei verſöhnten Freundinnen werfen ſich gegen⸗ ſeitig leidenſchaftlich den Federball mit den neuen Rakets zu. In einer Ecke des Hofes ſpielen drei kleine Fratzen Mama.

Frl. Fifine:Halten Sie ſich doch grade, Fräulein, und beſonders heben Sie die Kleider auf.

Frl. Lili:Ja, Mama.

Frl. Bibi:Und das Diner? Ich, ich will das Diner machen.

Fifine:Sie denken nur immer an's Eſſen, Fräulein. Gut! da ſtecken Sie ſchon wieder den Finger in die Naſe. In's Winkerl ſogleich zur Strafe, die Naſe gegen die Mauer: ich werde Sie lehren.

Bibi(ſich inſurgirend):Ich, ich will nicht in's Winkerl.

Fifine:Alſo Du willſt nicht mehr Winkerl ſpielen, das iſt dumm.

Lili:Jetzt iſt an mir die Reihe, die Mama zu machen.

Fifine:Nein, Fräulein, ich hab's noch fünf Minulen.

Bibi:Spielen wir Diniren, das iſt unterhaltender.

(Man gibt dem ſo energiſch ausgeſprochenen Wunſche Bibi's nach, und man fängt an, eine in drei Theile zer⸗ ſchnittene Nudel zu eſſen; der zweite Gang beſteht aus zwei Nüſſen; zum Deſſert ſutzeln dieſe Fräulein, jede der Reihe nach, ein Zuckerl, welches die genäſchige Bibi zuletzt verrätheriſch zerbeißt, Konflikt.)

Die Großen.

Marie:Ja, ganz mit Spitzen beſetzt. Nie habe ich Ane ſo ſchöne Braut geſehen. Und was für ein Schnurr⸗ art 10 Hermance:Wie! Die Braut hatte einen? Marie:Die Dummoe, ich rede vom Bräutigam. Ach. mein Herz ſchlug, als ich ſie habe zum Altar gehen ſehen!

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