Jahrgang 
1864
Seite
297
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Das deutſche Singſpiel. 297

folgers der Neuberin, hatte hierin ſeine Stärke. Aus dieſen Intermezzos entſtand das erſte Singſpiel der Deutſchen auf folgende Weife. Der oben genannte Koch bewirkte nämlich, daß Chriſtian Felix Weiße,der Kin⸗ derfreund, die engliſche Operette:the Devil to pay (vder Teufel iſt los) überſetzte und der Chorrepetitor Standfuß eine neue Kompoſition dazu ſchrieb. So kam das Werk am 8. Oktober 1752 in Leipzig mit außer⸗ ordentlichem Erfolg zur Aufführung. Freilich überwarf ſich dadurch Koch, ebenſo wie es ſchon vorher die Neu⸗ berin gethan, nun ebenfalls mit Gottſched, dem alten Eiferer gegen die Oper. Dieſer ſchrieb an den Dresdner Directeur des plaisirs, von Dieskau, um demUnfug zu ſteuern, einen ſchlecht ſtyliſirten franzöſiſchen Brief, der ihn jedoch dem Gelächter preisgab, da er vom Em⸗ pfänger veröffentlicht wurde. Das Publikum jubelte dem neuen Spektakel zu und Gottſched richtete nicht das Geringſte aus. Da reſignirte er denn endlich weiſe genug und hielt ſich ſeit 1753 vom Theater vollſtändig fern.

Wir haben damit geſagt, in welche Zeit wir die Entſtehung eines echten deutſchen Singſpiels verſetzen, und folgten dabei einfach den allgemein feſtgeſtellten kunſtgeſchichtlichen Annahmen. Kapellmeiſter H. M. Schletterer in Augsburg, Verfaſſer eines ſoeben erſchie⸗ nenen Werkes überdas deutſche Singſpiel von ſeinen eerſten Anfängen bis auf die neueſte Zeit*) wird uns beiſtimmen müſſen, wenn wir ihm entgegenhalten, er habe den Begriff des Singſpiels zu weit gefaßt, da er in ſeiner Darſtellung auch ſchon die geiſtlichen Schau⸗ ſpiele des Mittelalters, die Myſterien und Moralitäten, ferner die Faſtnachtsſpiele, die Haupt⸗ und Staatsak⸗ tionen u. dgl. m. mit berühre. Beiläufig, Schletterer ſchreibt ſtets Hof⸗ und Staatsaktionen, was uns neu war. Obſchon in all den erwähnten Gattungen von Bühnenſtücken es nicht an begleitender Muſik und Chorgeſang, vielleicht auch an Einzelgeſängen gefehlt haben mag, ſo ſind deswegen dieſe Schau⸗ und Luſt⸗ ſpiele doch noch lange nicht das, was wir ſpeciell unter Singſpiel zu verſtehen haben. Dies iſt, wie ſchon geſagt, und wie es auch der franzöſiſche Ausdruck ſehr richtig bezeichnet, eine Operette, eine kleine, kurze Oper. Schlet⸗ terer erwähnt ſogar dieTrauerſpiele mit Chören, z. B. CronegksOlint undSophronia! Andererſeits geht er aber auch inſofern wieder über das Thema, welches der Titel ſeines Werkes in Betracht zieht, hinaus, als er nicht minder weitläufig von den erſten italieniſchen, wie deutſchen(d. h. beſonders Hamburger) Opernvor⸗ ſtellungen ſpricht. Wir laſſen auch dieſe Kapitel hier bei Seite und beſchäftigen uns allein mit dem Singſpiel.

Ueber den Charakter desſelben und ſpeciell des deutſchen macht unſer Verfaſſer mehrere ganz treffende Bemerkungen. Z. B. meint er, daß, während man von der großen Oper ſagen kann, ſie ſei aus der Vereinigung

*) Im Verlag von J. A. Schloſſers Buch⸗ und Kunſt⸗ handlung zu Augsburg erſchienen, bildet das Werk den erſten Band einerGeſchichte dramatiſcher Muſik und Poeſie in Deutſchland.

Erinnerungen. 88. Bd. 1864.

des Trauerſpiels mit der Muſik entſtanden, das Sing⸗ ſpiel als eine Verbindung der Muſik mit der Komödie angeſehen werden kann. Seine Stoffe ſind meiſt, wenn nicht immer dem gewöhnlichen Leben entnommen, der Inhalt auf leichte Art verarbeitet, die Charaktere ſo, wie ſie uns im Umgang auf der Straße und in Geſellſchaf⸗ ten aufſtoßen. Mit Vorſatz dem Erhabenen und Idealen entſagend, ohne jedoch die Idee der Veredelung aufzu⸗ geben, bewegt es ſich am häufigſten in einer volksthüm⸗ lichen, bürgerlichen, ländlichen Sphäre. Und ſo iſt auch der Charakter der Operettenmuſik vor allen Dingen ein populärer, gefälliger, anſprechender, naiver. Dichter und Komponiſt dürfen nicht aus den Augen verlieren, daß ſie für das große Publikum zu arbeiten haben. Erſterer muß mit Leichtigkeit populäre Geſtalten erfinden können, letzterer ihnen einen vertraulichen und natürlichen Aus⸗ druck zu geben wiſſen. Vorzugsweiſe bleibt das Sing⸗ ſpiel der Freude zugeneigt. Immer ein Kind ſeiner Zeit, iſt es nie ohne heitere und komiſche Elemente. Da das Komiſche aber nach Zeit und Ort ſich immer verändert zeigt, ja auch der allgemeinen Bildungsſtufe der Hörer entſprechen muß, ſo wird einerſeits der oft unbegreifliche Erfolg und andererſeits die raſche Vergänglichkeit dieſer Werke erklärlich. Indem aber das Singſpiel ſich im ge wöhnlichen Leben halten ſoll, darf es ſich doch nicht im Schmutze, in der Gemeinheit dieſes Lebens herumtreiben. Es muß vielmehr bei allem Scherz, bei aller Heiterkeit etwas Feines, Säuberliches, Edles an ſich tragen. Freilich nimmt das Singſpiel nicht eine erſte Stelle unter den Kunſtſchöpfungen ein. Vergeſſen wir dabei aber nicht, daß neben erhabeneren Beſtrebungen und ernſteren Zwecken, die jenem allerdings fern liegen, alle und jede Kunſt, d. h. alſo auch Muſik und Bühnenkunſt, den Beruf hat, zu erheitern, unſere Sorgen zu zerſtreuen und uns zu neuer Thätigkeit anzuregen, und daß, wenn die⸗ ſelbe ſo ein Faktor edlen Vergnügens wird, ſie gewiß nicht den unwichtigſten Theil ihrer Miſſion erfüllt. Die Kunſt ſoll auch eine Tröſterin, eine Freudenſpenderin, eine erheiternde und anmuthige Genoſſin unſerer Tage ſein. Von dieſem Geſichtspunkt hat auch das deutſche Singſpiel ſeine vollſte Berechtigung der Exiſtenz, wie ſie die Kinder des Frühlings, die Blumen haben und der bunte Schmetterling, der die wenigen Stunden ſeines Lebens auf ihnen verträumt.

Nach dieſen allgemeinen Bemerkungen gehen wir weiter in Zeit und Geſchichte. Jenes oben erwähnte Stück:Der Teufel iſt los brachte Koch im Jahre 1766 neu einſtudirt abermals auf die Leipziger Bühne; es war das Eröffnungsjahr des dortigen neuen Theaters, desſelben, welches im Weſentlichen jetzt noch ſteht. Weiße ſchrieb nun noch einige im engliſchen Original nicht be⸗ findliche Arien dazu und Johann Adam Hiller kompo⸗ nirte dieſe, mit Beibehaltung der älteren Muſik von Standfuß. Das Singſpiel fand rauſchenden Beifall, und aufgemuntert hierdurch, unternahm es nun Weiße, noch verſchiedene fremde Texte zu überſetzen oder auch ſelbſtſtändig dergleichen zu erfinden, welche alle von Hiller mit Muſik verſehen wurden. So entſtanden die ſämmtlich in Leipzig zum erſten Mal aufgeführten und

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