Jahrgang 
1864
Seite
296
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ziemlich jämmerlichen Zuſtande ſich befand. Einer der Kutter mußte etwas Bedeutendes wegbekommen haben, denn er ſank und man ließ die Bote herab zur Rettung der Mannſchaft. Dies ſchien für die Brigg ein Zeichen zu ſein, dasſelbe zu thun. Auch ſie ließ ihre Bote in's Waſſer und dieſe machten ſich daran, die Kutter zu entern. Es entſpann ſich ein heftiger Kampf, während deſſen unſere Wanderer in die Nähe des ſinkenden Kut⸗ ters gekommen waren.

Wir müſſen uns bemerkbar machen, Herr Graf, lachte der über den Verlauf des Kampfes erfreute Ber⸗ ger;unſere Herren ſollen ſehen, daß ein Jäger dabei iſt. Legen wir an den Kutter an, Junge, ich will mir einen Privatſpaß machen.

Der Junge gehorchte und Berger kletterte an Bord des von ſeiner Bemannung verlaſſenen Kutters. Der Kampf in den übrigen zwei Kuttern dauerte noch fort. Da mit einemmale erhoben die öſterreichiſchen Krieger ein hundertſtimmiges Hurrah und griffen mit erneuertem Muth an, ſie hatten erblickt, wie auf dem verlaſſenen Kutter ſich die öſterreichiſche Flagge entfaltet hatte, welche Berger mit dem Jubelrufe: Es lebe der Kaiſer! aufgehißt hatte. In einigen Mi⸗ nuten war der Kampf entſchieden und von allen drei Kuttern wehten die ſchwarzgelben Farben. Berger ſtieg in ſein Bot zurück und ſein Schifflein brachte ihn bald an Bord der ſiegreichen Brigg.

Wer iſt das? fragte der Kapitän, als er die fremden Männer erblickte.

Oberjäger Berger zu dienen, entgegnete dieſer ſich melde mich gehorſamſt als aus däniſcher Gefangen⸗ ſchaft entflohen.

Willkommen, mein Braver, Kapitän.

Ich melde ferner, daß ich ſo frei war, den ſinken. den Kutter für unſern Monarchen in Empfang zu nehmen, Herr Kapitän, und bitte Leute zum Ausbeſſern hinzu⸗ ſchicken, damit unſere Fahne nicht mit ihm verſinkt.

Sie waren der Brave? rief Berger die Hand reichend der Kapitän.Ich will Ihnen Ihre That nicht vergeſſen.

Es war nur ein Spaß, Herr Kapitän.

Der unſerer Mannſchaft neuen Muth gab und den Sieg erleichterte. Doch wer iſt Ihr Gefährte.

Ich bin Graf Brander, ein Mann, welcher dieſem braven Jäger ſein Leben verdankt.

Ich heiße Sie willkommen an Bord, Herr Graf, ſprach der Kapitän,und erſuche Sie von meiner Kajüte Gebrauch zu machen.

Ich nehme Ihr Anerbieten an, Herr Kapitän, und bitte Sie um ein Darlehen von fünfzig Dukaten. Ich muß dieſem Jungen, welcher uns mit ſeinem Bote hier⸗ hergebracht, die verſprochene Bezahlung leiſten.

Dem Wunſche des Grafen wurde entſprochen, der Junge fuhr mit ſeinen fünfzig Dukaten und mit dem Berichte über die Vernichtung dreier Zollkutter nach der ſchwarzen Bucht, und die Brigg nahm die Kutter in's Schlepptau und fuhr majeſtätiſch den deutſchen Küſten zu.

entgegnete der

Das deutſche Singſpiel.

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Am fröhlichſten von Allen war Berger. Er hatte ſeine Aufgabe glänzend gelöſt, hatte den Grafen gerettet und freute ſich kindiſch auf das bevorſtehende Wieder⸗ ſehen ſeines Herrn und ſeiner Marie, welche ihm ſo an's Herz gewachſen war, daß er ſie nicht mehr laſſen konnte. Er ſaß an Bord der Brigg auf einem zuſammen⸗ gewundenen Tau und pfiff ein fröhliches Jägerlied. Ehe ein Tag um war, war er ſchon der ausgeſprochene Lieb⸗ ling der Matroſen und erzählte ihnen bei einem Glaſe Grog ſeine Abenteuer. Ob ſie ſich dabei unterhalten haben, mag der Leſer entſcheiden.

(Fortſetzung folgt.)

Das deutſche Singſpiel.

as Wort Singſpiel hat verſchiedene Begriffsbe⸗ Iſtimmungen und Deutungen erfahren. Am ein⸗ fachſten und zugleich richtigſten iſt es wohl aber, daß man darunter eine kleine, durch Kürze ſich G charakteriſirende Oper verſteht, in welcher nicht Alles und Jedes geſungen, ſondern ein Theil des Textes auch geſprochen wird. Vielleicht kann man ſagen, daß Singſpiel und Oper etwa im ſelben Verhält⸗ niß ſtehen, wie Novelle und Roman oder Ballade und Epos. Iſt nun alſo das Singſpiel eine Abart, eine Ab⸗ zweigung der Oper, bezeichnet es gleichſam das leichtere, harmloſere, meiſt humoriſtiſche Genre derſelben, ſo wird man füglich auch von ſeinem Beſtehen nicht eher zu ſprechen haben, als ſeit jener Zeit, wo überhaupt die Oper exiſtirt, und es wird ſo ziemlich übereinſtimmend von allen kunſtgeſchichtlichen Forſchern das 16. Jahr⸗ hundert als dasjenige genannt, welches die letztere ge⸗ ſchaffen hat. In Italien ſtand ihre Wiege.

Doch damit wollen wir uns hier nichts zu thun machen; nur von Deutſchland ſei jetzt die Rede. Wie die übrigen Länder, erhielt allerdings auch unſere Hei⸗ mat die Oper erſt von den Welſchen, aber bald genug nährte ſich in ihrem Schoße eine Selbſtſtändigkeit der muſikaliſchen Kunſt, die ihr Ehre macht. Schütz, Theil, Strunck, Conradi, Bronner, Keyſer u. A. wußten ſich bereits am Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahr⸗ hunderts geltend zu machen, indem ſie den Wettkampf mit den Italienern und mit dem berühmten, zwar in Florenz geborenen, aber von früheſter Jugend an in Frankreich eingebürgerten Lully unter glänzendem Er⸗ folg beſtanden. Mächtiger noch wirkten Händel und Haſſe.

An dieſem Punkte ihrer Entwickelung angekommen, ſah die deutſche Oper bald das Singſpiel ſich von ihr abzweigen und ſelbſtſtändig ausbilden. Die direkten Vor⸗ läufer desſelben erkennen wir in den durch den italieni⸗ ſchen Impreſſario Nicolini auch in Deutſchland beliebt gewordenen Intermezzi oder Zwiſchenſpielen, kurzen muſtkaliſchen Schwänken, die durch ein tolles Miſchmaſch von Deutſch und Italieniſch Effekt machten und zwiſchen den Akten gegeben wurden. Bruck, der Hanswurſt des Leipziger Unternehmers Gottfried Heinrich Koch, Nach⸗