einer fort
elche Niete ſehe
and. igen ehr.
So weit war die Sache gut.
Am andern Morgen wurde das Vieh beſehen, und da der Bauer ſo viel im Preiſe nachließ, als Wilhelm verlangte, kaufte dieſer die Stücke und ſchrieb dem Bauer eine Anweiſung an die Kommiſſion, von welcher er be⸗ hauptete, daß ſie ſich in Kopenhagen befinde.
„Dort ſollt Ihr auch Euer Geld erhalten,“ ſprach Wilhelm.
„Mit Verlaub, Ihr Herren, das geht nicht,“ ent⸗ gegnete ſich im Kopfe kratzend der Bauer.„Mein Geld muß ich gleich haben. Wer ſteht mir dafür, daß man mich in der Stadt nicht von Pontius zu Pilatus ſchickt und mir Abzüge macht. Bezahlt mich gleich.“
Was wollte Wilhelm thun. Wollte er ſich ſelbſt nicht verdächtig machen, blieb ihm nichts anderes übrig, als zu bezahlen, und ſo trabte denn der Bauer ſein Vieh vor ſich hintreibend der Stadt zu. Wilhelm aber und der Graf beſchloſſen auf die ausgegebene Summe zu verzichten und ſich bald aus dem Staube zu machen.
Der Bauer war kaum eine Meile marſchirt, als er auf eine Patrouille Gensd'armen ſtieß, die ihn zum Ausweiſe verhielten. Er erzählte ihnen den Sachverhalt und wies ſeine Anweiſung vor.
„Ihr könnt umkehren und nach Hauſe gehen, Freund,“ ſprachen die Gensd'armen zu dem Bauer.
„Und die Kommiſſion?“
„Exiſtirt nicht, mein Freund. Die Lieferanten ſind entflohene Gefangene, wahrſcheinlich iſt der berüchtigte Brander dabei. Wir wollen ihnen nach.“
Das Treiben der Entflohenen war nicht unbemerkt geblieben. In ein Gehöft, wo ſie übernachtet hatten, war zufällig einmal eine Patrouille gekommen und auf die Fremden aufmerkſam geworden, da ſie von keinen ſolchen Lieferanten wußte. Als ſich dies wiederholte, beſchloß ſie weitere Nachforſchungen und kam alſo unſeren Freunden knapp auf die Ferſen. Dieſe befanden ſich noch in dem Hauſe des Bauers, als ſie ihn mit der Patrouille zurückkommen ſahen.
„Wir ſind verloren!“ rief Brander und rang die Hände.
„Wir müſſen uns retten,“ entgegnete Wilhelm.
„Flucht iſt unmöglich. Sie werden uns einholen.
„Wir entfliehen nicht,“ entgegnete Wilhelm. „Ich bleibe. Gebt mir Eure Papiere und einen Theil Eures Geldes, Herr Graf.“.
„Ich habe keine Papiere, hier iſt das Geld.“
„Ihr müßt entfliehen, während ich die Feinde auf⸗ halte und beſchäftige.“
„Was wollt Ihr thun?“
„Was ich muß.“
Der Graf machte ſich zur Flucht bereit.
„Suchen Sie die ſchwarze Bucht zu gewinnen, Herr Graf!“ rief ihm Wilhelm nach,„dort finden Sie leicht einen Schmuggler, welcher Sie für ein gutes Ge⸗ ſchenk über die Dünen bringt. Eilen Sie.“
Brander gewann das Hofthor und eilte über die Ebene dahin. Wilhelm machte ſich inzwiſchen kampffertig. Er mußte ſich ſcheinbar zur Wehre ſetzen, um den Grafen Zeit gewinnen zu laſſen. Als ſich dem⸗
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Julius Roſen:„Schleswig⸗Holſtein meerumſchlungen.“ 293
nach die Patrouille dem Hauſe näherte, öffnete er das Fenſter und rief, ſeinen Revolver hinaushaltend:„Wer ſich nähert, iſt des Todes! Ich gebe Feuer!“
Die Männer ſtutzten und hielten. ſchlagten, was zu machen wäre.
„Ich ſchieße ihn nieder,“ Gensd'armen.
„Wir müſſen ihn lebendig haben,“ entgegnete der Patrouillenführer,„nur auf die Einbringung des Leben⸗ digen iſt ein Preis geſetzt.“
„Ich werde mit ihm unterhandeln. Wir kennen Sie, beſter Graf,“ rief der Soldat Wilhelm zu„und ſind beauftragt, Sie zu verhaften. Zwingen Sie uns nicht zur Gewalt.“
„Ich weiche nur der Gewalt,“ entgegnete Wil⸗ helm und machte eine drohende Geberde.„Uebrigens bin ich nicht der Graf.“
„Sie ſind es,“ entgegnete der Gensd'arm.„Sie haben wohl Ihren Bart abgeſchoren, aber ich kenne Sie doch. Ergeben Sie ſich!“
„Ihr ſollt mich nicht lebendig haben!“
Die Soldaten beauftragten den Bauer, ſich dem Hauſe zu nähern. Aber auch dieſem hielt Wilhelm die Waffe entgegen und drohte, ihn zu erſchießen. Es blieb nichts übrig, als daß zwei der Männer einen großen Bogen beſchreibend die Rückſeite des Hauſes ge⸗ winnen, die Stubenthür einſchlagen und alſo den ver⸗ meintlichen Grafen überrumpeln mußten. Das wollte Wilhelm bezwecken und war zufrieden, als er ſah, wie ſich die zwei Männer von der übrigen Truppe trenn⸗ ten. Es vergingen zehn Minuten, bevor das Manöver beendet war. Dieſe Zeit genügte, um Brander den Augen ſeiner Verfolger zu entziehen. Es fand demnach durchaus nicht jene verzweifelte Gegenwehr ſtatt, welche die Gensd'armen erwartet hatten. Wilhelm wehrte ſich, aber nur zum Scheine, und bald ſaß er an Händen und Füßen gefeſſelt in Mitten der Soldaten und wurde
Sie berath⸗
ſprach einer der
verhört.
„Sie ſind Graf Brander?“ fragte der Pa⸗ trouillenführer.
Wilhelm gab keine Antwort.
„Läugnen Sie nicht, es nützt nichts. Wir nehmen Sie auf alle Fälle mit uns und in der Stadt wird man Sie ſchon erkennen.“
„Gut denn,“ entgegnete nach einer Pauſe ſchein⸗ baven Seelenkampfes Wilhelm,„ich bin Graf Brander.“
„Wie gelang es Ihnen zu entfliehen?“ fragte der Gensd'arm weiter.
„Das werde ich denjenigen ſagen, welche darnach zu fragen berechtigt ſind,“ antwortete Wilhelm ſtolz und benahm ſich alſo herriſch gegen die Mannſchaft, daß dieſe darauf geſchworen hätte, den Grafen Bran⸗ der gefangen zu haben.
Der Sergeant gab dem Bauer den Auftrag, dem vermeintlichen Grafen die für die zwei Kühe gelöſte Summe zurückzugeben, aber dieſer erklärte, ſie dem Bauer für die Bewirthung und Unterkunft ſchenken zu wollen. Dadurch gewann er ſehr in den Augen der


