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Julius Roſen:
„Schleswig⸗Holſtein meerumſchlungen.“ 1 291
durch ſelbſt zu beſtrafen für das an ihm begangene Unrecht.
„Zögert nicht länger, Elſe, Berger.
„Ich kann nicht,“ entgegnete das Weib.„Wie würde ich ihm gegenüber ſtehen. Auch habe ich mich ent⸗ ſchloſſen, die Strafe zu leiden.“
„Ihr faſelt,“ entgegnete Berger.„Euch wollt Ihr ſtrafen und ſtraft den Gatten, ſtraft das unſchuldige Kind, welches vergebens die Aermchen nach ſeiner Mut⸗ ter ausſtreckt und nur fremde Leute findet. Seid ver⸗ nünftig und kommt.“
Elſe konnte ſich noch immer nicht entſchließen.
„Wilhelm liebt Euch noch immer,“ fuhr Ber⸗ ger fort.„Er wird Euch mit Freuden in ſein Haus aufnehmen.“
„Wird er vergeſſen? Kann er vergeſſen?“
„Er wird es. Die bewegte Zeit hat Euch zur Ver⸗ rätherin werden laſſen an der Liebe, an dem Glücke der Familie. Er wird Euer Unrecht der Zeit, der Liebe zum Vaterlande zuſchreiben und vergeſſen. Kommt, Elſe, macht Euer Unrecht wieder gut.“
Ein unerwarteter Zwiſchenfall beſchleunigte den Entſchluß des jungen Weibes. Auf der Straße kam Chriſtian mit einer Patrouille herbei und näherte ſich der Hütte. Elſe hätte müſſen entdeckt werden, wenn ſie nun nach derſelben zurückgekehrt wäre.
„Seht Ihr,“ rief ſie zitternd aus, als ſie die An⸗ kommenden bemerkt hatte.„Es iſt zu ſpät, ich kann nicht mehr zurück.“
„Der Himmel ſelbſt gibt Euch einen Wink, kommt mit mir,“ entgegnete Berger.
„Ich folge Euch,“ entgegnete entſ ſchloſſen Elſe,
„macht, was Ihr für gut haltet.“
„Zu Lande kommen wir nicht weit,“ flüſterte Ber g er, die Situation augenblicklich überſehend.„Wir müſſen zu Waſſer fort. Hat Euer Vetter Kähne?“
„Er hat zwei Kähne.“
„Dann zeigt mir, wo ſie angebunden ſind.“
Die Beiden ſchlichen vorſichtig weiter und ſuchten die Schatten der Küſte, um nicht geſehen zu werden. Bald befanden ſie ſich an der Stelle, wo Chriſtians Fiſcherbote feſtgemacht waren. Das größere mit einem
Segel verſehene, ſuchte Berger zur Flucht aus, nahm zwei Paar Ruder mit, löste jedoch auch den kleineren Kahn los, um ihn den Wellen zu überlaſſen.
„Sie dürfen keines der Schiffe finden,“ flüſterte er,„ſonſt holen ſie uns ein und unſere Lage iſt nur noch ſchlimmer. Kennt Ihr die Küſten der Umgebung?“
„Ich kenne ſie,“ entgegnete Elſe.„Wir müſſen in die ſchwarze Bucht, dann können wir zu Lande weiter fortkommen.“
Geräuſchlos ſtießen ſie ab und ſenkten die Ruder in's Waſſer. Die Ebbe trieb ſie hinaus in's Meer und mit ihnen den kleinen leeren Kahn.
Chriſtian und ſeine Gefährten hatten inzwi⸗ ſchen die Hütte erreicht.„Umzingelt das Gebäude,“ ſprach der Fiſcher zu den Soldaten. Er ſelbſt und der Sergeant traten in's Haus.
kommt,“ drängte
Chriſtian weckte ſeine Frau und fragte nach dem Fremden.
„Er iſt in der Kammer,“ entgegnete dieſe.
„Und wo iſt Elſe?“ fragte der Fiſcher.
Das Weib mußte zugeſtehen, daß ſie es nicht wiſſe.
Mit einer Ahnung des Geſchehenen trat 89 ſtian in die Kammer.„Der Fremde iſt fort,“ rief er „Elſe iſt mit ihm entflohen. 43
Das ganze Haus wurde durchſucht, die Soldaten ſahen ſich in der Gegend um, keine Spur der Entflohe⸗ nen war zu finden.
Mit den Worten:„Nur das Waſſer läßt keine Spur zurück!“ eilte Chriſtian zum Strande und raufte ſich die Haare aus als er ſich ſeiner Kähne, ſeiner ganzen Habe beraubt ſah. Die beiden Ehegatten waren in Verzweiflung. Jedes gab dem andern die Schuld und Elſens wurde nicht auf die freundlichſte Weiſe gedacht.
Der Sergeant, durch die Flucht des Fremden in der Meinung beſtärkt, daß es ſich um ein gefährliches Individuum handle, hatte in der Nachbarſchaft einen Fiſcherkahn aufgetrieben und forderte nun Chriſtian auf, mit ihm die Küſte zu durchforſchen. Chriſtian war bereit. Er und noch mehrere Soldaten ſetzten die Ruder ein und der leichte Kahn flog nun über die Wellen. Bald kam ihnen der kleine leere Kahn in Sicht. „Sie können nicht weit ſein,“ ſprach der Sergeant, „wir müſſen ſie finden. Was gibt es für Schlupfwinkel, Fiſcher?“ fragte er.
„Der ſicherſte Schlupfwinkel iſt die ſchwarze Bucht,“ entgegnete der Fiſcher,„wenn wir brav rudern, können wir in einer Viertelſtunde dort ſein.“
„Die Ruder eingeſetzt, Jungens!“ ſprach der Ser⸗ geant, und dieſe folgten ihrem Führer.
Inzwiſchen hatte ſich der Mond hinter Wolken verborgen und nur das Waſſer des Meeres ſchillerte in einzelnen Streifen. Die leichte Briſe war angeſchwollen und erhob ſich zu einem kleinen Sturme. Das Bot tanzte auf den Wellen, ward bald hoch hinauf gehoben, bald wieder in einen tiefen Abgrund geſchleudert.
„Das Fahrzeug hält die Wellen nicht aus, Ser⸗ geant,“ bemerkte der für ſein Leben bange Fiſcher.
„Rudert nur,“ entgegnete dieſer,„wir überwin⸗ den es.“*
Der Sturm wurde immer heftiger. Bald ſahen die Männer eine hohe ſchwarze Mauer vor ſich, gegen welche ſie mit Windeseile heranfuhren.
„Das iſt die ſchwarze Bucht, ſuchen wir den Ein⸗ gang. Wenn wir ihn nicht finden, ſind wir verloren,“ rief der Fiſcher und 3 in das Dunkel der Nacht.
„Da ſind ſie,“ rief plötzlich der Sergeant und deutete auf einen kleinen Punkt vor ſich hin.
Alle ſahen dahin und bemerkten einen weißen Punkt, welcher auf der Spitze der Wellen zu tanzen ſchien.
„Das ſind ſie,“ wiederholte der Fiſcher, und die Gier, ſein Eigenthum zu erlangen und des Fremden habhaft zu werden, vertrieb die Angſt um ſein Leben.
„Ich laſſe ſie nicht aus den Augen, ¹rief der Ser⸗ geant,„rudert darauf los.“
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