Jahrgang 
1864
Seite
250
Einzelbild herunterladen

250 Feuilleton.

ſtampfen):Wenn wir nun ſchon in dieſes Kapitel hinein⸗ kommen, ſo werden wir nie fertig werden.(Den Frieden wollend.) Schau, Sylvie, wir thäten beſſer daran, uns niederzulegen.

Madame:Aus allem dem erfahre ich noch immer nicht, wo Sie dieſen blonden Paulin Meunier kennen ge⸗ lernt haben;(der Herr geht im Zimmer auf und ab, ohne ein Wort zu ſagen) es wäre weit höflicher, mir zu antworten, wie mit den Fingern zu ſchnalzen, als wenn Sie ſie in die Sauce eingetaucht hätten.

Der Herr(welcher ſich zu beruhigen ſucht):Ich habe Dir ſchon geſagt, daß es in dem Durchhauſe Jouffroy, an einem Regentage war; es gab ein Gedränge da; als ich zurückwich, trat ich ihm auf den Fuß, und ich wendete mich zu ihm um, ihn um Verzeihung zu bitten.

Madame:Das ſcheint mir ſehr wunderlich, daß es gerade der Fuß Paulin Meunier's geweſen ſei, auf welchen Sie getreten ſein ſollen.

Der Herr:Es gibt ſehr ſonderbare Zufälle im Leben. 7

Madame:öUnd da iſt es, daß Sie geſehen zu haben glauben, daß er braun iſt?

Der Herr(die Augen gegen den Himmel erhebend und die Fäuſte geſchloſſen):Herr Gott!

(Er antwortet nichts und mißt das Zimmer mit gereizten Schritten.)

Madame:Sie können noch ſo ſehr das Weiße Ihrer Augen herausdrehen und ſich ausdehnen wie ein Gummiſtreif, alles das heißt noch nicht antworten.

Der Herr:Aber, in Teufels Namen! Was willſt Du denn, daß ich Dir antworte?

Madame:Man antwortet mir, daß ich Recht hatte.

Der Herr:Das habe ich Dir ſchon zweimal einge⸗ räumt.

Madame:Es gibt aber verſchiedene Arten, daß zu ſagen.

Der Herr(einen ruhigen Ton annehmend):Höre einmal, Sylvie, ich bin etwas krank, alſo ich bitte Dich, fahren wir nicht fort; komm lieber ſchlafen.

Madame:Wenn man Unrecht hat, ſo iſt es ſehr leicht, ſich aus der Verlegenheit herauszuhelfen, wenn man ſagt, daß man krank iſt. Und ich, bin ich denn nicht auch krank, weil Sie mich ſeit einer Stunde ſo ärgern, wobei Sie im Zimmer gemüthlich um die Möbel herumſpaziren?

Der Herr(fühlt, daß er die Geduld verliere):Da, lieber laß ich Dir den Platz frei.

(Er geht in den Salon und ſchlägt die Thüre hinter ſich zu. Madame läßt ihn einen Augenblick allein, geht aber bald zu ihm hinein.)

Madame:Wenn werden Sie endlich mit dieſer Komödie aufhören? Sie wiſſen wohl, daß ich die nervöſen und eigenſinnigen Leute nicht leiden kann. Iſt es denn meine Schuld, wenn ich Recht habe? Glauben Sie denn, daß mir etwas daran liege, ob Ihr Paulin Meunier braun oder blond iſt? Da er aber einmal blond iſt, ſo möchte ich blos gerne wiſſen, was für ein Intereſſe Sie daran haben, zu behaupten, daß er braun iſt.

Der Herr:Da ich nun aber ſage, daß er blond iſt, ſo laß mich in Ruhe, tauſend Donnerwetter!...

(Er flüchtet ſich in das Speiſezimmer.)

Madame(ihm nachgehend):Sie könnten wenig⸗ ſtens höflich ſein und mir antworten, ohne Ihre Fuhr⸗ mannsflüche. Weil der Herr, ich weiß nicht vorgibt, nervenleidend geworden zu ſein, ſo glaubt er der An⸗ ſtändigkeit enthoben zu ſein.

Der Herr zieht ſich in die Küche zurück.).

adame(ihm folgend):Und dann, wiſſen Sie? ſind mir die ſchmollenden Leute, die immer an ihrem Zaum zu kauen ſcheinen, unausſtehlich. Mir ſind lieber die hitzigen Leute, die einen Streit nicht ewig dauernd zu machen ſuchen; ſie haben Augenblicke der Uebereilung, daß iſt wahr, aber im Handumdrehen denken ſie nicht mehr daran... wie Ihr Freund Richard zum Beiſpiel.

Der Herr(aufgeregt):Oh! das iſt einer, dem ich Recht gebe... in dieſem Augenblicke...

Madame:He! wie? was wollen Sie damit ſagen?

Der Herr(ſich zu mäßigen trachtend):Nichts, nichts, ich verſtehe mich ſchon... Aber, zum letztenmale, laß mich in Ruhe.

(Er flüchtet ſich in das Vorzimmer.)

Madame(ihm auf den Ferſen nach):Ah! Sie geben Ihrem Richard Recht, weil er ſeiner Frau eine Maulſchelle verſetzt hat!...Sie möchten es ihm viel⸗ leicht nachmachen, und Sie bilden ſich gewiß ein, daß ich ſo geduldig bin wie Aglaé. Laſſen Sie ſich's nur bei⸗ fallen, mir zu drohen... mir... mit der Finger⸗ ſpitze blos... morgen wären Sie nicht mehr am Leben!...(Sie ſtellt ſich ihm gerade unter die Naſe.) Schauen wir einmal, rühren Sie mich doch an.. ich laſſe es darauf ankommen!(Er ſtößt ſie ſanft zurück, ohne ein Wort zu ſagen.) Ah! Sie wagen es nicht! Sie haben nicht genug Muth dazu, ſo niederträchtig zu ſein, um eine Frau zu ſchlagen... Sie ſehen Wohl dieſe Nägel da ich würde Ihnen das Geſicht damit zerfetzen! Oh!

Der Herr(noch Herr ſeiner ſelbſt):Gib Acht, Sylbvie, Du haſt mir mit dem Finger in's Auge geſtochen.

Madame:Wollen Sie mir wohl meine Hand los⸗ laſſen, oder ich ſchreie um die Wache, ich ſchreie Mörder und Feuer, alles auf ein Mal.

Der Herr:Gib alſo Acht auf Deine Hände.

Madame(im höchſten Grade gereizt):Ah! Sie wollen mich umbringen, weil Paulin Meunier blond iſt, probiren Sie es nur... ich ſag's Ihnen... probiren Sie es!

Der Herr(mit einem Ausdrucke von Wuth):Oh!

(Er geht auf den Treppenabſatz hinaus.)

Madame(ihm nach):Ah! Sie ſind einer von denen, welche die Frauen ſchlagen... wagen Sie es nur, mit mir anzufangen.

(Er geht in den zweiten Stock hinauf).

Madame(ebenfalls hinaufgehend):Rühren Sie mich doch an... ich verlange von Ihnen weiter nichts

rühren Sie mich nur an..(die Fäuſte geballt und mit den Zähnen knirſchend) Ja, ja, ja, Paulin Meunier iſt blond... Jetzt rühren Sie mich nur an!

(Er klettert den dritten Stock hinauf.)

Madame(nach dem Rhythmus eines Gaſſenhauers): Er iſt blond, er iſt blond... rühren Sie mich an

.. er iſt blond, er iſt blond! (Im vierten Stock.)

Madame(in nervöſer Narrheit):Er iſt blond, er iſt blond, er iſt blond....Aber rühren Sie mich doch an, Sie Feigling, Sie!

(Der Herr möchte noch weiter hinaufſteigen, er ge⸗ wahrt aber, daß er bis zum Boden gekommen iſt.)

Madame:SIch ſagte es Ihnen wohl, daß Sie es nicht wagen würden, mich anzurühren.., jetzt, da Sie mich bis auf den Boden geſchleppt haben... weit weg von Zeugen.. probiren Sie es doch einmal, mich zu ſchlagen, ich laſſe es darauf ankommen!. 3

Der Herr(die Beſinnung verlierend):Aber ſchau, Sylvie, Du machſt mich närriſch!... ich bitte Dich um Gotteswillen, ſchweig.

Madame: ‚Er iſt blond!

Der Herr:Zum erſten Mal!.. Mal!..* Madame:Er iſt blond, blond, blond!

Der Herr:Zum dritten Mal!

Madame: ersbla Da haſt 111

Der Herr(außer ſich):Da haſt!!!

(Er Serrs ihr eine Ohrfeige. Augenblick der Be⸗ ſtürzung. Der Herr bleibt beſtürzt ſtehen über ſeinen Akt der Brutalität; aber die Kommotion hat in dem nervöſen Zuſtande der Madame eine ſeltſame Kriſis herbeigeführt, und ſie bricht in Thränen aus.) 3

Der Herr(verlegen):Ich bitte Dich zwei hundert tauſend Mal um Verzeihung, Dich...

zum zweiten