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Belou's neue Luftmaſchine.
Einrichtung gewünſcht werden kann; kein Rauchfang, kein latender Wärmeſtoff. Die von dem luftartigen Gemiſch beim Hinausſtrömen aus dem Treibceylinder, wo ſie gearbeitet hat, mit fortgeführte Wärme kann noch auf verſchiedene Weiſe, ſei es zum Erhitzen der Luft vor ihrem Eintritt in die Feuerung oder zum Er⸗ zeugen eines gewiſſen Quantums Waſſerdampf oder aber als Dampfheizung für Ateliers, Trockenräume u. ſ. w. benutzt werden. Endlich ſtrömt durch eine ſinnreiche Einrichtung des Regulators nur ebenſo viel Luft durch den Roſt als nöthig iſt, um die erforderliche Kraft zu erzielen, ſo daß das verausgabte Brennmaterial ſtets im richtigen Verhältniß zu der gelieferten Arbeit ſteht. Es kann dies neue Treibſyſtem ebenfalls allen Fällen angepaßt werden, wo Dampfmaſchinen in Ge⸗ brauch ſtehen und dies zwar ohne Unterſchied der Form und Kraft derſelben, ſowohl im Gebiete der Manu⸗ fakturinduſtrie als zum Ziehen auf Eiſenbahnen, zur Schiffahrt und zu Arbeiten der Landwirthſchaft. Es kommt dabei nichts als die Oberfläche des Roſtes, ſowie der Umfang der Luftpumpe und des Treibeylinders in Betracht.“ Die Art und Weiſe, wie die Maſchine in Gang zu bringen, iſt ebenſo einfach als leicht. Zuerſt wird die Feuerung durch ein beſonderes Rohr in Gang gebracht, das man nachher hermetiſch ſchließen oder ſelbſt für die Dauer des Arbeitens der Maſchine ganz fortnehmen kann. Dann dreht man einen Kranen auf, welcher die Verbindung mit einem Behälter voll komprimirter Luft herſtellt. Sofort dringt dieſe Luft durch den Roſt, dehnt ſich aus und wirkt auf den Treibkolben ein, mit deſſen Bewegungen die der Blaſepumpe(pompe soufflante) verbunden ſind. Mit dem erſten Kolbenſtoß nehmen die Pulsſchläge ihren Anfang und die Maſchine arbeitet, iſt im Gange. Will man ſie zum Stehen bringen, ſo genügt es, daß man einen zweiten Kranen aufdreht, der das Innere mit der äußern Luft in Verbindung ſetzt oder beſſer noch durch ein Ableiten des Luftſtromes das Ein⸗ ſtrömen desſelben in den Arbeitscylinder hemmt. Es iſt einleuchtend, daß beim vorliegenden Syſtem eine Ex⸗ ploſion nicht ſtattfinden kann. Die Luftkraft bahnt ſich, indem ſie den Kolben vor ſich her treibt, d. i. vorwärts drückt, ſelbſt einen Weg in's Freie und das jeden Augen⸗ blick hinausſtrömende Volumen entſpricht ſtets dem, wel⸗ ches die Blaſenpumpe friſch zuführt.
Zur beſſerer Veranſchaulichung geben wir eine Ab⸗ bildung der Maſchine, die ſeit einiger Zeit am Börſen⸗ platz in Paris öffentlich in Thätigkeit iſt. E iſt der ge⸗ ſchloſſene Kohlentrichter oder Kohlenbehälter, aus dem vermittelſt der mit der Schwungradwelle in Verbindung ſtehenden Stange GG, der Zahnung Ga und einer an⸗ dern von dieſer verdeckten Zahnung dicht am Behälter das Brennmaterial regelmäßig über den horizontal nach hinten zu ſich ſenkenden Roſt in der Feuerung HHH vertheilt wird, von welcher Ha den Verſchluß bildet. Der Cylinder B enthält die Luftpumpe, deren Kolben, durch Stange und Krummzapfen mit der Schwungrad⸗ welle verbunden, dieſelben Bewegungen ausführt wie der Kolben u. ſ. w. im Arbeitschlinder DDD. Ba iſt
ein Hahn zum Fortlaſſen der erhitzten Luft. E und maſchine aber bliebe von dieſer todten Frghht durch
Bö ſind Vorrichtungen zum Fetten des innern Cylinder⸗ werkes. Die erhitzte Luft ſteigt durch die in der Zeich⸗ nung uns zugewandte ſowie die hintere dickere Röhre, bildet im Obertheil derſelben mit den der Feuerung ent⸗ ſtrömenden Gaſen jenes Gemiſch, wovon weiter oben die Rede, tritt durch die in der Zeichnung von uns ab⸗ gewandte Röhre in den Treibeylinder und aus dieſem nach verrichteter Arbeit in die mittlere fortlaufende Röhre, vermittelſt deren ſie noch zu anderen Zwecken benutzt werden kann. CC iſt der mit Welle nebſt den Schwingkugeln CaCa in Verbindung ſtehende, ſich dre⸗ hende Regulator, an deſſen in die uns zugewandte Röhre auslaufendem Ende eine Art Klappe(Admiſſionsklappe) befeſtigt iſt, die je nach ihrer ſenkrechtern oder horizon⸗ talern Lage einer größern oder geringern Menge Luft den Durchzug geſtattet. Der erwähnte, in der Zeichnung nicht enthaltene kleine Behälter mit komprimirter Luft ſteht durch eine dünne Gasröhre einerſeits mit der Feuerung, andererſeits mit einer durch Umdrehung eines Rades getriebenen Luftpumpe in Verbindung und wird nach Belieben gefüllt. Das eiſerne Gerüſt AA dient der Maſchine als Fundament.
Faſſen wir nun die von Belou's neuer Luftmaſchine gebotenen Vortheile näher in's Auge, ſo gelangen wir überhaupt zu folgenden Schlüſſen: Mit ihr keine Dampf⸗ keſſel, keine Exploſionen, kein Rauch, keine Feuersgefaht, keine Baukoſten für Hochöfen und Schornſteine, kein
(Waſſerbedarf, keine beſonderen Behälter noch Brunnen
und Pumpen, nichts Gefährliches noch Unbequemes für die Nachbarſchaft, ſomit keine behördlichen Unterſuchungen und Erlaubnißgeſuche mehr. Dazu 60—70 Procent Erſparniß an Brennmaterial und die Möglichkeit, jede Art von Kohle zu verwenden. Ferner kein Zeitverluſt mehr, die Maſchine in Gang zu bringen, ſofortiges Stocken der Koſten mit der Arbeit. Ueberdies ein leichtes und bequemes Leiten ohne erfahrene und geſchickte Heizer, da die Kohlen mit der größten Regelmäßigkeit automa⸗ tiſch auf den Roſt geſchüttet werden. Endlich möglichſt große Knappheit des von der Maſchine und ihrer Feuerung eingenommenen Raumes, ſowie leichtes Auf⸗ ſchlagen derſelben im erſten beſten Raum, in Kellern, Magazinen, ſowie in jedem beliebigen Stockwerk eines Hauſes u. ſ. w. Speciell mit Bezug auf Dampfſchiffe gewährt die Maſchine einen koſtbaren Raumgewinn, das Angenehme, eine Fahrt in einer Tour vollenden zu können u. ſ. w. Unberechenbare Vortheile erwachſen aus der Einführung der neuen Maſchine den Eiſenbahn⸗ verwaltungen:— Schwinden ſämmtlicher mit dem Waſſerbedarf verknüpften Koſten; bedeutend wohlfeilerer Maſchinenbau; Reducirung des enormen Gewichts der jetzt in Gebrauch ſtehenden Lokomotiven. Auf der fran⸗ zöſiſchen Nordbahn ſind Muſterlokomotiven zum Per⸗ ſonentransport eingeführt, die 48.350 Kilogramm wie⸗ gen, wovon 12.750 Kilogramm auf Rechnung des Waſſers⸗ und Kohlenvorraths kommen. Die Lokomotiven zum Waarentransport wiegen 57.600 Kilogramm, und hiervon kommen auf Rechnung des Waſſer⸗ und Kohlen⸗ vorraths 16.000 Kilogramm. Mit der neuen Luft⸗
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