Jahrgang 
1864
Seite
241
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Rudolf Juſt, Dr. phil.: Dimitrio Machalis, oder: Die Räuber von Künopode. 241

gerad bei guter Laune angetroffen, und ſo wird das Schlimmſte, was wir mit Dir vornehmen, nichts weiter ſein, als daß wir Dich nackt ausziehen und auf einen Eſel gebunden, mit dem Geſichte nach dem Schwanze des Thieres gekehrt, auf der Straße nach Nauplia ziehen laſſen! Doch läßt Du Dir das geringſte Vergehen zu Schulden kommen, dann wiſſe, daß Du im Nu in Kochſtücke zerhauen wirſt, und Deine Knochen in alle Winde zerſtreut werden, die draußen im Walde brauſen!

Dem Charakter Dimitrios war trotz ſeiner großen Härte doch der unverkennbare Stempel launiger Großmuth aufgedrückt. Es würde ihm ſchwer geworden ſein, auch eines größeren Verbrechens wegen einen Schelm aufknüpfen zu laſſen, der unter dem Galgen noch einen beſondern Muth zeigte, oder einen guten Spaß machen konnte. Und trotz der derben entehrenden Späße, die er ſich von den muthwilligen Räubervögeln gefallen laſſen mußte, kam ihm doch der Handel höchſt lächerlich vor: er ſollte in einer Räuberſpelunke den Bratſpieß drehen, woran eine ganze Herde Gänſe auf einmal ſchmorte, unter dem beſtändigen Grinſen und Kneifen der begießenden Köchin, ſo daß es ihm immer ſcheinen wollte, als habe er zu ernſte Anſtalten getroffen. Aber der weiſeſte Mann, der heute lebt, erräth und ahnet nicht immer, was morgen ihm begegnen kann; auch kamen Dinge hinzu, die ſich Dimitrio nie hätte träumen laſſen, und die die Strenge ſeines erſten Ent⸗ ſchluſſes als vollſtändig gerechtfertigt erſcheinen ließen.

Nun, ſagte Pezzali, als der Statthalter von ſeinem Platze aufſtand,das ſieht doch endlich einmal aus, als ſollten wir zu eſſen bekommen; aber das ſage ich Euch, nicht mehr als eine Stunde haben wir dazu Zeit übrig; dann halte ſich ein FJeder bereit zum Auf⸗ bruch! Aber, ſetzte er, ſich zu Dimitrio wendend, hinzu,reden können wir ſchon ein wenig von dem, was Du bei Dir haſt. Ich habe ſchon ſo manchen un⸗ anſehnlichen Rock recht hübſch ausgefüttert gefunden, doch allen Reſpekt vor dem Deinigen!

Eigenes Geld, verſetzte der Statthalter,habe ich nur wenig; höchſtens einige Drachmen, und Ihr möget es mir nehmen oder laſſen, ſo macht das nichts aus; eine andere Summe von hundert Drachmen erhielt ich von einem vornehmen Herrn in Nauplia, die ich zu Argos abgeben ſoll, aber das iſt anvertrautes Gut!

Dank ſei dem Manne, der Dir es anvertraute, Freund! Es trägt zwar Einem nur fünf Drachmen was iſt das unter ſo viele? Aber doch geſchwind her damit!

Und fürchtet Ihr nicht die Folgen ſolcher Gewalt⸗ thätigkeit? fragte der Statthalter, als der Sprecher ſeinen Säbel zog;glaubt Ihr, daß er, bei deſſen Na⸗ men Ihr Alle zittert, er, der in Nauplia herrſcht, ſchlafen wird, während Ihr in den Grenzen ſeiner Herrſchaft ſolch' Unweſen treibt?

Wer herrſcht in Nauplia? erwiederte Pezzali mit einem Lächeln, in welchem Verochtung und die bit⸗ terſte Rache zugleich lag.Das wäre doch ſonderbar wie könnte ein Wörtchen von dieſer Gewaltthätigkeit in Nauplia anders verlauten, als durch unſere Großmuth?

Erinnerungen. 88. Bd. 1864.

Wenn wir etwas zu fürchten hätten, wer wehrt es uns⸗ Dich alten Narren in Stücke zu hauen? Höre, mein Freund, Dir in's Ohr geſagt es iſt ein Geheimniß, ſage es ja Niemanden wieder: er, der in Nauplia herrſcht, weiß in dieſem Augenblicke Alles von Dir, was er je erfahren kann; wenn Dein Schickſal in unſerer Hand liegt, wie es doch jetzt den Anſchein hat, ſo iſt ſein Untergang eben ſo gewiß!

Der Name Dimitrio, an einem ſolchen Orte ausgeſprochen, war ein Zauberwort, womit man den Teufel citiren konnte. Das wußte der Statthalter und ſprach das Wort; ein Geiſt wie der ſeinige ließ ſich, ſo⸗ bald ein Schritt ihm gelungen war, vom Weiterſchreiten ſelbſt durch die äußerſte Gefahr nicht abſchrecken;, aber auf dieſe Antwort war er nicht gefaßt. War er erkannt? Er blickte im Zimmer umher.

Nun, was haſt Du in Deinem Rocke zu wühlen, Burſche, was haſt Du da? fragte ein ſtarker Kerl, welcher in Pezzalis Bande in höherem Anſehen zu ſtehen ſchien.

Das verabredete Signal war noch nicht zu ſehen; Dimitrio zog ſeine Börſe heraus, ſeine Antworten waren ziemlich gleichgiltig; aber er hatte noch Hoff⸗ nung, wenn er den entſcheidenden Schlag noch einige Augenblicke aufhalten konnte.

Und was wirſt Du dem Statthalter klagen? forſchte Pezzali;verſteht ſich, wenn wir Dich leben laſſen.

Wenn ich nun, erwiederte Dimitrio, der kaum wußte was er ſagte,wenn ich Euch nun einen Eid ablegte, daß ich nicht klagen werde?

In dieſem Falle könnte man Dich Deines Eides entbinden, meinte Pezzali;aber ſiehe, Du Schelm, Deine Dummheit allein kömmt Dir zu Gute und macht, daß ich lieber mit Dir ſchwatze als Dich an die Wand ſpießen laſſe; Du ſollſt leben und morgen die Erlaub⸗ niß erhalten, den Statthalter aufzuſuchen wohlge⸗ merkt, wenn er Dich hören will; denn wiſſe, die Hand Dimitrios hat ſchon zu lange gelegen auf den Vie⸗ len; wer das Schwert nimmt, der ſoll durch das Schwert umkommen; dieſe Nacht ſoll ſein Stündlein ſchlagen! Sein Tod iſt für uns Triumph!

Der Statthalter hatte bei dieſen Worten das Ge⸗ ſicht des Räubers ſcharf gemuſtert; Bosheit, Rache und tückiſche Freude ſprachen aus demſelben, aber kein Zei⸗ chen, daß man ihn erkannt habe.Dimitrio' Tod iſt beſchloſſen! ſagte er,es iſt unmöglich!

Wir ſagen es Dir aber, erwiederte lächelnd der zweite Befehlshaber,gehe hin, verrathe uns, Dein Glück iſt gemacht, wenn es Dir gelingt, Deinen Oberen zu retten! 1

Und hält er ſich nicht für ſicher? fragte Di⸗ mitrio wieder.

O ja, verſetzte der Räuber,das denkt der Stolze immer, und findet doch zuletzt, daß er ſich irrte! Jetzt gerade ſchmiedet er Pläne und Anſchläge gegen das Leben derer, die vor Tagesanbruch noch ſein eige⸗ nes in ihren Händen haben werden! Er träumt ſtolz, geſiegt zu haben; er ſchmeichelt ſich, die Nachwelt werde

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