Jahrgang 
1864
Seite
236
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träts und eine porzellanene Untertaſſe mit einer nied⸗ lichen Kindergruppe. Es iſt höchſt wahrſcheinlich, daß dieſe Erfindung einſt ungemeinen Anklang finden und Vaſen, Teller, Taſſen und andere Porzellanartikel, Brochen ꝛc., mit den wohlgetroffenen photographiſchen Porträts des Gebers geziert, ein Lieblingsgegenſtand für Geburts⸗ tags⸗ und Weihnachtsgeſchenke ſein werden. Dasſelbe kann man den ſchönen Photographien auf weißer Seide prophezeien, die ebenfalls Lafon ausgeſtellt hatte. Es waren tadellos ausgeführte Bilder(meiſt ohne Hinter⸗ grund), die, in einen Rahmen geſpannt, theils als Fen⸗ ſtervorſetzer, theils als Lichtſchirme dienen können. Viel⸗ leicht dauert es nicht lange mehr, daß Photographien auf ſeidenen Toiletteartikeln eine wichtige Rolle ſpielen werden. Hier bietet ſich ein reiches Feld der Anwendung dar, z. B. Photographien auf Bändern(Bouquets, Blumen), auf Kleidern(vollſtändige Guirlanden) und endlich auf Taſchentüchern.

Nach Frankreich hat ſich England um die Vervoll⸗ kommnung der Photographie die meiſten Verdienſte er⸗ worben, ja es kann ſogar für gewiſſe Zweige derſelben die Priorität der Erfindung in Anſpruch nehmen. Wed⸗ gewood und Davy waren die erſten, die im Jahre 1812 den Verſuch machten, die Wirkung des Lichts auf das Chlorſilber zur Anfertigung von Kopien zu benutzen, die ſie freilich nicht zu fixiren wußten. Damit war ſchon der Grund zu dem jetzigen Kopierverfahren gelegt, das Fox Talbot im Jahre 1839 weiter ausbildete. Er lehrte die Herſtellung eines Papiernegativs, wonach eine un⸗ begrenzte Zahl von Kopien angefertigt werden kann, ein Verfahren, welches, ſpäter von Bingham durch Ein⸗ führung des Kollodions weſentlich verbeſſert, alle übrigen Verfahrungsweiſen, ſo z. B. den Daguerre ſchen Proceß faſt ganz verdrängt hat und jetzt das allein herrſchende geworden iſt.

In der engliſchen Ausſtellung fiel, was Photo⸗ graphien anlangt, vor Allem der große Reichthum an Landſchaften auf. Von ſolchem ungeheuren Umfange, ſolchem Geſichtsfelde und ſolcher Tiefe, wie die Pracht⸗ bilder aus dem Atelier von Maxwell Lyte, fanden ſich hierunter zwar keine, dagegen zeichneten ſich die engliſchen Bilder durch eine meiſterhafte Ausführung des Baum⸗ ſchlages aus, und namentlich müſſen in dieſer Hinſicht die Landſchaften von Vernon Heath und Macdonald hervorgehoben werden. Bewundernswürdig waren das Ufergebüſch eines Fluſſes und eine Teichvegetation von dem Erſteren. Die größten landſchaftlichen Blätter hatte Piper ausgeſtellt. Von Dollamore und Bullock ſah man mehrere kleinere abgetönte Landſchaften. Dieſe Art Land⸗ ſchaftsvignettebilder machen einen höchſt angenehmen Eindruck, namentlich auf ſolchen Bildern, wo ein gewiſſer Gegenſtand ein Haus, ein Baum, ein Berg ſelbſt⸗ ſtändig hervortreten ſoll. So hatte Lieutenant Wortley einige ſehr hübſche Veſuvbilder der Art geliefert. Von Architekturen ſind zuerſt die ſchönen Aufnahmen vom Innern des Induſtriepalaſtes ſelbſt, durch die Pho-

tographic and Stereoscopic Company zu nennen. Sie waren nicht eigentlich ausgeſtellt, wurden aber an vielen Tiſchen der Ausſtellung verkauft. Die treffliche

Die Photographie auf der Londoner Ausſtellung.

Ausführung der Oetails in dieſen Bildern iſt bewunderns⸗ werth; von den in unmittelbarer Nähe des Beſchauers befindlichen Porzellanvaſen, bis zu der 500 Schritt ent⸗ fernten Goldpyramide, traten ſie mit derſelben Klarheit hervor: ein Triumph Dallmayer'ſſcher Linſen. Man muß die Vorzüglichkeit der betreffenden Photographien um ſo mehr würdigen, als die Zeit zur Aufnahme nicht nach Belieben gewählt werden konnte, ſondern dieſelben in den Morgenſtunden vor 10 Uhr erfolgen mußte, wo das Licht in manchen Theilen des Gebäudes keineswegs ein günſtiges war.

Den Preis in Finſicht der Photographien nach Kunſtwerken verdienten ebenfalls die ſchönen Bilder der Photographic and Stereoscopie Company. Dieſe Ge⸗ ſellſchaft hatte für das Privilegium, die Kunſt⸗ und In⸗ duſtrie⸗Gegenſtände in der Ausſtellung allein aufnehmen zu dürfen, 1500 Guineen bezahlt und eine Menge von Blättern geliefert, von denen die meiſten als ebenſo trefflich in Zeichnung, wie in Tintenvertheilung und Tonung zu rühmen waren. So namentlich die Statuen: das leſende Mädchen, der Traum, Gibſons Venus, Frai⸗ kins Venus u. ſ. w.

Wir kommen nun zu den Porträts. Schon bei flüchtiger Anſchauung derſelben fiel das Vorherrſchen der in Farben retouchirten Bilder auf, und man mußte anerkennen, daß manche von ihnen mit einer Sorgfalt retouchirt waren, die die zarteſten Details der Photo⸗ graphie unbeſchädigt gelaſſen hatte. In dieſer Beziehung leiſten die Engländer entſchieden mehr, als die Franzoſen, obgleich ſie ſonſt im Porträtfach von dieſen übertroffen werden. Namentlich excellirten, was den genannten Vor⸗ zug anlangt, auf der Londoner Ausſtellung Bowers und Kilburn.

Hinſichtlich der Karten ſtehen die Engländer nicht nur den Franzoſen, ſodern auch den Deutſchen nach. Am beſten waren die von Meyer und Watkins. Der Preis derſelben iſt übrigens höher, als bei uns. Sechs Karten koſten 3 ½ Thaler, zwanzig 6 Thaler, jede Karte über zwanzig 10 Sgr. Auf die Stereoſkopen übergehend, müſſen wir zum dritten Mal die Photo- graphic and Stereoscopic Company erwähnen. Ihre ſchönen Leiſtungen in dem betreffenden Fache ſind ſchon längſt in allen Kunſtläden Europa's zu finden. Die beſten mikroſkopiſchen Photographien lieferte unter den Engländern Dancer. Dieſelben bedürfen freilich zur Betrachtung eines beſonderen Inſtrumentes, ſind dafür aber noch zarter und ſchärfer ausgeführt, als die Dagronſſchen.

Schließlich mögen den Glasphotographien von Highley einige Worte gewidmet ſein. Es ſind das kleine

kreisrunde Bilder nach Statuen und Kunſtwerken, Thiere und Pflanzen verſchiedener Art, Maſchinen u. ſ. w. und für die laterna magica beſtimmt, die in England nicht nur als Kinderſpielwerk, ſondern als wichtiges Hilfs⸗ mittel beim Unterricht angewandt wird. Die nach dieſen Photographien von dem Apparate auf die Wand ge⸗ worfenen Bilder erſetzen die theuren und trotz ihres hohen Preiſes doch nur roh ausgeführten Wandtafeln und laſſen ſich obendrein viel bequemer handhaben, als