Jahrgang 
1864
Seite
231
Einzelbild herunterladen

dieſe ge⸗

te zu por.

an und 1 zu. cen.

ihn oſter⸗

agen, t ich

Nach⸗

kliche te des einge⸗ in der r er⸗ einem ſelben abge⸗ . Er lange

topen⸗ utete:

er bei gerich ver⸗ vollte,

Julius Roſen:Schleswig⸗Holſtein meerumſchlungen. 231

taucht, als er auch ſchon zum Bewußtſein kam, daß es unzart wäre, nun von ſeiner Liebe zu ſprechen, wo des geliebten Vaters Leben auf dem Spiele ſtand.Ver⸗ zeihen Sie mir, ſtammelte er, ergriff Berthas Hand und bedeckte ſie mit Küſſen,verzeihen Sie mir, Bertha, aber ich liebe Sie!

Ich zürne Ihnen nicht, entgegnete unter Thränen lächelnd das Mädchen.Sind Sie doch mein einziger Freund, der Einzige, von dem ich Rettung für meinen Vater hoffe.

Ueberlegend ſchritt der junge Mann mit großen Schritten im Zimmer auf und ab. Es wollte ihm kein rettender Gedanke kommen. Endlich blieb er vor Bertha ſtehen und ſprach:Ich muß fort, ich muß nach Kopenhagen. Noch heute reiſe ich zum Oberkom⸗ mandanten. Während des Waffenſtillſtandes werden die Kriegsgefangenen ausgewechſelt. Ich will aufrichtig gegen ihn ſein, will ihn bitten, mich mit dieſer Sen⸗ dung zu betrauen. Er iſt gut und edel, er wird es er⸗ lauben.

Ein Strahl der Freude zuckte über Berthas Geſicht.Ich reiſe mit Ihnen, Robert, entgegnete ſie ſchnell.Wenden Sie mir nichts dagegen ein, ich reiſe. Man wird es unſchicklich finden, daß ein junges Mädchen allein mit einem jungen Manne reiſt, die Braut des jungen Mannes wird man entſchuldigen, beſonders dann, wenn es das Leben ihres theuren Vaters gilt. Machen Sie Alles zur Abreiſe fertig. Morgen reiſen wir und heute Abend verloben wir uns. Ohne Walls Antwort abzuwarten, entfernte ſich Bertha.

Wer war glücklicher als unſer junge Officier. Bertha ſeine Braut, alle ſeine Hoffnungen waren erfüllt.

Am Abend gab es in Kronwerda eine ſtille, aber erhebende Feier. Bertha hatte die Aerzte des Spi⸗ tals, die rekonvalescenten Officiere, Mariens Vater und den alten Pfarrer des Ortes eingeladen. Dieſer nahm den Brautleuten das feierliche Eheverſprechen ab. Der alte Schullehrer gab im Namen des Grafen ſeine Einwilligung, und als die Gäſte um die reichbeſetzte Tafel ſaßen, da erklang mancher Toaſt auf das Wohl des jungen Paares, auf eine glückliche Befreiung des guten Grafen Brander.

Am andern Morgen begab ſich Wall mit ſeiner Braut und mit Marie, welche darauf beſtanden war, Bertha zu begleiten, in's Hauptquartier. In Erwä⸗ gung der wichtigen Umſtände, welche Wall zu ſeinem Entſchluſſe brachten, gab der Obergeneral ſeine Ein⸗ willigung zur Reiſe, betraute ihn mit den nöthigen Vollmachten und wenige Tage nachher ſtieg die kleine Geſellſchaft in Kopenhagen an's Land. Gewiß jeder unſerer Leſer ruft ihnenglückliche Verrichtung zu.

9.

Nach dem verunglückten Fluchtverſuche wurde der alte Graf in das Gefängniß zurückgeführt. Da jedoch der Major Gramonz gar ſchwere Anklagen gegen

ihn erhoben hatte, ward er in ein einſames, wohlver⸗ wahrtes Zimmer gebracht, an Händen und Füßen gefeſſelt und erwartete alſo, zum Tode bereit, das Gericht.

Er ſah ſehr wohl ein, daß Bergers verwegenes Spiel ſich nun an ihm rächen mußte, denn in den Augen des Kommandanten war ja er der Rädelsführer, er hatte ſeine Mitgefangenen zur Flucht bewogen und er wußte allzu genau, daß alle ſeine Betheuerungen ungehört verſchallen würden und ein Todesurtheil ſeiner harrte. Er fürchtete den Tod nicht. Hatte er es doch erlebt, daß ſein Vaterland vom däniſchen Joche befreit war, ob er als ein Märtyrer ſeiner guten Sache falle oder nicht, war ihm nur inſofern nicht gleichgiltig, weil er ſeine Tochter unverſorgt, ohne Schutz wußte. Um ſich auch in dieſer Hinſicht zu beruhigen, hing er mit Vergnügen den Gedanken nach, welche Bergers Erzählung von Wall und ſeiner Neigung zu Bertha in ihm her⸗ vorgerufen hatte. Dieſer edle junge Mann durfte ſein Kind nicht verlaſſen, als ſeine Gattin ſtand ihr eine glückliche Zukunft bevor und er ſegnete im Geiſte den Bund der Liebe. So gefaßt, wartete er ruhig, vor ſeine Richter geführt zu werden.

Berger aber und Wilhelm waren glücklich entronnen. Es wäre klug geweſen, Kopenhagen augen⸗ blicklich zu verlaſſen, und der Gefahr, die ihnen, falls ſie eingebracht werden ſollten, drohte, zu entrinnen, doch daran dachte Berger nicht im Entfernteſten.Dieſer Anſchlag iſt mißlungen, ſprach er zu ſeinem Gefährten, wir müſſen auf einen andern ſinnen. Bleibe ich draußen, kann ich weder dem Grafen noch uns nützen, ich muß alſo in's Gefängniß zurück.

Sie rennen in Ihren Tod! rief erſchreckt Wilhelm.

Das möchte ich nicht, entgegnete Berger, und hofſe es zu verhüten. Sie bleiben draußen, ziehen dieſe Kleider aus, verſchaffen ſich mit Hilfe dieſer Gold⸗ ſtücke, welche ich für meine Spionage erhalten habe, andere Kleider und ſchleichen verkleidet und unkenntlich gemacht öfter um die Kaſerne herum, bis Sie von mir hören werden.

Wie aber wollen Sie zurückkommen?

Ich habe das ſchon überlegt. Reißen Sie die Achſelſchnüre von den Uniformen herab, binden Sie mir damit Hände und Füße und laſſen Sie mich liegen, das Uebrige wird ſich finden.

Trotz der Entgegnungen Wilhelms blieb Berger bei ſeinem Entſchluſſe. Er zerraufte ſich das Haar, zerriß ſeine Kleider und munterte Wilhelm auf, ihn nur recht feſt zu ſchnüren und ganz ernſthaft zu feſſeln. Als er nach ſeinem Wunſche zugerichtet da lag, ſagte er Wilhelm Adieu, wartete, bis dieſer in der Gaſſe verſchwunden war, und fing ſodann an, ganz jämmerlich zu ſchreien und um Hilfe zu rufen. Bald ſteckten die Leute die Köpfe aus den Fenſtern ihrer Wohnungen und ehe eine Viertelſtunde verging, um⸗ ſtanden ihn hunderte Neugieriger, welche nicht wußten, was ſie mit dem Menſchen, der ſich ihnen nicht ver⸗ ſtändlich machen konnte, anfangen ſollten. Der Auflauf wurde immer ärger, es kam eine Patrouille, die Sol⸗