Jahrgang 
1864
Seite
221
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Der junge Mann:Und ihr ſprechet?

Zweiter Gründling:Warum nicht?

Die Forelle:Aber Sie, mein Lieber, ſind Sie doch ſo gut und ſagen Sie mir, warum Sie einen Kopfſprung in die Seine gemacht haben?

Erſter Gründling:Haben Sie Ihr Vermögen ver⸗ oren?

Der junge Mann:Mehr als das.

Alle:Was alſo?

Ein philoſophiſcher Gründling:Ich weiß, warum er ſich hat um's Leben bringen wollen. Es iſt die Liebe, welche ihn zum Selbſtmord getrieben hat.

Der junge Mann:Es iſt wahr, aber wie wiſſen Sie denn das?

Der philoſophiſche Gründling:Weil ich das menſch⸗ liche Geſchlecht kenne. Ich bin ein alter Gründling, ein Schlaukopf, der noch nie an die Angel gebiſſen hat, und ſeit ich auf der Welt bin, habe ich ſchon einer hübſchen Anzahl von Selbſtmorden beigewohnt. Da ich auch ein ſehr großer Freund der Statiſtik bin, ſo habe ich alle Urſachen dieſer Todesart notirt. Ein Mann ſtürzt ſich nicht in's Waſſer, weil er ruinirt iſt. Hat er all' ſein Geld verloren, ſo hofft er, deſſen wiederzugewinnen. Er wird auch nicht trachten, ſich umzubringen wegen einer ſchlechten Handlung die er begangen hat, aber er wird nicht zaudern ein Kopfüber in die Seine zu machen für ein Frauenzimmer, das ihn betrügt. Wie doch die Männer dumm ſind!

Der junge Mann ſſehr ärgerlich):Aber, hören Sie, ich glaube, daß.*

Laſſen Sie mich fortſetzen. Die Frauen ſind auch nicht geiſtreicher wie ihr. Ich habe berechnet, daß von zehn Frauen, die in's Waſſer ſpringen, neun durch Herzenswehe zu dieſem Selbſtmorde getrieben waren.

Erſter Gründling:Alle Lokalnachrichten der Zeitungen ſprechen davon.

Die Forelle:Dies beweiſt, daß die Frauen manch⸗ mal lieben.

Der philoſophiſche Gründling:Laſſen Sie mich doch aus, ſie handeln nur ſo aus Eigenliebe; ſie ſind wüthend, von einem jungen Manne verlaſſen worden zu ſein, der ihnen viel Geld gab.

Der junge Mann:Das iſt eine infame Lüge.

2 Der Philoſoph:Ich kenne die Welt beſſer als ie.

Der junge Mann:Meine Cäcilie liebte mich auf⸗

richtig. Leſen Sie nur, was ſie mir geſchrieben hat.

Der Philoſoph:Schauen wir einmal.(Nachdem er geleſen hat.) Und Sie glauben daran? Sie ſind ſchön angeführt! In der That, das wundert mich nicht, alle jungen Leute ſind ſo: ſie glauben immer, daß es ſo geſchehen iſt.

Ich glaube, daß Sie mich inſultiren?

Hätten Sie vielleicht die Abſicht, mich deßwegen zur Genugthuung zu fordern? Hören Sie einmal, Sie armer Thor, haben Sie denn keine Eltern mehr?

O ja, ich habe noch meine ganze Familie.

Haben Sie denn nicht gedacht an den Schmerz, den Sie Ihrem Vater und Ihrer Mutter verurſachen werden, wenn ſie Ihren Tod erfahren?

Oh, das iſt wahr.

Und ohne etwas zu überlegen, erſäufen Sie ſich eines ſolchen Dinges wegen?

Sie iſt ſo hübſch! Schauen Sie, da iſt ihr Porträt.

Sie iſt nicht übel. Ah! aber warten Sie nur, dieſe Züge ſind mir nicht unbekannt. Seit zwei oder drei Tagen fährt dieſes reizende Dämchen mit jungen Leuten auf dem Waſſer ſpazieren.

Sie irren ſich, das iſt unmöglich.

Wir ſind da gerade bei Asnisres angekommen, und hier iſt es, wo ſie bei Mondenſchein Kahnel zu fahren pflegt... Ich höre das Geräuſch der Ruder. Ich bin überzeugt, daß es Ihre Vielgeliebte iſt. Grade erkenne ich ihre Stimme.

Welche Infamie!

Hören Sie doch.

Cäcile(zu einem Stutzer):Mein lieber Freund, Sie allein ſind es, den ich liebe.

Der Stutzer:Iſt es wirklich wahr?

Ich ſchwöre es Ihnen.

Und Sie haben dieſen Herrn Paul bergeſſen?

Ihn, o ja! das war ein Blödſinniger, der mich zwang, alles zu entbehren. Ich habe heute Abend mit ihm gebrochen, indem ich ihm ſchrieb, daß ich ihn verlaſſe, weil ich fürchtete, ihn zu ſehr zu lieben.

Er hat aber merken müſſen, daß Sie ſich über ihn luſtig machen.

Ohl nein, er iſt zu dumm dazu.

Die Barke entfernt ſich.

Der philoſophiſche Gründling:Sie haben gehört?

Der junge Mann(außer ſich).Ich bin wüthend. Und wenn ich bedenke, daß ich mich wegen dieſem Nichts⸗ nutz in's Waſſer geſtürzt habe.

Der Gründling:Sie bedauern es?

O ja! Himmell ich fange an zu erſticken. will leben.

Wenn Sie ſchwimmen können, ſo gewinnen Sie eiligſt das Ufer.

Aber ich habe keine Idee davon.

Schlimme Geſchichte das. Aber es thut nichts, machen Sie nur vorerſt dieſen Stein los, den Sie ſich an den Hals gebunden haben. Das Waſſer wird Sie dann auf die Oberfläche ſchwemmen, und Sie werden ſich ſchon für die fünfzehn Franken, welche die Regierung für Lebensrettung ausgeſetzt hat, von irgend einem Nacht⸗ ſtreicher auffiſchen laſſen.

Ich danke Ihnen tauſendmal für die guten Rath⸗ ſchläge, die Sie mir geben. Aber was könnte ich Ihnen anbieten, um Sie zu belohnen für den Dienſt, den Sie mir geleiſtet haben?

Nichts.

Ich möchte Ihnen dennoch beweiſen, daß ich kein Undankbarer bin.

Nun, verpflichten Sie ſich zu einer Sache.

Ich nehme an.

Verſprechen Sie mir, keine Gründlinge mehr zu eſſen.

Ich ſchwöre es Ihnen.

Adieu, junger Narr.

Adieu, mein Retter.

Aber ich

Das Paradies der Irrſinnigen.

Unter den Wohlthaten, welche die Aufklärung und Menſchenliebe der neuern Zeit erſchaffen haben, nehmen die Anſtalten, welche eigens zur entſprechenden Verpflegung und ärztlichen Behandlung von Geiſteskranken begründet worden, eine hervorragende Stellung ein. In früheren Zeiten war kaum der Gedanke an ſolche Anſtalten vor⸗ handen und der Zuſtand der meiſten Geiſteskranken völlig. abhängig von den Angehörigen derſelben, darum aber meiſt traurig. Später dienten die dieſen Unglücklichen er⸗ öffneten Armen⸗, Arbeits⸗ Kranken⸗ und Zuchthäuſer mehr dazu, dieſe Art des menſchlichen Elends den Augen der Mitmenſchen zu entziehen und in Vergeſſenheit zu begraben, als es zu mildern; denn gewöhnlich theilten die Irren die Behandlung Derer, für welche jene Häuſer erbaut waren. Die erſte Irrenanſtalt nach neueren Begriffen, das St. Lukas⸗Hoſpital in London, iſt nur wenig über hundert Jahre alt, und erſt ſeit deren Begründung(1751) ſind allmälig in den civiliſirten Staaten erfreuliche Fortſchritte in Bezug auf richtigere und menſchenfreundlichere Theorie und Praxis der Seelenheilkunde gemacht worden. Ein in

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