Jahrgang 
1864
Seite
220
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218

Feuilleton.

Das iſt ſehr ſinnreich eingerichtet.

Ich will nun für Ihr Fräulein die Wahl treffen.

Er kommt fünf Minuten darauf mit einem jungen, eleganteſt gekleideten Manne zurück.

Der Unternehmer:Hier iſt der Zukünftige, den ich Ihnen bringe; er gehört einer ſehr anſtändigen Fa⸗ milie an.

Der junge Mann:Hier iſt ein ärztliches Zeugniß, welches beweiſt, daß ich geimpft worden bin.

Hr. Groſſetste:Dann iſt kein Hinderniß mehr, daß Sie in meine Familie treten.

Ich werde mich dadurch ſehr geehrt fühlen. Ich habe drei tauſend Franken Rente und einen Poſten von vier tauſend Franken jährlich.

Fr. Groſſetéte:Mit dieſem kann man das Glück eines jungen Mädchens machen.

Hr. GroſſetéteWann unterzeichnen wir den Kontrakt.

Der junge Mann:Sch ſtehe ganz zu Ihrer Ver⸗ fügung.

Hr. Groſſetéte:Mittwoch wenn Sie wollen, und die Hochzeit wiro Donnerſtag früh ſtattfinden.

Der junge Mann:Ganz einverſtanden.

Der Unternehmer:Da nun Alles geregelt iſt, ſo wollten Sie mir gefälligſt mein Honorar zahlen.

Hr. Groſſetste:Wie viel iſt das?

Drei Procent von der Mitgift.

Hier.

Mein Vater wird wohl in der großen Allee ſpazieren ſein, erlauben Sie mir, ihn zu holen.(Er entfernt ſich.)

Hr. Groſſetéte:Er iſt fein, mein Schwiegerſohn... A propos, wir haben vergeſſen, die Eulalie zu fragen, wie ſie ihn finde.

Eulalie:Da er nach Deinem Geſchmacke iſt, ſo reicht das hin.

Fr. Groſſetéte:Du haſt Recht, meine Tochter.

Ein Individium(zu Hr. Groſſetéte):Entſchuldigen, mein Herr, iſt Ihr Fräulein Tochter verheiratet?

Hr. Groſſetète:Ja.

Wollen Sie mir alſo gefälligſt Ihren Namen ſagen, denn ich bin der privilegirte Notar dieſes Gartens; der Kontrakt wird in zwei Stunden bereit ſein.

Schön; wollen Sie nur in einem Augenblick wieder vorbeikommen, ich warte auf meinen Schwiegerſohn, und werde ihn um ſeinen Namen fragen.

Fr. Groſſetéte:Wie doch in gegenwärtiger Epoche die Heiraten ſchnell geſchehen; ehemals war das nicht ſo.

Hr. Groſſetéete:Mein Großvater hat mir geſagt, daß er ſeiner Frau faſt einen Monat lang die Cour ge⸗ macht hat. 8

Sapperlot! das würde mir nicht gefallen, das iſt zu lang.

Man muß aber auch ſagen, daß es im Jahre 1864 war.

Es ſcheint, daß man damals, viel Zeit zu verlieren hatte. A propos, ich denke gerade daran, Mittwoch haſt Du ja ein Geſchäfts⸗Rendezvous mit Hr. Durand!

Richtig. Wir werden alſo die Hochzeit unſerer Toch⸗ ter verſchieben müſſen.

Oh, ich dank' ſchön. Wir hätten dann vielleicht Zeit, an unſerem Schwiegerſohn Fehler zu bemerken, was der Hochzeit ein Ende machen könnte.

Der junge Mann(ankommend):Mein Vater wird in einem Augenblick kommen.

Hr. Groſſetéte:Mein Schwiegerſohn, ich habe auf Mittwoch eine ſehr wichtige Angelegenheit vor. Wäre es Ihnen denn einerlei, den Kontrakt heute Abend unterzeichnen zu kommen, und die Hochzeit morgen früh abzuhalten?

Ganz ſchön. Meinem Vater, der Dienſtag Früh ab⸗ reiſen wollte, wird das ſehr lieb ſein, da er ſeine Reiſe ſomit nicht aufzuſchieben haben wird.

P. 8. Wahrlich, die 1964er müſſen ſich über die Zeitgenoſſen von 1864 recht luſtig machen!

XXI. Auf dem Grunde des Waſſers. (Phantaſtiſche Erzählung.)

Es iſt zwei Uhr des Morgens, ein junger Mann geht mit großen Schritten dem Seine⸗Fluſſe zu.

Er iſt bleich, ſeine Haare ſind in Unordnung, ſeine Kravatte iſt aufgebunden.

Er bleibt ſtehen, ſchreitet dann wieder vorwärts, um ein wenig weiter wieder ſtehen zu bleiben und einige Mi⸗ nuten nachher wieder ſtärker zu laufen.

Und dies alles, indem er heftige Geſten machte und zu ſich ſelbſt ſprach:

Cäcilie will mich nicht mehr ſehen; Unglück aller Unglücke!

Sie, die ich ſo ſehr liebe, ſie, welche mein Leben iſt..., ohl das iſt fürchterlich!

In gewiſſen. Momenten glaube ich, daß ich träume; aber, leider! das, was mir widerfährt, iſt nur zu ſehr Wirklichkeit. Hier iſt der Brief, den ſie mir ſchreibt:

Mein lieber Paul!

Ich ſehe, daß ich Dich viel zu ſehr liebe; wenn Du Dich verheirateſt, ſo würde ich vor Gram ſterben; um mir aber einen ſolchen Tod zu erſparen, iſt es nur zu hohe Zeit, daß wir unſere Bekanntſchaften brechen.

Ich werde alſo nicht bei dem Rendez⸗vons eintreffen, welches ich Dir gegegen hatte.

Entſchuldige mich, was ich in dieſem Augenblicke thue, iſt zu Deinem Beſten und zu dem meinigen.

Ich umarme Dich von ganzem Herzen.

Cäecilie.

Nun leſe ich dieſen Brief wohl mehr als zwanzig Mal, ich weiß ihn auswendig.

Es iſt richtig Cäcilie, die mir dieſen Brief ſchreibt, ich erkenne ihre Schrift.

Ich bin entſchloſſen, meinen Tagen ein Ende zu machen.

Ich will mich in die Seine ſtürzen.

Die Nacht iſt trübe, die Quais ſind öde, Niemand wird mich ſehen.

Um nicht wieder auf die Oberfläche des Waſſers dürüüfzufoſfmiene will ich mir dieſen Stein an den Hals

inden.

So, jetzt iſt es geſchehen.

Steigen wir über das Geländer.

Eins, zwei, drei...!

Adieu, Cäcilie, Adieu!

Auf dem Grunde des Waſſers.

Ein Karpfen:Großer Gott! was fällt uns denn da auf den Kopf?

Erſter Gründling:Ein Mann.

Eine Forelle:Schon wieder!

Zweiter Gründling:Die Menſchen haben alſo die Manie, ſich zu tödten.

Eine Schleihe:Deſto beſſer, je mehr deren ſterben werden, deſto weniger wird es Angelfiſcher geben.

Dritter Gründling:Seien Sie ohne Sorge, der da iſt nicht ein Feind.

Die Forelle:Wie wiſſen Sie das?

Dritter Gründling:Das iſt ein junger Mann, und wenn man zwanzig Jahre alt iſt, ſo angelt man nicht, das iſt eine zu ruhige Unterhaltung.

Der Karpfen:Seht doch, was das für ein hübſcher Burſch iſt.

Erſter Gründling:Verlieben Sie ſich nur nicht in ihn.

Die Schleihe:Er ſchaut uns an, und ſcheint ſehr erſtaunt, ſich hier zu befinden.

Der junge Mann:Wo bin ich?

Die Schleihe:Auf dem Grunde des Waſſers.

Der junge Mann:Wer ſpricht zu mir?

Erſter Gründling:Fiſche, lauter gute Jungens.