Jahrgang 
1864
Seite
217
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Vincenza. 215

ſcheidende Aufklärung über dieſe lächerliche Geſchichte geben kann. Habe ich mich getäuſcht, gut, ſo mag ſie kommen. Ich laſſe dann den Schlüſſel an der Thür ſtecken. Wenn dagegen der Schlüſſel nicht ſteckt, dann habe ich Gewißheit erhalten, daß mein Verdacht be⸗ gründet war, und dann bitte ich, laſſen wir die Sache für immer ruhen. Sprechen wir jetzt von anderen Dingen: Wie gefällt Dir mein neues Atelier?

Es iſt dem frühern bedeutend vorzuziehen, aber die Ausſicht iſt weniger ſchön. An Deiner Stelle hätte ich doch die Manſarde behalten, ſchon deshalb, um St. Peter und das Grabmal Hadrian's ſehen zu können.

Du bleibſt doch der alte Träumer und ſchwebſt immer in den Wolken! Apropos Wolken, laß mich meine Cigarre anzünden ſo. Und nun, Adieu! Ich gehe zum Verhör; und Du, melde Deinem Schütz⸗ ling meinen endgiltigen Beſcheid. Ich bin doch neu⸗ gierig, wer von uns Beiden der Angeführte iſt!

Am andern Morgen kam Vincenza ſchon ſehr früh zu mir. Ich ſchlief noch. Anfangs wagte ſie nicht, meinen Schlummer zu ſtören; aber zuletzt überwog doch ihre peinliche Unruhe. Sie nahm meine Guttarre, und ſchlug einige Accorde an, die mich aufweckten. Als ich die Augen aufſchlug, ſtand ſie vor mir, in unbeſchreib⸗ licher Spannung. Himmel! Wie ſchön ſie war! Die Hoffnung verklärte ihre reizenden Züge; trotz ihrer dunkeln Hautfarbe durchglühte ſie das Roth der Leiden⸗ ſchaft; ſie zitterte vor Aufregung.

Nun, Vincenza, ich glaube, er wird Euch wohl empfangen. Wenn der Schlüſſel an ſeiner Thür ſteckt, hat er Euch vergeben, und dann...

Mit einem Freudenſchrei unterbricht mich das Mädchen; bedeckt meine Hand mit Küſſen und Thränen; ſchluchzt laut, und ſtürzt dann, ohne ein Wort her⸗ vorbringen zu können, aus meinem Zimmer. Nur einmal noch wendet ſie ſich zu mir, mit einem ſeligen Lächeln des Dankes, das wie ein Himmelsſtrahl mich traf...

Nach einigen Stunden ich hatte mich eben angekleidet, kommt Grer zu mir und ſagt mit ernſter Miene:

Du haſt Recht gehabt. Ich war getäuſcht. Aber warum iſt ſie nicht gekommen? Ich habe ſie erwartet.

Wie? nicht gekommen? Sie iſt ja dieſen Morgen, halb wahnſinnig vor Freude, von mir fortgeſtürzt. In fünf Minuten mußte ſie bei Dir ſein.

Ich habe ſie nicht geſehen. Und doch ſtak der Schlüſſel an meiner Thür.

Herr des Himmels! Ich vergaß, ihr zu ſagen, daß Du jetzt ein anderes Atelier haſt. Sie wird Dich in der Manſarde, anſtatt im erſten Stock geſucht haben!

Fort! Fort!

Wir ſtürzen nach der Manſarde. Die Thür des alten Ateliers war verſchloſſen. Im Holz ſtak die ſilberne spada(Pfeil) feſt, die Vincenza im Haar getragen hatte. G'er erkannte ſie mit Schrecken; es war ſein Geſchenk. Wir laufen in ihre Wohnung nach dem Traſtevere; an der Tiber hin, nach der Promenade

Pouſſin's; wir fragen alle Vorübergehenden kein Menſch hatte ſie geſehen.

Endlich hören wir laute Stimmen und heftigen Streit.... wir eilen zur Stelle.... zwei Ochſentreiber prügeln ſich um den weißen fazzoletto (Schleier) Vincenza's. Die unglückſelige Albaneſerin hatte ihn vom Kopf geriſſen, und an das Ufer geſchleu⸗ dert, als ſie hinabſprang.

** *

Als kleines Scherzo mag dieſer traurigen Ge⸗ ſchichte noch das Schickſal einer Liederſängerin in Kon⸗ ſtantinopel folgen.

Ein muſikaliſches Ehepaar hatte Petersburg und Moskau zwar ohne den geringſten Erfolggemacht, hielt ſich aber trotzdem für empfehlenswerth genug, um einen einflußreichen Gönner zu bitten, ſie am Hof des Sultans einzuführen. Auch Konſtantinopel ſollte gemacht werden. Das war noch etwas ganz Neues; ſelbſt Lißt hatte damals noch nicht daran gedacht, da⸗ hin zu gehen. Da es ihnen nicht gelungen war, das ruſſiſche Eis aufzuthauen, war dies nur ein Grund mehr für ſie, ihr Glück unter einem Himmelsſtrich zu verſu⸗ chen, deſſen Milde ſprichwörtlich iſt, und dort zu pro⸗ biren, ob, durch den ſeltſamſten Zufall, die wahren Mu⸗ ſikfreunde nicht unter den Türken zu ſuchen ſeien. So folgten alſo die rekommandirten Gatten, wie einſt die heiligen drei Könige, ihrem Stern, der ſie nach dem Orient führte.

Sie kamen in Pera an; die Empfehlungsſchreiben hatten die erwünſchte Wirkung: das Serail öffnete ſich vor ihnen! Madame erhielt die Erlaubniß, vor dem Beherrſcher aller Gläubigen ihre Romanzen ſingen zu dürfen. Es lohnt ſich wohl der Mühe, Großſultan zu ſein, wenn man nicht einmal vor ſolchen Unglücksfällen ſicher iſtt Das Hofkoncert wird anberaumt. Vier ſchwarze Sklaven ſchleppen ein Pianoforte herbei; der weiße Sklave, nämlich der Ehemann, trägt den Shawl und die Notenhefte der Sängerin. Der argloſe Sul⸗ tan, der ſein Schickſal noch gar nicht zu ahnen ſcheint, läßt ſich bequem auf ſeinen weichen Polſtern nieder; ſeine Großwürdenträger, darunter ſein erſter Drago⸗ man(Dolmetſcher), umgeben ihn. Er läßt ſeine Pfeife anzünden, hüllt ſich in duftende Wolken, und gibt das Zeichen zum Anfang. Die Sängerin beginnt mit der Romanze von Panſeron:

Ich weiß, Dein Herz iſt mir verloren,

Weil einer Andern Du's geweiht;

Doch bleib ich treu, wie ich geſchworen,

Brachſt Du mir auch der Liebe Eid!

Die Lieb' zu Dir kann nie erblaſſen,

Weil ſie mein einzig Lebensglück;

Und wenn die Andre Dich verlaſſen,

Dann rufe mich! Ich kehr' zurück!

Hier machte der Sultan ſeinem Dragoman ein Zeichen, und ſagte zu ihm, mit jenem Lakonismus der türkiſchen Sprache, von dem uns Molière in ſeinem Bourgéois gentilhomme(der Spießbürger als Edel⸗