208 Franzöſiſch
Guiana.
helfen. Tretet mit Eurer Tochter in meine Dienſte, und Ihr ſollt es nicht bereuen. Ich ſtelle Euch als Wärter in meinem Kabinet an, und Eure Tochter ſoll die Die⸗ nerin meiner beiden Frauen ſein, welche ſie nicht wie eine Sklavin, ſondern wie eine Tochter behandeln wer⸗ den. Nun, Alter, was ſagt Ihr zu meinem Vorſchlag?“
„Daß ich ihn nicht annehmen kann!“
„Und warum nicht?“
„Weil ein Chriſt nie in die Dienſte eines Heiden treten darf!“
„Oho, nur nicht ſo ſtolz gethan. Glaubt Ihr vielleicht, ich gehörte nicht auch zu Eurer Religion? Ich bin eben ſo gut katholiſch wie Ihr, und habe dieſe Ver⸗ kleidung nur gewählt, um Aufſehen zu erregen, meinem Kabinet zu einem zahlreichen Zuſpruch zu verhelfen, und es iſt gelungen. Ich bin ſo wenig ein Türke wie Ihr, und dieſe beiden Frauen ſind: dieſe hier meine Gattin, und jene ihre Schweſter. Auch ſie helfen mir durch ihr geheimnißvolles Weſen, Geld verdienen, und die Schlange, welche Ihr und Andere für den Satan ſelbſt halten, iſt— wenn Ihr mir ſchwört, Niemanden zu entdecken, was ich Euch mittheilen werde.“
„Ich ſchwöre!“
nannte es zur goldenen Schlange, welchen Namen es noch heute führt, und deren Konterfei über dem Haus⸗ thor abgebildet iſt.
Franzöſiſch Guiana.
achdem Frankreich im Norden Amerika's Canada )verloren hatte, beſtrebte es ſich zum Erſatz ſeine 4 S ewyien mehr auszubeuten. Der erſte hierauf 8 bezügliche Akt war die Abſchaffung der Sklaverei;
aber gerade die Emancipation der Schwarzen
und der daraus folgende Mangel an Arbeits⸗ kräften, die Aufhebung der Zölle und der gedrückte Preis der Bodenerzeugniſſe waren nicht geeignet, Guiana be⸗ ſonders nutzbar zu machen, im Gegentheil war die Lage der Kolonie eine ſehr unſichere. Den härteſten Schlag erlitt ſie im Jahre 1848, in welchem die unmittelbare Beſeitigung der Sklaverei dekretirt wurde. Auf den franzöſiſchen Antillen und auf Bourbon machte ſich dieſe Neuerung weniger auffallend bemerkbar, denn hier be⸗ fanden ſich alle Ländereien in den Händen von Pflanzern;
„Nur eine zahme Ringelnatter, welche durch einen n Guiana dagegen konnten ſich die Schwarzen in die
geſchickten Staffirer in eine goldene Schlange ver⸗ wandelt wurde. Nun, was meint Ihr, Alter? Wollt Ihr auf meinen Vorſchlag eingehen und mir dienen?“ „Ja, wenn ſich die Sachen ſo verhalten, wie Ihr es mir ſaget, dann müßte ich ein Thor ſein, Euer An⸗ erbieten auszuſchlagen, welches mich und mein Kind verſorgt. Wir wollen in Eure Dienſte treten und Euch treu dienen, darauf könnt Ihr Euch verlaſſen!“ „Geht nun nach Hauſe, hier habt Ihr Euer An⸗ geld, ich glaube, es wird hinreichen, Euch und Eurer Tochter einen angenehmen Abend und einen fröhlichen Morgen zu bereiten!“ ſagte Ali, zog aus ſeiner Leib⸗ binde eine Börſe hervor, öffnete ſie und legte einen blanken Dukaten in die Hand des Alten. Dieſer war geblendet von dem Glanze des Goldes, und konnte ſich kaum faſſen vor Freude. Er empfahl ſich mit ſeiner Toch⸗ ter, welche mehr über die Rettung ihrer Taube, als über die Ausſicht auf eine ſorgenloſe Zukunft erfreut war. Den andern Tag traten Vater und Tochter in die Dienſte des Raritäteninhabers, welcher ſich ihnen zu erkennen gab. Er war in der That kein Konſtantino⸗ politaner, ſondern der Sohn des alten Mannes, welcher als ein ungezogener Bube ihm entlaufen und durch abenteuerliche Schickſale in die Dienſte eines Menage⸗ riebeſitzers kam, welcher ihn nach ſeinem Tode zum Er⸗ ben ſeines Kabinets einſetzte, und dadurch zu einem ſchönen Vermögen verhalf. Er reiſte nach einigen Wo⸗ chen ab, verkaufte ſein Kabinet in Berlin, und kehrte als Böhme mit ſeiner Frau und ihrer Schweſter, welche ſich indeß in Hamburgerinnen verwandelt hatten, nach Prag zurück. Niemand erkannte in ihm den Ali Bek, der in ſeiner Vaterſtadt ſo viel von ſich reden mochte; er kaufte das Haus, in welchem er dies Kabinet aus⸗ geſtellt hatte, lebte darin mit ſeinem Vater und den übrigen Gliedern ſeiner Familie lange Jahre, und
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weiten noch unbebauten herrenloſen Diſtrikte zurückziehen, in welchen ſie ohne große Mühe ihre Subſiſtenz fanden und ſich der Freiheit nach ihren Begriffen erfreuten. Die im erſten Aufblühen begriffenen Pflanzungen wurden plötzlich von den Arbeitern verlaſſen und die vom Mut⸗ terlande ausgeſprochene Freigebung der Sklaven wurde zum Ruin der Kolonie. Zu gleicher Zeit ſuchte die Re⸗ gierung einen außerhalb Europa gelegenen Ort, um die Bagnos von Breſt und Toulon einigermaßen zu ent⸗ leeren. In Hinblick auf die mißliche Lage Guiana's und die günſtigen Reſultate, welche England durch ſein De⸗ portationsſyſtem in Auſtralien gewonnen hatte, ließen die Wahl eines Verbannungsortes auf die Beſitzungen im Nordoſten Südamerika's fallen. Nur wenige Stun⸗ den von der Küſte entfernt liegen drei Inſeln, die Teu⸗ felsinſel, die Königsinſel und die Inſel St. Joſef. Ob⸗ wohl dieſe Inſeln bis zum Ausbruche der Februarrevo⸗ lution unbewohnt und unbebaut waren, ſo erſchienen ſie theils vom militäriſchen Geſichtspunkte aus, theils für die Gründung von Strafkolonien, wichtig genug, um die bedeutenden Koſten und Arbeiten, welche die erſte Einrichtung verlangte, nicht zu ſcheuen. Nachdem die erſten Verbannten gelandet waren, wurden vor Allem gute Straßen hergeſtellt, ein Hoſpital, eine Kirche, Ka⸗ ſernen und Wohnungen für die Beamten und 1500 bis 1800 Sträflinge gegründet. Später wurden Quais, Werfte, Leinpfade und Werkſtätten angelegt. Auf den genannten drei Inſeln, ſowie auf den unmittelbar vor der Hauptſtadt Cayenne gelegenen kleinen Eilanden La Moͤre(von welchem wir eine Illuſtration beifügen) und Salut konnte kein Raum für die Erzeugung landwirth⸗ ſchaftlicher Produkte gewonnen werden. In Folge der zahlreichen politiſchen Deportationen wurden im Jahre 1851 noch Montagne Argent und 1853 Saint George zu Strafkolonien eingerichtet. Letztere wurde in der Fölge


