Jahrgang 
1864
Seite
209
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Kleroth: Die goldene Schlange. 207

ihn. Lange blonde Locken fielen auf ihren ſchneewei⸗ ßen Rücken, blaue große Augen wie von Thränen umflort; das Geſicht mit den edlen Zügen jedoch, war bleich und abgehärmt. Auch ihre Kleidung war ärm⸗ lich, aber ſauber. In ihrer Rechten trug ſie ein milch⸗ weißes Täubchen. Ali Bek empfing den Alten und das Mädchen in einem kleinen Gemach, welches mit türkiſchen Tapeten ausgeſchmückt und reich eingerichtet war. Er ſaß mit gekreuzten Beinen auf einem Divan von rothem Tuch, welcher mit goldenen Borten beſetzt war, rauchte aus einem langen mit einer Bernſteinſpitze beſetzten Pfeifenrohr wohlriechenden, das Gemach in einen feinen Nebel einhüllenden Balikatabak, und ihm zur Seite ſaßen ebenfalls mit gekreuzten Beinen ſeine beiden Frauen. Sie hatten die Schleier zurückgeſchla⸗ gen, und das Mädchen betrachtete mit Bewunderung die ſchönen Geſichter, welche ſelbſt auf ihren Begleiter einen ſolchen Eindruck machten, daß er ſie ſprachlos an⸗ ſtarrte. Vorzüglich ihre großen ſchwarzen Augen, welche in einem eigenthümlichen Feuer erglänzten, hatten etwas Geheimnißvolles an ſich. Die langen Wimpern, die feinen blauen Ringe, welche die Augen umſchloſſen, ſo wie die Marmorbläſſe der feinen Züge, die dunkel⸗ rothen aufgeworfenen Lippen, der weiße kräftige, mit Korallenſchnüren geſchmückte Hals, der volle Nacken, welcher in der Schultergegend kleine Grübchen bildete, die weißen Arme, die kleinen Hände, die mit Ringen von Diamanten und Rubinen reich beſetzt waren, die nack⸗ ten kleinen Füße, welche in goldgeſtickten Pantoffeln von rothem Sammt ruhten, erregten ihr Erſtaunen.

Sie war wie in einen Zauberkreis gebannt und konnte die Augen nicht wenden von den beiden Geſtal⸗ ten, welche ihr wie überirdiſch erſchienen, und ihr wink⸗ ten, ſich zu nähern. Sie wagte es nicht, allein ſie lä⸗ chelten ſo freundlich, zeigten ihr Zuckerbrod, Orangen, Feigen und Datteln, ſo daß das Mädchen endlich nach⸗ gab und zu ihnen hintrat. Sie küßten ſie, ſtreichelten mit ihren glühend heißen Händen ihre abgehärmten kalten Wangen, und nahmen ihr die Taube, welche ſie ihnen weinend überließ. In dieſem Augenblick pfiff es durch das Gemach, daß das Mädchen zuſammen⸗ ſchauerte und ſich ängſtlich umſah. Und ſie erblickte die goldene Schlange, welche aus der halbgeöffneten Thür eines Seitengemachs langſam hervorkroch. Doch nicht nur allein das Mädchen, ſondern auch die Taube äußerte ihren Schreck bei dem Erſcheinen des goldenen Ungeheuers, welches die zweiſpaltige Zunge ziſchend aus dem Rachen herausſtreckte, und deſſen Augen noch glänzender wurden, als ſie es ohnehin ſchon waren. Die Taube flatterte ängſtlich, ſchlug mit ihren Flügeln. und wendete das Köpfchen wie zum Schutz nach dem Mädchen, welches weinend zu den Füßen der beiden Türkinnen hinſank. Doch dieſe lachten laut. Ali Bek blies eine ſtarke Wolke aus der Pfeife und ſagte: Närrchen, fürchte Dich nicht, Dir wird kein Haar ge⸗ krümmt, die Schlange will nicht Dich, ſondern nur Dein Täubchen verzehrn; ſie kann den Augenblick nicht

der Hand, und rief⸗Vater rettet meine Taube, ich will lieber verhungern, als ſie dieſem Ungeheuer opfern.

Oho!l der Hunger thut weh, und der Hunger⸗ tod iſt ſchrecklicher als jede andere Todesart! ſagte Ali Bek und ſein Geſicht grinste unheimlich.

Ja, Herr! Ihr habt Recht! Hunger thut weh! Wir haben dies geſtern und heute empfunden, denn wenn er es nicht thäte, ich hätte keinen Schritt in dies Haus geſetzt, um unſer Liebſtes dem Böſen in den Ra⸗ chen zu ſchieben.

Hoho! ſeid Ihr auch ſo abergläubiſch, wie die anderen Dummköpfe dieſer gelehrten Stadt, daß Ihr glaubt, die Schlange hier ſei der Teufel?

Wer könnte es anders ſein. Nur der Teufel freut ſich, wenn es ſich darum handelt, eine Unſchuld zu tödten. Er läßt es ſich ein tüchtiges Stück Geld koſten, um ſie zu beſitzen, ſagte der alte Mann, und ſeine Stimme bebte.

Die Schlange war indeß näher gekommen und erhob ſich ziſchend, als wollte ſie auf das Mädchen ſprin⸗ gen, welches ſich ſchreiend hinter ihren Vater verſteckte.

Die Türkinnen lachten höhniſch, als freueten ſie ſich über die Furcht des armen Mädchens. Ali Bek aber verließ ſeinen Polſter, ſtellte ſich der Schlange entgegen, murmelte einige unverſtändliche Worte und berührte den erhobenen Kopf derſelben mit ſeiner Pfeife, worauf ſie ihn ſenkte und ſich langſam durch die geöffnete Thür entfernte. Hierauf ſich zum alten Mann wendend, äußerte er:Nun, was ſagt Ihr zu meiner Dreſſur? Verſtehe ich mich nicht darauf, den Teufel zu bannen und mir ihn zinsbar zu machen?

Ich ſehe es, und zittere zu erfahren, was Ihr für dieſen Dienſt, den Ihr mir erwieſen, begehrt?

Nichts! denn ich will nicht, daß Eure Tochter ſich von ihrem Liebſten trenne. Es wird ſich wohl in Prag noch eine weiße Taube finden, welche den Hunger meiner Schlange zu ſtillen im Stande iſt!

Oh gewiß, gewiß! ſagte das Mädchen, und hob ihre ſchönen Augen dankend zu Ali Bek empor. Komm, Vater, laß uns ſchnell nach Hauſe gehen, damit ſich meine Bianka von ihrem Schreck erhole.

7Nach Hauſe? um dort zum ſchrecklichen Bewußt⸗ ſein zu kommen, daß wir nichts haben, um unſern Hunger zu ſtillen? ſagte der Alte.

O Gott, das habe ich vergeſſen. Du haſt Recht, Vater, wir wollten ja unſere arme Bianka verkau⸗ fen, damit wir für einige Tage unſer Leben⸗ friſten, ſagte das Mädchen und weinte.

Ihr armen Leute So müßt Ihr wirklich hun⸗ gern? fragte Ali Bek, und ſein Geſicht nahm den Ausdruck der Wehmuth an.

Es iſt die lautere Wahrheit, welche ich Euch ſage. Ich war ein wohlhabender Geflügelhändler, bin aber durch Unglücksfälle gänzlich herabgekommen, und weiß nicht, wovon wir leben ſollen. Ich bin alt und ſchwach und kann mir nichts verdienen. Meine Tochter kann zwar nähen und ſtricken, allein der Lohn dafür reicht nicht

erwarten, es zu verſpeiſen! Das Mädchen aber ſprang hin, um Miethe, Kleidung und Koſt zu bezahlen.

auf, riß die Taube der einen Türkin, welche ſie hielt, aus

Wenn Ihr wahr geſprochen, ſo will ich Euch