Jahrgang 
1864
Seite
195
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fürchterlich. Soldaten wurden in unſerer Gegend kon⸗ centrirt, alles, was einer Waffe ähnlich ſah, wurde uns weggenommen, Einquartirungen ſogen uns völlig aus, und jedes deutſche Wort hatte däniſche Gewaltthätigkeit zur Folge. Wir duldeten und warteten.

Da hieß es plötzlich, das Land werde geräumt. Nun begann eine Wirthſchaft, wie in Feindesland. Der Pfarrer und die Beamten zogen mit dem Heere ab. Die reichen Einwohner wurden als Geißeln mitgenom⸗ men, den Armen raubte man das Wenige, was ſie be⸗ ſaßen und mißhandelte ſie. Wie die Soldateska bei mir gewirthſchaftet hatte, habt Ihr ſelbſt geſehen.

Vergehe vor Hunger, alter Spitzbube, rief man mir zu, damit Du todt biſt, ehe Deine herrlichen Be⸗ freier kommen. Stirb mitſammt dem Wurm! Unter Schimpfworten und Mißhandlungen banden mich die Quäler am Fenſterkreuze feſt, knebelten mich und ſtürzten hohnlachend von dannen. Zwölf lange Stunden blieb ich alſo gefeſſelt und wäre zu Grunde gegangen, wenn Ihr mich nicht errettet hättet, gnädiger Herr!

Wall fühlte Mitleid mit der Lage des charakter⸗ feſten Mannes, Berger aber war raſend über die Quälereien und ſchwur hoch und theuer, er wolle ſeinen Zorn den erſten beſten Dänen fühlen laſſen, dem er be⸗ gegnen würde.

Die Kerls, raiſonnirte er,ſchlugen ſich ſo brav mit uns herum, daß ich nicht geglaubt hätte, ſie wären ſolcher feigen Grauſamkeiten fähig. Nun glaube ich erſt recht an Alles, was mir das hübſche Mädchen von den Teufelsbraten erzählt hat.

Was kann Euch ein Mädchen von den Grauſam⸗ keiten dieſer Teufel erzählt haben. Einen Mann müßt Ihr fragen, der Kraft in der Fauſt hatte und die Plage⸗ geiſter nicht niederſchlagen durfte, welche ihn bei jeder Gelegenheit höhnten.

Laßt mir das Mädchen ungeſchoren, alter Herr, polterte Berger eifrig;ſie wußte gar viel, und war teufelsmäßig klug. Wenn man mehrere Jahre in Ge⸗ ſellſchaft des Grafen Brander zubringt, dann lernt man den Dänenhaß kennen.

Graf Brander? fragte der Alte neugierig. Was wißt Ihr von dem? Was iſt aus dem braven Herrn geworden?

Er iſt in Seftngenſchaft,, antwortete Wall, nund ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, ihn zu befreien.

Ihr ſeid ein edler Mann! rief der Alte und ergriff Walls Hand.Was Ihr für dieſen edlen Mann thut, thut Ihr dem ganzen Lande. Alſo ge⸗ fangen, fuhr nach einer Pauſe der Alte fort und ſeufzte, ein Tropfen mehr in dem Kelch meiner Leiden. Was mag aus meiner armen Marie geworden ſein!

Nun war das Erſtaunen an Berger.Marie hieß ja das hübſche Mädchen, von dem ich ſprach, Marie, das Mädchen der Comteſſe Bertha, des Grafen Brander Tochter.

Ihr habt mit meiner Tochter geſprochen, ſprach frendig erregt der Alte;o ſprecht, was iſt es mit ihr? Lebt ſie, iſt ihr kein Unfall begegnet? 1

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Hand entgegen.Gewiß hätte ſie Euch grüßen laſſen, wenn ſie geahnt hätte, daß wir mit Euch zuſammen⸗ treffen werden.

Der alte Mann ſah Berger immer erſtaunter an.Schwiegervater, ſagt Ihr? frug er und ſchien mit der Bezeichnung gar nicht zufrieden zu ſein.

Nun, nun, brummte Berger und ſchmunzelte dem Alten entgegen,Ihr müßt nicht Gott weiß was Böſes denken. Ich ſagte Schwiegervater, weil ich es gern ſein möchte, und hole mich der Teufel, ich glaube, Marie wäre auch nicht ungehalten darüber. Wir haben uns aber nur zweimal geſprochen, und das in allen Ehren, alter Herr. Verſtanden?

Beruhigt ergriff der Alte die ihm dargebotene Hand und ſprach:Ihr kennt und liebt meine Tochter, ſeid mir doppelt willkommen. Wo befindet ſie ſich jetzt?

Sie iſt in Sicherheit, ſprach Wall und miſchte ſich in das Geſpräch.Sie iſt auf Kronwerda mit der Comteſſe, und unſere Truppen beſchützen das Schloß. Ich werde Euch und das Kind dahin ſchaffen laſſen, alter Mann, denn hier dürfte es bald blutig hergehen. Der Feind iſt in der Nähe, wir können jede Minute mit ihm zuſammentreffen.

Ihr ſeid zu gütig, Herr Officier, entgegnete dankendder Alte.Um des Kindes willen, des einzigen Kindes meines unglücklichen Sohnes willen, nehme ich Euern Antrag an.

Wo iſt der Vater des Kindes, fragte Wall, wo ſeine Mutter?

Der Vater, ſeufzte der Alte,kämpft in den Reihen unſerer Unterdrücker.

Iſt er abtrünnig geworden? fragte erſtaunt der Officier.

Denkt nicht ſo ſchlecht von ihm, Herr, entgeg⸗ nete mit flammenden Blicken der Alte.Er iſt ein guter Sohn und wich nur der Gewalt. Man ſteckte ihn mit vielen hunderten unters Militär, zwang ihm die Waffe auf, mit welcher er gegen ſeine Brüder kämpfen ſoll, doch wette ich, mein W ilhelm hat keinen Schuß gethan und ſtand ohne Bewegung im Gewühle des Kampfes! O Herr, Gott fügt wunderbar die Geſchicke der Menſchen und leitet ſie auf ihren Wegen. Wenn Ihr meinem Sohn auf dem Schlachtfeld begegnet, dann befreiet ihn, oder beſtattet ihn wie einen Freund, wenn er von den Kugeln ſeiner Brüder getroffen den Geiſt aufgab.

Ohne Entgegnung reichte Wall dem alten Manne ſeine Hand und der Druck derſelben verhieß Erfüllung des Wunſches.

Die Mutter aber, fuhr nach einer Pauſe der Alte fort,iſt todt, iſt ſchlimmer als todt! Mein Sohn Wilhelm heiratete eine Dänin, die Tochter eines däniſchen Zolleinnehmers. Ich war gegen die Verbin⸗ dung, aber die jungen Leute liebten einander, ich ließ mich erbitten und ſo wurden ſie denn zuſammengegeben.

Im Anfange ging Alles gut. Sie waren nachſichtig mit

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