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reizende Wildniß aus. Dunkler Epheu und duftendes Geisblatt klettert an den Eichen empor, zwiſchen Farn und Heidekraut verſtecken ſich Waldblumen, Heliotrope, Fingerhütchen, ſternförmige Spiräen, Ehrenpreis, der ſein Blau vom Himmel geborgt zu haben ſcheint, Vergißmein⸗ nicht, Vogelfuß, pyramidenförmiges Schlagkräutlein, Gold⸗ knopf, blutfarbige Geranien, Karthäuſernelken und tauſend andere Blumen, die blos der Botaniker kennt und um die der gewöhnliche Spaziergänger ſich nicht kümmert. Der Fluß, an dem man hingeht, ſcheint in ſeinem Bett zu ſchlummern, und unter der alten Allee der Königin Margarethe verſchwindet er plötzlich, um weiterhin einen kleinen Waſſerfall zu ſpeiſen.
Der Weg führt nun zu dem alten Rehteich der mit ſeiner Einfaſſung von alten grauen Weiden, Kornelkirſchen und Spillbäumen maleriſch und zugleich etwas unheimlich iſt. In alter Zeit würde hier Niemand nach Sonnen⸗ untergang vorbeigegangen ſein, denn am Rehteiche ging es um. Als das Boulogner Gehölz noch zu Zweikämpfen benutzt wurde, war es hier, wo man ſeinem Gegner den Degen in den Leib ſtieß. Der böſe Ruf des Orts lockte die Selbſtmörder an, und ſo war am Rehteiche die Schat⸗ tenſeite der Romantik ſtark vertreten. Es gibt in dem geheimnißvollen und düſtern Thal keinen Baum, der nicht den Todeskampf eines Verwundeten geſehen hätte, und mehr als einer der blätterreichen Zweige hat einen Er⸗ hängten getragen. In jener frühern Zeit war der größere Theil des Rehteichs in der guten Jahreszeit trocken und nährte mit ſeinem Schlamm Schilf und Röhricht. In dem übrig gebliebenen Waſſer hauſten Salamander, Fröſche und andere Kriechthiere in Unzahl und krochen bei Son⸗ nenſchein auf's Land, um ſich zu wärmen. Nahte Jemand, ſo ſchien das dürre Laub in Bewegung zu gerathen, da die Thiere alle flüchteten und in's Waſſer ſprangen. Jetzt iſt der Teich ſtets mit reinem Waſſer gefüllt, aber ſeine Umgebung hat etwas Melancholiſches behalten.
Der große Waſſerfall iſt das Schauſtück des Boulog. ner Gehölzes. Er führt ſeinem Beinamen groß nicht mit Unrecht, denn er iſt zweiundvierzig Fuß hoch. Die Felſen⸗ höhle, aus der er hervorſtürzt, iſt ein Produkt der Kunſt und man kann in ſie hineinſteigen. Man befindet ſich dann im Rücken des Waſſerfalls, der ſich wie ein ſilber. ner, in allen Regenbogenfarben ſpielender Schleier vor der Landſchaft ausbreitet. Auf dem Felſen über dem Waſſerfalle hat man die ganze Umgegend frei vor ſich und überblickt außer dem Boulogner Gehölz den Mont Valerien die lachenden Höhen von Suresnes, Saint Cloud, Serres und Meudon, Saint James, Neuilly und die Ebene von Longchamp, auf der die bekannten Wettrennen ſtattfinden.
An einer Stelle in der Nähe der Seen haftet eine düſtere Erinnerung. Das Catelans⸗Kreuz bezeichnet den Ort, wo der Troubadour Arnold Catelan unter den Hän⸗ den von Mördern fiel, die ihn hätten beſchützen ſollen. Philipp der Schöne, ein großer Freund von Ringelliedern und Romanzen, hatte den Dichter an ſeinen Hof berufen und ihm einige ſeiner Reiſigen entgegengeſchickt. Was Catelan dieſem Geleit von den Geſchenken der Gräfin Beatrix von der Provence erzählte, die er überbringe ent⸗ flammte die Habgier dieſer Menſchen. Sie ermordeten ihn nebſt ſeinem Diener und bemächtigten ſich ſeines Ge⸗ päcks. Was ſie fanden beſtand nicht aus Gold und Cdel⸗ ſteinen, ſondern aus einer wohlriechenden Eſſenz und aus gebrannten Waſſern. Mit der Eſſenz parfumirte ſich der Anführer der Mörder, als er das nächſte Mal vor dem König erſchien. Sie war damals nur in der Provence heimiſch, und ſo ſtieg in Philipp dem Schönen ein Ver⸗ dacht auf, der ſeine volle Beſtätigung erhielt, als ihm ge⸗ meldet wurde, daß die Reiſigen, die mit ihrem Führer dem Dichter entgegengeritten waren, ſich in einem unbe⸗ kannten Getränk berauſcht hatten. So hatten die Mörder
die Beſtimmung gegeben, welche alle Anſtalten dieſer Art ausſchließlich in's Auge faſſen ſollten. Ein zoologiſcher Garten darf keine Menagerie ſein darf nicht zur Augen⸗ weide für Leute dienen wollen, die nach Löwen, Tigern, Lämmergeiern und Rieſenſchlangen Verlangen tragen. Der zoologiſche Garten im Bologner Gehölz hat ſich die ver nünftige Aufgabe geſtellt, ausländiſche Thiere einzuge⸗ wöhnen(auf Deutſch: zu acclimatiſiren), die entweder von Nutzen ſein können, oder ſich durch ihre Schönheit em⸗ pfehlen. Man hört in ihm kein Brüllen oder Ziſchen, braucht vor keiner Kralle und keinem Schnabel auf der Hut zu ſein. Alle ſeine Thiere ſind friedlich. Welche man eingewöhnen kann, muß der Erfolg lehren, doch iſt ge⸗ gründete Hoffnung vorhanden, daß einige Verſuche gelin⸗ gen werden. Außer den Thieren hegt man auch fremde Pflanzen, namentlich ſolche, die der Seidenraupe zur Nah⸗ rung dienen können. Für die Pariſer haben die großen Aquarien des zoologiſchen Gartens den meiſten Reiz. Es ſind vierzehn aufgeſtellt, welche theils Süßwaſſer.⸗, theils Seethiere enthalten. Mit dieſen Aquarien eine künſtliche Fiſchzucht zu verbinden, iſt im Plane. Führt man ſie ein, ſo wird man dem Gehölz freilich einen ſeiner Reize neh⸗ men müſſen, nämlich die vielen ausländiſchen Waſſervögel, die auf den Seen ſchwimmen und flattern. Fiſche zu zie⸗ hen und gleichzeitig ihre Todfeinde zu hegen, verträgt ſich nicht miteinander.
Kleine Prager Chronik.
Da ſich in den letztverfloſſenen Tagen in Prag nichts Bedeutendes ergeben hat, während dier Induſtrie⸗ und landwirthſchaftliche Ausſtellung in Pilſen die allgemeine Aufmerkſamkeit auf ſich zog, halten wir es für angezeigt, hier eine kurze Schilderung derſelben zu geben. Dieſe Ausſtellung hat deshalb eine erhöhte Bedeutung, weil es die erſte iſt, welche im weſtlichen Böhmen überhaupt bis jetzt veranſtaltet wurde, und weil dieſelbe zugleich einen neuen wichtigen Maßſtab zur Beurtheilung der landwirth⸗ ſchaftlichen und induſtriellen Verhältniſſe in dieſem Theile Böhmens bietet. Am 7. September um zehn Uhr Vor⸗ mittags wurde die Ausſtellung durch ein feierliches Hoch⸗ amt in der Erzdekanalkirche eröffnet, welchem die Spitzen der Civil⸗ und Militärbehörden, die Gemeinderepräſentanz, die Mitglieder der Handelskammer, des landwirthſchaft⸗ lichen Kreisvereins und viele andere Feſttheilnehmer bei⸗ wohnten. Nach beendigtem Gottesdienſte ſetzte ſich der Zug nach dem Ausſtellungslokale, dem Gaſthauſe„zur Stadt Hamburg“ in Bewegung. Voran⸗ ſchritt eine Ab⸗ theilung des bürgerlichen Schützenkorps mit der Muſik⸗ kapelle an der Spitze; dieſem folgten die Vertreter der Genoſſenſchaften, die k. k. Beamten, das k. k. Militär, die Gemeindevertretung, die Mitglieder der Handelskammer, des landwirthſchaftlichen Kreisvereins und die Vorſteher auswärtiger Gemeinden. Den Schluß bildete abermals eine Abtheilung des bürgerlichen Schützenkorps. Am Eingange in den Garten, zu welchem eine zu beiden Seiten mit Reiſigbäumchen geſchmückte Stiege führte, empfing die Feſtbeſucher eine Triumphpforte aus Reiſig und Blumengewinden, von welcher Fahnen und Fähnchen in den öſterreichiſchen, böhmiſchen und bairiſchen Farben wehten und in deren Mitte das Landeswappen ange⸗ bracht war. Der Zug begab ſich hierauf zu der ober⸗ halb des Reſtaurationsgartens improviſirten Tribune, welche ſofort von Mitgliedern des Feſtkomité's beſetzt wurde. Eine Pauſe trat ein, als der Herr Handelsprä⸗ ſident Biſchoff die Tribune beſtieg, und die Ausſtellung mit einer Rede inaugurirte, in der er ſich, wie folgt, äußerte:„Meine Herren! Es wurde mir als Vorſtand der Pilſener Handels⸗ und Gewerbekammer der ehren⸗
ſich ſelbſt verrathen und wurden hingerichtet. Nach dieſem Umgange wollen wir noch einen Augen⸗ blick bei dem zoologiſchen Garten verweilen. Man hat ihm
werthe Antrag zu Theil, Sie im Namen der Induſtrie be⸗ grüßen zu dürfen, und ich erfülle dieſe Pflicht zugleich im Namen der Landwirthſchaft weil der Herr Vice⸗Prä⸗


