Jahrgang 
1864
Seite
191
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arben ange⸗ ober⸗ bune, beſett löpra⸗ ellung folgt,

Feuilleton. 191

ſident des landwirthſchaftlichen Vereins Ritter von Do⸗ browsky leider plötzlich abberufen wurde. Ich heiße Sie nämlich in den Mauern Pilſens herzlich willkommen! Geſtatten Sie mir einige Betrachtungen, welche ſich un⸗ willkürlich mir bei unſerem heutigen Unternehmen auf⸗ drängen. Bekanntlich hat Oeſterreich ſchon zu Anfang des vorigen Decenniums mit ſeinem alten Zollſyſtem ge⸗ brochen, und die Mitbewerbung des Auslandes allerdings unter den erforderlich ſcheinenden Schutzzöllen zugelaſſen. Wenige Jahre darauf genügte ſelbſt dieſer Fortſchritt nicht mehr; es wurde der öſterreichiſch⸗preußiſche Handels⸗ vertrag abgeſchloſſen. Allein Zeit und Umſtände ſind ſtets ſtärker als die Menſchen und ein Jahrzehnt wiegt jetzt den Fortſchritt eines früheren Jahrhunderts auf. Heute ſtehen wir bereits an der Grenze zum ganz freien Verkehr unter Konkurrenz mit Ländern, die unſtreitig uns an Faktoren, welche induſtrielle und landwirthſchaftliche Erfolge bedingen, überlegen ſind. Ich will nicht von England, Belgien oder Frankreich ſprechen, und weiſe blos auf unſere nächſten Nachbarn, auf Norddeutſchland hin. Was ſollen wir nun thun, um den unausbleiblichen Kampf aufzunehmen und durchzukämpfen? Fehlendes Ka⸗ pital, das Produkt der Arbeit, neue Kommunikationen können wir nicht aus der Erde ſtampfen; die jetzige Ge⸗ neration kann auch nicht mehr in den Schulen zwiſchen vier Mauern lernen, wie es unſere Jugend allerdings thun muß. Uns bleibt nur die Schule des Lebens und als einen Theil derſelben betrachte ich eben Ausſtellungen, man gewinnt durch ſie Muth, lernt ſeine eigenen Kräfte und Fehler kennen und regt andere an. Die litheils- kraft und die Anſchauung iſt es, welche den Mann über⸗ haupt und im Geſchäftsleben insbeſondere leiten und führen muß. Von dieſem Gedanken geleitet, haben wir es auch verſucht, zum Erſtenmal im weſtlichen Böhmen eine Ausſtellung zu veranſtalten, und ich glaube, daß bei der bekannten Ausdauer und dem Fleiße, der beide Na⸗ tionalikäten unſeres engeren Vaterlandes ziert, dieſelbe nicht ohne Früchte bleiben dürfte. Eben, weil es das Erſtemal iſt, wollen Sie einen billigen Maßſtab anlegen. Sie werden allerdings Lücken finden, aber andererſeits iſt unſere Induſtrie durch Gegenſtände repräſentirt, die ihren Platz auf Weltausſtellungen würdig ausfüllen könnten. Ich faſſe meine Worte zuſammen im Wahl⸗ ſpruch ſeiner Majeſtät:Viribus unitis und fordere Sie auf mit mir einzuſtimmen in ein dreimaliges Hoch! Seiner Majeſtät unſerem Kaiſer Franz Joſef I.! Unter dem Krachen der Böller und Abſpielung der Volkshymne. brachte die Verſammlung zuerſt ein dreimaliges Hoch! dann ein dreimaligesSläva aus. Hierauf begab man ſich in den Reſtaurationsſaal und die anſtoßenden Loka⸗ litäten, um die Expoſitionsgegenſtände in Augenſchein zu nehmen.

Die Menge der ausgeſtellten Gegenſtände erlaubt es uns freilich nicht, auf jedes wichtigere Expoſitionsſtück näher einzugehen, wir müſſen uns daher in unſerem Be⸗ richte nur auf das Weſentlichſte beſchränken. Im Haupt⸗ ſaale waren ausſchließlich die verſchiedenen Induſtriezweige, vor Allem die Glas⸗ und Eiſeninduſtrie und Thonwaaren⸗ fabrikation, aber auch die Gelbgießerei, Kunſtſchloſſerei, Holzſchnitzerei, Modellirkunſt, Drechslerei, Uhrmacherkanſt, Buchbinderei, Kunſtflechterei, Zinngießerei, Blechinſtrumen⸗ ten⸗Fabrikation, Spielwaarenerzeugung, Kunſtſtickerei und Nähterei, Buchdruckerkunſt, Parfumerie⸗ und Seifenfabri⸗ kation, Spenglerei, Stuckaturarbeiten, die Liqueurfabrikation u. ſ. w. vertreten. Bemerkenswerth waren in dieſem Saale zwei 105 hohe und 50 breite Prachtſpiegel aus der Fabrik des Herrn Peter Ziegler zu Eliashütte, dann die aus derſelben Fabrik ſtammenden Dachglastafeln (115 hoch, 68 breit, 305 Pfund ſchwer); die Silber⸗ ſpiegel, Queckſilberſpiegel und veredelten Spiegeltafeln, dann die Roh⸗ und färbigen Gläſer aus der Fabrik des Herrn Joh. Ant. Ziegler zu Kreuzhütte dann ein Patent⸗ Cylinderofen, ein wälſcher Salonofen und ein gewöhn⸗ licher Sparherd(1858 bei der Prager Ausſtellung prämiirt)

aus der Thonwaarenfabrik des Herrn Thomas Khürhy; ein Bierkühlapparat aus Blech von Anton Holy, Spengler in Taus; verſchiedene Muſter aus der Parquettenfabrik des Leonhard Spiller Sohn in Nebrkezin; verſchiedene Galanteriegußwaaren(Kleiderſtock, Grabkreuz) aus dem gräflich Waldſtein'ſchen Eiſenwerk Sedlec; mehrere äußerſt ſinnreich konſtruirte Stuckatur⸗ und Bauarbeiten von dem Pilſner Ingenieur und Baumeiſter Herrn W. Daniel, darunter das Modell einer Sprengwerkbrücke von Holz auf 20 Klafter Spannweite; eine Pendeluhr mit einem Rad von dem Pilſner Uhrmacher Herrn Leopold Steiner, desgleichen eine mittelſt elektriſcher Strömung in Gang geſetzte Normaluhr von Herrn Karl Daubek; ein mit reichlichen Verzierungen verſehener Altar von den Herren Friedrich Zeniſchek und Peter Jirlam in Pilſen; Blasin⸗ ſtrumente von Herrn Holy; Zinkfolien aus der Fabrik des Herrn Wilhelm Ziegler in Wilhelmsdorf; Rum⸗, Liqueur⸗, Eſſig, und Spiritusproben aus den Fabriken der Herren Adolf Popper und Moriz Auer; eine Land⸗ ſchaft aus Zucker von Herrn W. Poff u. ſ. w. Im zweiten Zimmer befinden ſich faſt durchgehends landwirth⸗ ſchaftliche Produkte und chemiſche Erzeugniſſe. Die allge⸗ meine Aufmerkſamkeit erregten die auf einem langen Tiſche in der Mitte des Zimmers ausgeſtellten Erzeug⸗ niſſe von den Beſitzungen des Herrn Reichsrathsabge⸗ ordneten Edlen von Stark; darunter befinden ſich die verſchiedenſten Sämereien, mehrere Düngungsmittel, als: Phoshor, Kalk(5000 Ctr. jährl. Erzeugung), Knochen⸗ ghyps(10.000 Ctr. jährlich Erzeugung); weiter ſind aus⸗ geſtellt Proben von Vitriolſtein, Schwefelſäure, Salzſäure, Hopfen, Glastafeln u. ſ. w. In demſelben Zimmer be⸗ finden ſich auch die Mahlprodukte von Herrn Hyra in Pilſen, dann eine Ausſtellung verſchiedener Bierſorten. Beſondere Beachtung verdienen auch die auf dem Weltmarkte keine Konkurrenz habenden Reſonnanzhölzer aus der Fabrik des Herrn Bienert in Maderhäuſer. Weiter haben wir zu erwähnen: die Feldfrüchte und das Pracht⸗ obſt von den gräflich Schönborn'ſchen Herrſchaften, die Feld⸗ und Gartenfrüchte von der Domäne des Herrn Fürſten Joh. Lobkowitz zu Krimitz und des Herrn Ritter von Dombrowsky von den Domänen Ullitz und Jezna. Aus der Meierei des Fürſten Thurn und Taxis zu Cho⸗ teſchau iſt eine Milchwirthſchaft mit allem Zugehör ver⸗ ſinnlicht. Auch mehrere Käſtchen mit Cocons finden ſich dort ausgeſtellt. Herr Dr. Alois Ritter Auer von Wels⸗ bach Direktor der Hof⸗ und Staatsdruckerei in Wien, hat mehrere Proben von Maispapier eingeſendet. Das dritte Zimmer iſt ausſchließlich für die Exponirung der Kunſterzeugniſſe aus der Wollfabrik der J. M. Schmitt's Erben zu Neugedein reſervirt. Im vierten Zimmer beſinden ſich meiſt Arbeiten der Handwerker, als: Pelzwerk, Leder⸗ waaren, darunter auch mehrere Feze aus der Fabrik des Herrn Fürth in Strakonitz, doch ſind mehrere Zweige gar nicht vertreten. Im Reſtaurations⸗Garten findet man unter einem Schutzdache die Erzeugniſſe der Prager Eiſeninduſtrie⸗ geſellſchaft, aus dem Eiſenwerke des Fürſten Max Egon zu Fürſtenberg, aus dem Eiſenhüttenwerke des Hrn. Franz Wanka, aus dem Eiſenwerke des Fürſten Metternich zu Plaß u. ſ. w. Proben von Bleierz und Steinkohle, dar⸗ unter eine große Tafel Glaskohle aus der Pankrazzeche in Nürſchan gefirnißt und eingerahmt; ebenſo ſind aus der Steinkohlenzeche des Hrn. Dav. Starck mehrere rie⸗ ſige Flötze ausgeſtellt. Bemerkenswerth waren auch die von Herrn Hyra aus amerikaniſchem Sandſtein verfer⸗ tigten Mühlſteine. Zur Viehausſtellung wurden im Ganzen 201 Stück Rinder und 31 Pferde eingetrieben, meiſt von den Domänen der Herren Fürſten Johann Lobkowitz, Thurn und Taxis, des Grafen Schönborn und des Herrn von Starck.

Mit der Viehausſtellung iſt auch eine Ausſtellung landwirthſchaftlicher Geräthe verbunden, worunter ſich viele befinden, die nach der Anleitung des Herrn Wirthſchafts⸗ rathes Horsky, Ritter von Horskhysfeld, konſtruirt ſind. In derſelben Abtheilung ſind auch mehrere zweckmäßig kon⸗