186 Feuilleton.
tigen Emotionen der Hauſſe und der Baiſſe zu empfin⸗ den, Emotionen, die er früher nicht kannte, denn er kam ſehr reich auf die Welt, und dachte nicht daran, das Bör⸗ ſenſpiel zu verſuchen.
Der Marſchall wird General werden, aber er wird auf den Schlachtfeldern Wunder von Tapferkeit verrich⸗ ten, um nicht einen Grad tiefer zu ſteigen, das heißt, um nicht Oberſt zu werden.
Ihr ſehet, daß man auf dieſe Art noch fort gute Soldaten wird haben können, beſſere ſogar, wenn es möglich iſt, denn Jeder wird trachten, nicht degradirt zu werden.
Mit dreißig Jahren. Foriſehung im Hernnterſteigen. Der General kommt zum Range eines Hauptmanns aber ſeine Tapferkeit nimmt immer zu.
Der Geſchäftsmann ſteht um fünf Uhr Morgens auf.
Aus dem Kanzleidirektor iſt ein einfacher Kaſſier geworden.
So wie es bei allen Ständen Zufriedene und Miß⸗ vergnügte gibt, ſo iſt auch die Hausmeiſterin eine Schau⸗ ſpielerin geworden und ſie fängt an, viele Erfolge zu haben.
Man gibt ihr achtfedrige Kutſchen, und in demſelben Jahre ſpazieren vier ihrer Liebhaber in's Schuldgefängniß. Die Jugend.
Jedermann freut ſich, das Ende ſeines Lebens heran⸗ nahen zu ſehen; auch ſieht man nicht mit Schreck die erſten Jahre herankommen.
Und in der That, der, welcher Marſchall geweſen iſt, wird einfacher Korporal, und er erinnert ſich mit Stolz ſeiner letzten Jahre, wo er mit Ehren überhäuft wurde.
Der Wechſelagent iſt Kommis, er bekommt hundert Franken monatlich, und achtzig Franken Gratifikation am erſten Januar, wenn die Dividenden am Jahres⸗ ſchluſſe gut ſind.
Der Kanzleidirektor avancirt rückwärts zum unbeſol⸗ deten Praktikanten.
Der Rentier tritt bei einem Gewürzkrämer als Lehr⸗ ling in den Dienſt; man vertraut ihm nicht einmal den Verkauf des Syrups und der Unſchlittkerzen an, er macht blos Düten und brennt den Kaffee.
Die ehemalige Hausmeiſterin bedauert nicht das Leben, ſie, die doch durch die Verjüngung glücklich ſein ſollte. Und wirklich wurde ſie aus einer erſten Tänzerin eine einfache Figurantin im Ballet. Die dicken Finanzmänner, welche die Couliſſen beſuchen, bieten ihr nicht mehr Schmuck⸗ käſtchen, welche Diamanten enthalten, an, ſie bringen ihr nur Zuckerln mit.
Mit drei Jahren. In dieſem Lebensalter gelangt der Ausdruck kin⸗ diſch werden zu ſeinem richtigſten Werthe. Man hat keine Sorgen mehr. Für diejenigen, welche das Glück gehabt haben, bis zu dieſem Alter zu gelangen, wird das Reifſpiel die ein⸗ zige Unterhaltung.
Mit einem Jahre.
Man kommt zur Amme. 3 8
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P.§.— Dies da iſt mein Plan, ich getraue mich aber nicht, euch die Gewißheit zu geben, daß er genau ausführbar ſei.
General Bonaparte's Perſonalakten.
Im erſten und zweiten Stockwerke eines großen Ge⸗ bäudes in Paris, welches das Militär⸗Depét heißt, werden Perſonalakten aufbewahrt. In einem beſonderen Saale findet man die über die Generale und Marſchälle von Frankreich ergangenen Aktenſtücke; unter den Tauſenden
von Foliobänden, welche die Geſtelle füllen, zieht aber die Aufmerkſamkeit des Beſchauers ſofort einer auf ſich, der in grünen Maroquin mit goldenen Bienen verziert einge⸗ bunden iſt und auf ſeinem Rücken die Inſchrift trägt: Napoleon Bonaparte.
Oeffnet man das nicht eben große Buch, ſo gibt gleich das erſte Schriftſtück eine Darſtellung von Bona⸗ parte's Dienſtzeit nach der gewöhnlichen Geſtaltung einer militäriſchen Laufbahn; dann folgt ſein Taufzeugniß in lateiniſcher Sprache abgefaßt, in Ajaccio ausgeſtellt und mit einem Siegel verſehen, das die Inſchrift trägt:„Inſel Corſica.— Ein Sol.“ Hierauf kommt ein Armuthszeugniß, begleitet von einer Urkunde, ausgeſtellt von Hozier de Se⸗ vigny und gegengezeichnet von dem Wappenherold des franzöſiſchen Adels, dem Grafen Dupleſſis, in welcher be⸗ ſcheinigt wird, daß„Napoleon Bonaparte, geb den 27. Auguſt 1769, der Erbe eines Adels iſt, der ihm den An⸗ ſpruch verleiht, unter diejenigen jungen Herren aufgenom⸗ men zu werden, welche Se. Maj. in der Militärſchule er⸗ ziehen läßt.“ Dann folgen in chronologiſcher Reihenfolge⸗ verſchiedene Dienſtbefehle, welche Bonaparte als Subaltern. Officier und ſpäter als General erhalten hat. So z. B einen Bericht, welchen die Kommiſſion für Aufſtellung und Leitung des Heeres und der Flotte dem Sicherheitsaus⸗ ſchuſſe unter dem 22. Vendémiaire im Jahre 4 der Re⸗ publik erſtattet hat und in welchem gutachtlich geäußert wird:„General Bonaparte möge ermächtigt werden, ſei⸗ nem eigenen Antrage zufolge, in den Dienſt der Türkei überzutreten mit zwei Artillerieofficiren Sorgis und Mar⸗ mont.“ Wie ſchwach ſind oft die Fäden, an denen die Geſchicke großer Reiche hangen, und wie anders möchte ſich die Geſchichte unſeres Jahrhunderts geſtaltet haben, wenn Napoleon ſeine damalige Abſicht wirklich ausge⸗ führt hätte!
Auch einige Autographen aus der Feder des jungen Officiers enthält der Aktenband. So z. B. einen Brief des Lieutenants Bonaparte im Regiment Lafére an Hrn. Leſancquer, erſten Sekretär im Kriegminiſterium, datirt Auxonne, 3. Juni 1791, in welchm er bittet, ihn bei die⸗ ſem Regimente zu belaſſen, da er ſonſt die Vorbereitung ſeines Bruders für den Dienſt, die er auf eigene Fauſt angefangen, nicht weiter fortſetzen könne. In einem an⸗ dern Briefe vom 1. Sept. 1792 an die„Adminiſtration von Verſailles“ reklamirt er für die unter ſeiner Vor⸗ mundſchaft ſtehende Schweſter Marianne, welche in Folge der plötzlichen Aufhebung der Ste⸗udwigs⸗Eriehundscn ſtalt aufenthaltlos geworden war, die ihr zukommenden 20 Sous pro Meile zur Reiſe nach Alaccio, ihrer Hei⸗ mat. Damals war der Mann, welcher ſpäter Könige und Fürſten zittern machte, ein armer, einſamer Fremder ohne alle Freunde und Verbindungen in der weiten Haupt⸗ ſtadt. Dem entſprechend waren auch die verſchiedenen Wohnräume, die er nach und nach bezog. Nachdem er die Militärſchule, wo er 273 Stufen hoch unter dem Dache in enger Zelle hauſte, verlaſſen hatte, ſiedelte er in ein einfaches Häuschen am Quai Conti über, das jetzt ein Ma⸗ ler bewohnt. Im Jahre 1792 hatte er im Hôtel de Mez ein einzelnes Zimmer im dritten Stock inne; er war da⸗ mals Artilleriehauptmann und ſpeiſte in einem kleinen Speiſehauſe in der Rue des Petit⸗Pères, in welchem der Bürger Juſtet ſeine Gäſte für ſechs Sons pro Gericht köſtlich regalirte, aß aber trotz dieſer Wohlfeilheit nicht mehr als zwei Gerichte. Es kam auch einmal vor, daß der Hr. Officier ſeine Uhr verſetzen mußte um ſein Mittagsbrod bezahlen zu können. Im Jahre 1794, als er General der Artillerie geworden, zog Bonaparte in ein altes vier Fenſter breites Haus in der Rue du Mail, das den hoch⸗ klingenden Namen Hôtel des Droits de l' Homme im Schilde führte; er nahm für ſich eine einfache Stube
im vierten Stock und gerade über dieſer zwei Zimmer, eins für ſeinen Bruder Ludwig, den ſpäteren König von Holland, eins für Innot, den ſpäteren Herzog von Abran⸗ tes, und zahlte dafür Alles in Allem 27 Francs monatlich,
in welcher Summe auch das Honorar für das Reinigen


