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er ſich ſeitdem befindet.“ Die enthuſiaſtiſche Liebe zur Wiſſenſchaft hatte Sir Aſtley rauh und unempfindlich gemacht; übrigens konnte er wie ein Kind weinen, wenn er die erdichteten Schickſalsſchläge las, welche Dickens ſeinen Oliver Twiſt erdulden läßt.
Eine engliſche Dame hinterließ ein Teſtament, das wohl kaſſirt zu werden verdient hätte, da ſeine Urhebe⸗ rin unbedingt nicht ihres Verſtandes mächtig war. Sie beſtimmte u. A. Folgendes:„Ueberzeugt, daß mein Hund der treueſte meiner Freunde war, erkläre ich ihn hiermit zum einzigen Vollſtrecker meines Teſtaments und meiner letztwilligen Beſtimmungen und überlaſſe ihm die volle Verfügung über mein ganzes Vermögen. Ich habe mancherlei Urſache, mich über die Menſchen zu beklagen; meine Anbeter ſind Flatterhafte und Betrü⸗ ger, meine angeblichen Freunde falſch und treulos. Von allen Geſchöpfen, die um mich waren, beſitzt nur Eines gute Eigenſchaften, und das iſt mein Fidel. Ich ver⸗ füge daher zu ſeinen Gunſten über all mein Vermögen, und ich erwarte, daß Vermächtniſſe ausgeſetzt werden für alle Diejenigen, welche er mit ſeinen Liebkoſungen beehren, oder welche er durch das Wedeln ſeines Schwei⸗ fes auszeichnen wird.— Als der hochwürdige Sir Ri⸗ chard Stagemore, Pfarrer in der Grafſchaft Leiceſter zur Zeit Karls II. mit Tode abgegangen war, fand man unter ſeinen Papieren auch ein Teſtament, in welchem Folgendes angeordnet war:„Ich hinterlaſſe meinen Erben 50 Hunde der verſchiedenſten Ragen und Far⸗ ben, 100 Beinkleider, 400 Paar Schuhe, 100 Paar Stiefel, 80 Perücken, 80 Wagen und Kutſchen, 30 Schiebkarren, 200 Spaten und Schaufeln, 50 Schã mel und 70 Pflüge. Item: eine große Anzahl ſpa⸗ niſcher Rohre und Stöckchen, ſehr angenehm beim Spa⸗ zierengehen, zuſammen auf 80 Pfd. St. geſchätzt; 60 Stück Pferde, 200 Radehauen und Miſtgabeln, 75 Leitern und 30 Spieße, Säbel und Piſtolen. Item: einen großen Wagen voll Bücher und Hefte, eine kleine Kaſſette mit 1000 Pfund baar und außerdem diverſe Kleinigkeiten.“ Dieſer überſpannte Geiſtliche hatte einen Diener und eine Magd, die er regelmäßig jeden Abend um acht Uhr, jedes in ſeine Kammer, einſperrte. Ehe er ſich in's Bett legte, feuerte er erſt ein Piſtol ab und ließ ſeine ganze Meute los. Eines Morgens fand man ihn todt in einem Graben; er lag auf den Knien und das Waſſer reichte ihm kaum bis an die Bruſt. Wahrſcheinlich hatten ſeine geliebten Hunde mit ihren wilden Liebkoſungen ihn in dieſe Lage gebracht, und der alte Mann hatte nicht Kraft genug, um ſich wieder herauszuarbeiten. Ein armer Hausknecht in London, ſein nächſter Verwandter, wurde ſein Univerſalerbe.
Der Komiker Thomas Weſton, ein von der Natur mit den herrlichſten Anlagen ausgeſtatteter Schauſpie⸗ ler, aber in ſeinem Leben die Liederlichkeit ſelbſt, immer betrunken und nie bei Kaſſe, hatte ſich durch übermä⸗ ßige Ausſchweifungen auf's Sterbelager gebracht, aber auch da noch ſeinen Humor nicht völlig abgethan. Kurz vor ſeinem Tode, im Jahre 1776, diktirte er einem Freunde ſein Teſtament und zwar wie folgt:
„Da ich gegen Herrn Garrick mannigfache Ver⸗
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bindlichkeiten habe, ſo vermache ich demſelben alles baare Geld, das ich in meiner letzten Stunde beſitzen werde. auf Erden nichts ſo ſehr wie das Geld, und ſo wird er nie finden, daß er deſſen zu viel beſitze.— Item: Herrn Reddiſh einen Gran Redlichkeit; es iſt das zwar ein ärmliches Vermächtniß, allein da es doch etwas ganz Neues für ihn ſein wird, ſo hoffe ich, er werde es nicht zurückweiſen.— Item: Herrn Brereton eine kleine Doſis Beſcheidenheit; allzuviel thut nicht gut.— Item: Da Herr Jacobs ſeit längerer Zeit auf eine Gelegenheit wartet, um ſeine Garderobe oder wohl gar ſein Ver⸗ mögen wieder auf den Strumpf zu bringen, ſo vermache ich ihm zwei bis drei Paare von meinen am meiſten abgetretenen Schuhen, und, ehrlich geſtanden, iſt das auch genug für ihn.— Item: Damit es nicht heißen ſoll, ich hätte meine Freunde und zumal meine alten Freunde vergeſſen, ſo vermache ich an Charles Banni⸗ ſter mein Miniatur⸗Porträt, damit er es an ſeinem Halſe trage als ein Memento und nie vergeſſe, daß Ordnung und Regelmäßigkeit das ſicherſte Mittel iſt, um lange und geſund zu leben.— Item: Dibble Davies will als alter Bekannter durchaus etwas von mir haben. Ich vermache ihm als Geſchenk meine Körper⸗Konſtitu⸗ tion; leider habe ſie zu ſehr verbraucht, und ich fürchte, ſie wird nicht mehr werth ſein als ſeine eigene.— Item: Allen Damen im Allgemeinen vermache ich, wenn nicht die Wirklichkeit, ſo doch den Schein der Beſcheidenheit, welcher ihnen öfter, als ſie wohl ſelbſt glauben, gute Dienſte leiſten wird.— Item: Den Herren Schauſpielern ein bischen Haltung, den Schriftſtellern des Tages eine Portion Geiſt, dem Publikum meine volle Dankbarkeit.“
Das wäre denn eine kleine Ausleſe aus kurioſen Teſtamenten. Wer freilich in den Doctors⸗Commons zu London die mächtige Bibliothek von Teſtaments⸗ Folianten welche dort aufgeſpeichert iſt, durchforſchen könnte, oder wer das Glück hätte, etwa durch einen Führer auf die bizarrſten unter dieſen Schriftſtücken aufmerkſam gemacht zu werden, dem ſtände noch eine ganz andere Ausbeute in ſicherer Ausſicht.
Literatur und Kunſt.
— Im Lerlage von J. L. Kober in Prag iſt ein neues Kochbuch,„Die böhmiſche Köchin“ von Franciska Hansgirg, mit dreißig Abbildungen erſchienen, das wir unſern Hausfrauen nicht warm genug anempfehlen können, nachdem es eine leichtfaßliche Anweiſung enthält, alle Arten von Speiſen ſchmackhaft und billig herzuſtellen.
— Se. Päpſtliche Heiligkeit haben dem hieſigen Buch⸗ und Kunſthändler Nikolaus Lehmann, in deſſen Verlage das allgemein verbreitete Edeſſeniſche Chriſtus⸗Antlitz(im großen Oelfarbendruck auf Leinwand und in verſchiedenen anderen Volks⸗ und Schulausgaben) erſchienen iſt, die römiſche Verdienſtmedaille für Kunſt und Viſſenſchaft am Bande verliehen. Bereits früher war demſelben von Sr. Majeſtät Kaiſer Maximilian eine brillantene Buſen⸗ nadel für dieſes treffliche vaterländiſche Kunſtunternehmen zugekommen.
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Es wird nicht gerade viel ſein; allein er liebt


