Jahrgang 
1864
Seite
182
Einzelbild herunterladen

182

Kurioſe Teſtamente.

men in ganz Europa berühmtes eigenes Reſtaurant hat, das restaurant des trois frères provengçaux. So⸗ wie Dugléré, hat wohl nie Einer denerhabenen Be⸗ ruf der Kochkunſt begriffen und erfüllt; ſchon bei Roth⸗ ſchild ſpielte er eine große Rolle und kam auf der Rang⸗ liſte des Hauſes gleich nach dem erſten Buchhalter. Gar oft, ſo erzählt er ſelbſt nicht ohne Stolz wenn man die Rede darauf bringt, ließ ihn der alte Baron Salomon in ſein Kabinet kommen und ſagte ihm vertraulich: Adolphe, je traite aujord'hui un grand Seigneur, je te le recommande. Weiter nichts, aber diesje te le recommande ſagte Alles und brachte auf den Koch dieſelbe Wirkung hervor, wie das Napoleoniſche Wort:voilà le soleil d' Austerlitz! auf die kaiſer⸗ lichen Truppen. Die Garden ſtürmten ins Feuer und ſtarben, aber ergaben ſich nicht; Adolph ſchürte das Feuer ſeiner Kochtöpfe und ſetzte Leib und Leben daran, irgend ein neues Ragout oder eine neue Sauce zu er⸗ finden, und auch er ging ſiegreich aus dem Kampfe hervor. Nach dem Tode ſeines alten Herrn hätte er ſich bequem von allen Geſchäften zurückziehen können, da er ſein Schäfchen längſt in's Trockene gebracht und im Teſtament des Verſtorbenen mit 100.000 Fres. be⸗ dacht war; aber ſein Beruf galt ihm mehr, als die thatenloſe Ruhe des Privatlebens. Er gründete auf eigene Rechnung das erwähnte kulinariſche Etabliſſe⸗ ment, wie er es ſelbſt nennt, um nicht Reſtaurant zu ſagen, was auch allerdings, wenn man an die restau- rants zu quarante sous denkt, die man überall in Paris dutzendweiſe antrifft, ſehr profan klingen würde. Dies Etabliſſement iſt wirklich das erſte ſeiner Art in ganz Paris, und dennoch gehen meiſtens nur die Fremden, und unter ihnen in erſter Reihe die reichen Engländer, zu den trois frères. Der Pariſer, auch wenn er reich iſt, gibt ſelten ein paar Louisd'or für ein Diner aus. Die Säle bei Dugléré ſind ſämmtlich im Styl Louis Quinze, alſo mit Goldſtuccatur und Spiegeln überla⸗ den, die Deckengemälde ſehr ſchön, zumeiſt Scenen aus der Mythologie, hin und wieder auch Schäferſtücke nach Watteau oder Boucher. Sammetvorhänge und Tep⸗ piche, Bronze und Marmor ſind nirgends geſpart. Und in dieſer exquiſiten Umgebung ſtellt Monſieur Adolphe eine durchaus paſſende, ebenſo diſtinguirte Figur dar. Wie ein Notar oder eine Magiſtratsperſon in feines Schwarz gekleidet, mit weißer Kravatte, empfängt er ſeine Gäſte mit herablaſſender Huld, was er wohl Alles von ſeinem ehem aligen Herrn gelernt haben mag.(Eur.)

Kurioſe Teſtamente*).

ope erzählt von einem Zeitgenoſſen Sir Wil⸗ liam Bateman, daß derſelbe ſich auf dem Tod⸗ tenbette, freilich nur ſehr widerwillig, zur Kund⸗ gebung ſeines letzten Willens herbeigelaſſen habe. Seine Land⸗ und Feldgüter, ſowie ſein baares Vermögen trat er endlich ſeufzend und

*) Nach dem Dublin University Magazine.

ſchluchzend an zwei ſeiner Verwandten ab; als er aber um ſeine Verfügung über ſeinen ſchönen Wohnſitz be⸗ fragt wurde, ſchrie er laut auf, erklärte, von dem könne er ſich nicht trennen, und war eine Leiche. Ein an⸗ derer Engländer, der nicht minder ſtark an ſeinem irdi⸗ ſchen Gute hing, ließ, als er das letzte Stündlein heran⸗ nahen fühlte, einen Rechtsgelehrten rufen und flüſterte ihm zu:Schreibt nur immer den Anfang, die einzel⸗ nen Artikel werde ich Euch diktiren. Der Notar ſchrieb nun, indem er die Worte laut ausſprach:Ich ſchenke, vermache und übertrage hiermit...; da unter⸗ brach ihn der Andere aber heftig und ſchrie:Nichts von alledem, ich ſchenke und vermache nichts, aber gar

nichts.Gut, meinte der Notar;wie wäre es denn, wenn wir ſetzten: Ich leihe bis zum jüngſten Tage...?Ah, ſchön ſo! ſchmunzelte der Geiz⸗

hals, und nun ging die Niederſchrift ohne weitere Hin⸗ derniſſe von Statten.

Wohlhabende und reiche Leute kommen oft in Verlegenheit, wenn ſie in articulo mortis über ihr Vermögen verfügen ſollen. Neid, Eiferſucht, Vorur⸗ theile, Schwachſinn, unberechtigte Einwirkungen, Laune oder Irrthum(ſchlimmerer Urſachen und Beweggründe gar nicht zu gedenken) machen ihre Einflüſſe geltend, um unbillige Teſtamente zu Tage zu fördern und das Vermögen der Sterbenden in falſche Kanäle zu leiten. Der Arme hat es in dieſer Beziehung weit beſſer. David Garrick prahlte einſtmals gar ſehr mit ſeinem Reichthum gegen Samuel Johnſon, der eben keinen Schilling im Beutel hatte, und zeigte demſelben in ſeinem Hauſe zu Hampton ſeine Gemälde, ſeine Statuen, ſein Por⸗ zellan, ſeine ſeltenen Bücher und die ganze reiche Ein⸗ richtung der Wohnung.O David, David! rief ihm Johnſon zu,welche Maſſe Sachen, die Einem zittern machen, wenn man an ſein Teſtament denkt! Und dann ertheilte er ſeinem alten Bekannten noch eine herbe Vermahnung in einem Aufſatze der Wochenſchrift Rambler', welcher die Ueberſchrift trug:Asper's Klage über Prospero's Uebermuth. Zu der Abnei⸗ gung gegen das Verſchenken deſſen, was man lieber behielte und noch länger genöſſe, kommt bei vielen Men⸗ ſchen eine abergläubiſche Furcht vor dem bloßen Gedan⸗ ken an dasTeſtamentmachen, weil ſie glauben, daß dasſelbe ſo ſchlimm ſei wie die Unterzeichnung des eige⸗ nen Todesurtheils. Dieſe Schwäche welcher jene andere Selbſttäuſchung würdig zur Seite ſteht, wonach der Beſitz einer Lebensverſicherungs⸗Polizze als eine ſichere Anweiſung auf ein ſehr langes Leben betrachtet wird iſt weiter verbreitet als man glaubt.

Zu allen Zeiten ſind merkwürdige, aber auch recht närriſche Teſtamente gemacht worden. Am 21. Juli 1797 ſtarb in London Peter Iſak Thelluſſon, ein rei⸗ cher Kaufmann in der City, aus Genf gebürtig. Er hinterließ teſtamentariſch ſeiner Frau und ſeinen Kin⸗ dern an Grundbeſitz und anderm Werthe etwa 100.000 Pfd. Sterl, den auf 600.000 Pfd. Sterl. ſich belau⸗ fenden Reſt ſeines Vermögens aber beſtimmte er zu einem Fideikommiß, und zwar ſo, daß das Kapital wäh⸗ rend der Lebenszeit ſeiner drei Söhne, dann während