Jahrgang 
1864
Seite
177
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Pariſer Tagesberühmtheiten. 177

Amſterdam zurückkehren, denn ich glaube Euren Wor⸗ ten und hoffe mit Euch recht glücklich zu werden. Ihr habt das Geheimniß gefunden, denn Ihr ſeid der erſte Mann, der auf mich einen ſehr günſtigen Eindruck machte, mit einem Wort, zu dem ich Vertrauen faſſen kann, denn alle anderen Freier ſteckten ſich hinter den Vater und ſuchten erſt ſeine Neigung zu gewinnen, ehe ſie um meine Hand warben, und das verdroß mich. Ihr aber kommt geradewegs zu mir, und habt daher auf der Stelle mein Herz gewonnen, deßhalb ſollt auch Ihr und kein Anderer mein Gatte werden!

Nach dieſer Verſicherung reiſe ich mit leichtem Herzen ab, und ſchwöre Euch, Ihr ſollt es nie bereuen, daß Ihr Euch entſchloſſen, meine Gattin zu werden. Nun, Schwiegervater, was ſagt Ihr zu dieſer Wendung meines Geſchickes? Seid Ihr mir noch gram, oder wollt Ihr Euch mit mir verſöhnen und unſern Bund ſegnen? fragte van Heher und näherte ſich demü⸗ thig dem Goldſchmied, welcher über Alles, was er ſah und hörte, keine Worte finden konnte.

Ludmila aber lächelte, und ſagte:Lieber Vater, glaubſt Du nicht auch, daß ich mit van Heyer glücklich werde?

Ich wünſche es von ganzem Herzen, denn Du wirſt mit ihm leben, und mußt ſeine Eigenheiten er⸗ tragen lernen! Nur kann ich, aufrichtig geſagt, nicht begreifen, wie Du, die ſo viele Bewerber ausſchlug, gerade an dieſem Manne einen ſolchen Gefallen finden konnteſt!

Lieber Vater, das werde ich Dir erklären. Alle meine Bewerber waren gewöhnliche hausbackene Na⸗ turen, welche ſich um mich bewarben, weil ich die ein⸗ zige Tochter eines wohlhabenden Bürgers bin, und ſie eine anſehnliche Mitgift zu erhalten hofften. Das iſt bei van Heyer nicht der Fall. Er iſt ſelbſt ſo reich, daß er kein Heiratsgut benöthigt, und Euch noch nütz⸗ lich ſein kann. Ihn beſtimmt daher kein niedriger Eigennutz in der Wahl ſeiner künftigen Gattin, und deßhalb reiche ich ihm mit Vergnügen die Hand!

Triumphl Ich habe geſiegt! rief van Heyer und ſchloß Ludmila in ſeine Arme, der Vater ſeg⸗ nete den Bund, und van Heher reiſte den andern Tag nach Amſterdam ab, um Alles zum Empfang ſeiner Braut vorzubereiten.

Die ganze Nachbarſchaft war in Alarm, als der reiche Goldſchmied van Heyer ſich mit der ſchönen Ludmila in der Teinkirche trauen ließ. Er blieb noch einige Tage in Prag und kehrte dann mit ſeiner jungen Frau in ſeine Heimat zurück.

Ludmila's Vater verkaufte ſein Haus in der Karpfengaſſe, und folgte ſeiner Tochter, um ſeine Tage in ihrer Nähe zu beſchließen.

Das Haus jedoch, welches er beſaß, heißt noch heutzutage:Das goldene Angeſicht!

Erinnerungen. 88. Bd. 1864.

Pariſer Tagesberühmtheiten.*)

n allen Tageblättern war zu leſen, daß in dieſem »Jahre der Napoleonstag in Paris mit beſonderem Glanz und Pomp gefeiert werden ſoll. Auch die Ehrenbezeigungen von Seiten des Kaiſers waren in ſo mancher Hinſicht noch verbindlicher und weitreichender als ſonſt, und ſie wurden etwa ge⸗ rade einer doppelten Anzahl von Perſonen zu Theil, ſo zwar, daß z. B. nicht nur ein, ſondern zwei Dichter und Schriftſteller das heiß erſehnte Kreuz der Ehren⸗ legion angeheftet bekamen. Die Namen der beiden Glücklichen ſind Paul Féval und Ponſon du Terrail. Nun, von Paul Feval haben ohne Zweifel ſchon alle unſere Leſer oft gehört; bereits ſeit einer Reihe von Jahren gehört er zu den fruchtbarſten franzöſiſchen Ro⸗ manciers und man könnte ſich eher wundern, daß jene Auszeichnung ihn erſt jetzt getroffen hat. Wer aber iſt Ponſon du Terrail? Der Mann heißt mit ſeinem vollen Namen Vicomte Charles Dieudonné de Ponſon du Terrail, und der Verfaſſer derLebenden Bilder aus dem modernen Paris ſtellt ihn uns als eine literariſche figura comica vor, wie es kaum zur Zeit eine zweite in der franzöſiſchen Hauptſtadt gibt, aber zugleich auch als einen Mann, der Jahr aus Jahr ein ſeine 30 bis 40.000 Franken verdient. Er iſt alſo eineReſpekts⸗ perſon und auf der großen Goldwage, nach welcher in Paris Alles gewogen wird, mehr als ein Staatsrath werth, der nur lumpige 25.000 Frcs. einzunehmen hat. Seit dem neuen Kaiſerthum gibt man gern den⸗ jenigen Perſönlichkeiten, die ſich nach irgend einer Rich⸗ tung hin ganz beſonders hervorthun, den Beinamen Napoleon; ſo nennt man denn Ponſon du LTerrail den Napoleon des Feuilletons. Er hat ſich wirklich in den Pariſer Tageblättern den erſten Platz erobert, nämlich in ihrem rez-de-chaussée, wie man denjenigen Theil der Zeitungen heißt, der das Feuilleton enthält. Er herrſcht dort als wahrhaft unumſchränkter Autokrat; Alles wird zurückgelegt, wenn er mit irgend einer ‚Fort⸗ ſetzung erſcheint, und viele tauſend Leſer und Leſerin⸗ nen durchfliegen gewiß erſt das Ponſon ſche Feuilleton, bevor ſie den übrigen Theil der Zeitung anſehen, wenn ſie denſelben überhaupt einer Durchſicht würdigen. Die große Bedeutung des Pariſer Feuilletons da⸗ tirt bekanntlich aus den dreißiger Jahren, wo die beiden *)Lebende Bilder aus dem modernen Paris betitelt ſich ein kürzlich(Köln, bei Bachem) erſchienenes zweibändiges Werk von einem ungenannten Autor, der ſich darin als ein ebenſo gefälliges, wie ſeinen Stoff beherrſchendes Talent für genrehaftes Schildern des buntbewegten, tauſendfachen Lebens und Treibens in demneuen Babylon gezeigt hat, Einem Thema, das man für erſchöpft halten ſollte, ſind hier neue und intereſſante Seiten abgewonnen. Nur Eines wollte uns nicht gerade behagen: das offenbare Amuſement, welches der Verfaſſer ſelbſt von dem Beobachteten und Erlebten hatte, iſt ganz gut und ganz begreiflich, aber es paßt dann nicht recht dazu

die ſtets den Epilog ſprechende moraliſche Entrüſtung und ultramontanrkirchliche Geſinnung.

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