Jahrgang 
1864
Seite
176
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176 Kleroth: Das goldene Angeſicht.

Augen auf ſie richtete und ſagte:Holdes Fräulein mit dem goldenen Angeſicht, zürnt mir nicht, wenn ich es wage, vor Euch zu erſcheinen, allein Euer Vater wollte mir nicht die Freude Eures Anblicks gönnen, ſo blieb mir nichts Anderes übrig, als Euch in Eurer ſtillen Behauſung zu überfallen, und mein Herz und meine Hand anzutragen.

Ludmila ſah van Heyer mit ihren großen blauen Augen verwundert an, und entgegnete mit ſanf⸗ ter Stimme:Wer ſeid Ihr?

Ich bin der reiche Goldſchmied van Heyer aus Amſterdam!

Ihr wollt mich heiraten, und kennt mich nicht einmal? Sagt mir, ſeid Ihr nicht etwa im Kopfe ver⸗ wirrt?

Im Kopfe nicht, allein im Herzen! entgegnete van Heyer, und ſtreckte ſeine Rechte aus, um Lud⸗ mila's ſchöne Hand zu faſſen. Doch dieſe zog ſie ſchnell zurück und entgegnete:

Nur Geduld! Ich bin nicht ſo leicht zu faſſen, wie Ihr Euch vielleicht einbildet!

Verzeiht, ſchöne Ludmila, wenn ich Euch wi⸗ derſpreche, allein ich bilde mir ein und werde mir ſo

lange ich lebe, einbilden, daß Ihr meine Gattin werdet,

und ſollte ich auch mein ganzes Vermögen auf's Spiel ſetzen, um dieſen meinen Lieblingswunſch erfüllt zu ſe⸗ hen! ſagte van Heyer, und fiel vor Ludmila auf die Knie nieder. Dieſe betrachtete ihn wohlgefäl⸗ lig, denn ſeine Attitüde war wirklich maleriſch und die Bläſſe ſeines Angeſichts von einer zarten Röthe über⸗ flogen, welche ihm den Ausdruck einer Heiterkeit ver⸗ lieh, die es ſehr intereſſant erſcheinen ließ. In dieſem Augenblick öffnete ſich die Thüre des Gemaches, und herein trat Ludmilas Vater. Als er van Heyer auf den Knien vor ſeiner Tochter ſah, blieb er verwun⸗ dert ſtehen und ſchlug die Hände zuſammen.

Kaum hatte ihn Ludmila erblickt, eilte ſie auf ihn zu, fiel ihm um den Hals, und flüſterte ihm ins Ohr:Lieber Vater, kennſt Du dieſen Mann, der mich heiraten will, und mir nicht übel gefällt?

Ich ſah ihn heute in meiner Werkſtätte zum er⸗ ſtenmal, bei welcher Gelegenheit er um Deine Hand anhielt; allein er machte auf mich einen ſehr unheimli⸗ chen Eindruck, entgegnete der Vater leiſe.

Van Heyer war indeß aufgeſprungen, und als wenn er das Zwiegeſpräch gehört hätte, ſagte er: Schöne Ludmila, ich habe mir durch einen zu kräftigen Händedruck den Unmuth Eures Vaters zuge⸗ zogen, denn er glaubte, ich werde Euch als mein Weib ſo unſanft drücken, daß Ihr blaue Flecken davon tragen werdet. Allein fürchtet nichts, ich werde Euch auf den Händen tragen und ſo ſauft hehandeln, daß Ihr den Him⸗ mel auf Erden haben ſollt

Den Himmel auf Erden, das ließe ich mir ſchon gefallen, denn ich bin heiter und lebensfroh, und wünſche einen Gatten, der meine Heiterkeit und meinen Frohſinn zu würdigen weiß; denn mein Vater hat meine Jugend mit ſo viel Blumen ausgeſchmückt, daß ich in der That

ren Stand haben dürftet, um mich glücklich und zufrie⸗ den zu machen! entgegnete Ludmila, und ihr hol⸗ des Antlitz wurde von einem ſo roſigen Lächeln über⸗ flogen, daß van Heyer geſtehen mußte, Ludmila verdiene den Beinamendas goldene Angeſicht in hohem Grade. Er nahm ſich daher auch vor, es um jeden Preis zu erringen, denn er fühlte, daß ſeinem hochfahrenden ſtolzen Sinn Ludmilass Heiterkeit und Anſpruchsloſigkeit unendlich wohlthun werde, da er in demſelben einen Gegenſatz gefunden zu haben glaubte, welchen er benöthigte, um ſich ſein Leben an⸗ genehm zu geſtalten. Er ergriff daher ſchnell Lud⸗ mila's Hand drlückte ſie leiſe, zog ſie zum Vater und ſagte:

Meiſter, verbannet Euren Unmuth und vergeßt den übeln Eindruck, welchen ich auf Euch ausübte. Ich bin feſt entſchloſſen, Eure Tochter glücklich zu ma⸗ chen, denn es wird die Aufgabe meines Lebens ſein, ihr Freuden zu bereiten ſo viel als möglich. Daher ſegnet unſern Bund, denn ich bin in meinem Innern feſt überzeugt, Ludmila wird mich einſt lieben, und es nie bereuen, daß ſie mein Weib wurde!

Der Vater, von dieſer Anſprache überraſcht, blickte bald van Heyer, bald ſeine Tochter verwundert an, und wußte nicht, was er thun ſollte. Ludmila aber lächelte und ſagte:Lieber Vater! Du kennſt meine Aufrichtigkeit, Du weißt, daß ich bisher nie Luſt hatte, zu heiraten, nun aber bin ich des ledigen Standes müde, und wünſche mich zu vermälen Wenn es dieſem Herrn gelingt, meine Neigung zu erringen, ſo werde ich ihm mit Freuden meine Hand reichen!

Tauſend Dank, holde Ludmilal entgeg⸗ nete der Holländer und küßte ihre ſchöne Hand.Was ſoll ich thun, um Euch meine Liebe zu beweiſen?

Das überlaſſe ich Eurem Scharfſinn. Wenn Ihr wirklich ein ſo vortrefflicher Menſchenkenner ſeid, ſo wird es Euch nicht ſchwer fallen, mein Herz zu er⸗ gründen, und dasjenige zu finden, was mich über meine Zukunft beruhigen wird!

Es ſeil! Ich werde mich bemühen, das Geheim⸗ niß zu erforſchen, welches Euer Herz mir zuwenden ſoll. Nur wünſche ich daß es noch heute geſchehe, denn ich muß ſchon Morgen früh Prag verlaſſen und nach Amſterdam zurückkehren. Daß ich als Euer Bräuti⸗ gam in meine Heimat kommen möchte, werdet Ihr na⸗ türlich finden. Schöne Ludmilal Ich will Euer goldenes Angeſicht verſilbern, Euch meine Schätze zu Füßen legen, und zur unumſchränkter Gebieterin der⸗ ſelben machen. Allein nicht nur mein großes Vermö⸗ gen, welches Euch zu einer der reichſten Holländerinnen erhebt und Euern Vater in die Lage ſetzt, ſein Ge⸗ ſchäft hier entweder aufzugeben oder es mit Hilfe mei⸗ nen Verbindungen auf eine noch nie dageweſene Höhe zu bringen, ſoll Euer ſein, ſondern auch ich will jeden Eurer Wünſche erfüllen, und wenn Ihr es verlangt, Euer Sklave ſein, ſo lange ich lebe! ſagte van Heyer, und hob ſeine Hände bittend zu Ludmila empor.

Dieſe faßte ſie, drückte ſie zärtlich und ſagte:Lieber

ein wenig verwöhnt bin, und Ihr jedenfalls einen ſchwe⸗ Herr! Ihr ſollt jedenfalls als mein Bräutigam nach