Jahrgang 
1864
Seite
175
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Kleroth: Das goldene Angeſicht. 175

und aufrichtig ſich ausſprach, ſo konnte ihr doch Keiner zürnen, Jeder blieb ihr freundſchaftlich ergeben, und wo er ihr eine Freude bereiten konnte, ſo that er es; ſie hatte daher unter den jungen Männern, die ſier kannten, nur Freunde und Verehrer. Daß dadurch ihr Leben auf eine angenehme und heitere Weiſe verfloß, iſt natürlich, und ſie war daher mit ihrem Loſe auch zufrieden.

So wurde ſie vierundzwanzig Jahre alt, und noch immer hatte ſie keinen Mann gefunden, welcher ihr Herz gerührt und ihre Scheu beſiegt hätte. Da kam eines Tages in die Werkſtätte ihres Vaters ein ſeltſam ausſehender Mann. Er trug einen braunen Sammtrock, der mit rothen ſeidenen Bändern eingefaßt und mit ſchwarzen Glas⸗ knöpfen beſetzt war, kurze Beinkleider, rothe Strümpfe und braunlederne Schuhe mit ſchwarzen Schnallen. Sein Geſicht wäre ſchön zu nennen geweſen, wenn nicht eine krankhafte Bläſſe der Schönheit desſelben Eintrag gethan hätte. Seine großen ſchwarzen Augen bewegten ſich im Gegenſatz zu der Bläſſe ſeines Antlitzes raſch im Kreiſe und ſchienen Feuer zu ſprühen, während ſein un⸗ gepudertes Haar ſtraff auf die Schultern fiel. Als ihn der Goldarbeiter eintreten ſah, ſtand er von ſeinem Arbeitstiſch auf und trat ihm ehrerbietig entgegen. Der Fremde aber verbeugte ſich und ſagte:Es freut mich, Meiſter, Euch, den Verfaſſer des goldenen Ange⸗ ſichtes kennen zu lernen, deſſen Ruf von Prag aus bis in ferne Lande gedrungen iſt, daß ich aus dem ſaubern Nord⸗Holland herbeieilte, um es kennen zu lernen, und wenn es mir gelingen wird, als mein eheliches Geſpons in meine Heimat zu führen.

Wer ſeid Ihr, edler Herr? und woher kommt Ihr? fragte der Goldſchmied, und ſah den Fremden vom Kopf bis zu den Füßen verwundert an.

Wer ich bin? Ich bin der reiche Goldſchmied van Heyer aus Amſterdam, und feſt entſchloſſen, Euer Schwiegerſohn zu werden; denn ich glaube, wir paſſen ſehr gut zuſammen und können ausgezeichnete Geſchäfte machen!

Wenn Ihr der reiche van Heyer aus Amſter⸗ dam wirklich ſeid, dann fühle ich mich ſehr geſchmei⸗ chelt, daß Ihr in meine ſtille Behauſung gekommen und mir einen ſolchen Antrag macht. Und wenn mein geliebtes Kind an Euch Wohlgefallen findet, ſo werde ich mit Freuden Euren Bund ſegnen, und mich glücklich ſchätzen, daß Ihr mein Schwiegerſohn werdet, entgeg⸗ nete der Goldſchmied und reichte dem Fremden die Hand. Dieſer faßte ſie ſchnell und drückte ſie mit einer ſolchen Kraft, daß Erſterer glaubte, er hätte ſie in einen Schraubſtock gepreßt. Unwillkürlich ſtöhnte er laut, und der Fremde ſagte lachend:Ei Meiſter! Ich glaube gar, Ihr ſeid wehleidig. Schämt Euch. Ein Gold⸗ ſchmied, ſo wie Ihr, muß abgehärtet ſein und den Hände⸗ druck eines Mannes zu ertragen wiſſen. Geht, und ruft mir das goldene Angeſicht, damit ich mich an dem⸗ ſelben ergötze und ihm einen Heiratsantrag mache!

Aufrichtig geſagt, wenn Eure Liebesverſicherun⸗ gen mit ſolchen Schmerzen verbunden ſind, wie der Druck Eurer Hand, dann habe ich nicht viel Luſt, Euch

mein Kind zum Weibe zu geben, denn ich fürchte, daß Ihr ſie verletzen und quälen könnt, entgegnete der Goldſchmied.

Bahl dummer Schnack! Schmerzen? Da kennt Ihr die Weiber ſchlecht, die lieben gerade jene Män⸗ ner am zärtlichſten, die ihnen Schmerzen bereiten, denn die zuckerſüßen Fante, deren Liebkoſungen in lauter Baumwolle eingehüllt ſind, erſcheinen ihnen abge⸗ ſchmackt und fad, entgegnete van Heyer, und lachte ſo laut, daß es in der Stube wiederhallte.

Der Goldſchmied ſah ihn verwundert an, denn es wurde ihm unheimlich zu Muthe, und er wünſchte nichts ſehnlicher, als ſeine Entfernung; allein van Heyer, als ahne er, was in deſſen Seele vorging, ſagte höhniſch:Ich ſcheine Euch nicht ſehr zu gefallen; allein das thut nichts zur Sache, denn ich bin überzeugt, daß ich, ſobald Ihr mich näher kennen lernen werdet, Euren vollen Beifall erringe, denn ich bin reich und durch meine ausgebreitete Verbindungen auch in der Lage, Eurem Geſchäfte einen ganz beſondern Aufſchwung zu geben. Allein Euer Eidam muß ich werden, denn nur unter dieſer Bedingung kann und will ich Euch nützlich ſein, deßhalb laßt Eure Tochter kommen, damit ich ihr meinen Heiratsantrag mache, oder wenn Ihr wollt, ſo führt mich zu ihr, denn ich bin gewohnt, alle meine Geſchäfte ſchnell abzuthun!

Der Prager Goldſchmied wurde über dieſe Aeuße⸗ rung van Heyers ſehr frappirt, denn die Art und Weiſe, wie er ſich geberdete, erhöhte noch den unheim⸗ lichen Eindruck, welchen ſeine Perſönlichkeit ausübte. Er war daher auch feſt entſchloſſen, ſeine Tochter nicht in die Werkſtätte rufen zu laſſen, weil ungeachtet der verführeriſchen Verheißungen er doch nicht Luſt hatte, ſein einziges Kind einem Mann zu geben, zu welchem er kein Vertrauen faſſen konnte.

Van Heyer, deſſen Menſchenkenntniß jedoch ahnte, was in der Seele des Goldſchmieds vorging, lächelte höhniſch und ſagte:Sperrt Euch wie Ihr wollt, ich werde doch Euer Eidam, und wenn Ihr wirk⸗ lich ſo unfreundlich ſeid und Eure Tochter nicht her⸗ abkommen laſſen wollt, ſo werde ich ſie ſelbſt aufſu⸗ chen und ihr meinen Antrag machenl! Nach dieſen Worten verließ der Fremde ſchnell die Werkſtätte, und ſtieg die Treppe hinauf, welche in demſelben Hauſe in die Wohnung des Goldſchmieds führte. Als van Heyer an Ludmilas Chüre kam, klopfte er an⸗ fangs leiſe, und dann ummer lauter, bis endlich Lud⸗ mila mit ihrer ſanften StimmeHerein rief.

Van Heher trat ein und verbeugte ſich ehrer⸗ bietig vor Ludmila, welche in einem geſchmackvollen Negligé an ihrem Arbeitstiſch beim Fenſter ſaß, auf welchem eine elegante Porzellanvaſe mit Blumen ſtand.

Ludmila war mit einer Stickerri beſchäftigt, welche ihre Aufmerkſamkeit gänzlich in Anſpruch nahm. Sie wendete ihr liebliches Antlitz dem Eintretenden zu, und war nicht wenig erſtaunt, als ſie den Fremden be⸗ merkte, welcher mit einer tiefen Verbeugung vor ihr ſtand. Sie erhob ſich von ihrem Sitze und näherte ſich freundlich van Heyer, welcher ſeine ſchwarzen