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Politiſche Ueberſicht. 173
derholende Ereigniß zu ſchützen, errichtet die Bevölke⸗ rung die Häuſer auf einem freien Pfahlroſte, ſo daß der Boden des Hauſes mindeſtens ſo hoch über dem Erdbo⸗ den liegt, als die Fluth gewöhnlich ſteigt. Dieſe Bau⸗ weiſe hat ſich ſogar bis in diejenigen Diſtrikte verbrei⸗ tet, in denen keine Ueberſchwemmung zu fürchten iſt.
Die Häuſer in Kambodſcha ſind zwar kleiner als dieje⸗
nigen der Cochinchineſen, dafür aber eleganter einge⸗ richtet. Das Erdgeſchoß dient als Stallung für das Geflügel, das erſte Stockwerk als Wohnung und das zweite als Speicher.— Das Land, welches ſich ehe⸗ mals vom Golf von Bengalen bis zum Chineſiſchen Meer erſtreckte, hat gegenwärtig, wie erwähnt, nur eine ſehr untergeordnete Bedeutung. Die Anzahl der Städte iſt nur gering. Sie ſind von Paliſſaden um⸗ geben und ihre Form iſt durchgängig viereckig. Jede Ecke wird durch einen Thurm aus Mauerſteinen ver⸗ theidigt. Die Reſidenz iſt Udong. Der jetzt regierende König iſt ein armer und ſchwacher Herr. Er war lange Zeit Gefangener zu Bang⸗kok und befand ſich daſelbſt in ſo traurigen Umſtänden, daß er ſeinen Unterhalt mit der Reparatur von Uhren verdienen mußte. Wieder auf ſeinen Thron eingeſetzt, zeigt er ſich ſehr wohlwol⸗ lend gegen die Fremden und ſucht europäiſche Sitten und Gebräuche, freilich bisweilen auf die lächerlichſte Weiſe, nachzuahmen. Der königliche Palaſt, in welchem ſich zugleich die Münze und das Arſenal befindet, liegt in der Mitte der Stadt und iſt von einer niedrigen Backſteinmauer umgeben. Der Reſt der durch eine 9 bis 12 Fuß hohe Paliſſadenumzäunung vertheidig⸗ ten Stadt beſteht aus einigen Reihen Häuſer, von de⸗ nen die am Wenigſten elenden von den Adeligen be⸗ wohnt werden. Im Allgemeinen macht die Haupt⸗
ſtadt des Königreichs den Eindruck der höchſten Arm⸗
ſeligkeit. Ueberall im ganzen Lande ſtößt man auf Ueberreſte jeder Art, welche auf eine bedeutend ent⸗ wickelte Civiliſation in früherer Zeit hinweiſen, von der jetzt jedoch keine Spur mehr vorhanden iſt.— Der große Tempel zu Augkor⸗Vot enthält ungeheure Bas⸗ reliefs von vielen hundert Fuß Länge und fünf bis ſechs Fuß Höhe. Zwiſchen den darauf abgebildeten Kriegern, Elephanten, Pferden, Vögeln und phantaſti⸗ ſchen Drachen ſind Sonnenſchirme, indiſche Fächer, Schwerter, Cymbeln, chineſiſche Gongs, Standarten, Lanzen, Bogen, Pfeile, Schilder und die verſchiedenen Muſikinſtrumente eingemiſcht. Von letzteren ſind noch jetzt der Gong, die Cymbel und eine mit drei Darm⸗ ſaiten beſpannte Guitarre, welche von den Virtuoſen mit der großen Zehe geſpielt wird, bei den Inſtrumen⸗ tal⸗ und Vokalkoncerten in Gebrauch. Obgleich bei ſolchen Aufführungen die eingeborenen Dilettanten vor Entzücken bis in den ſiebenten Himmel verſetzt zu ſein ſcheinen, ſo verurſachen ſie doch dem nur einigermaßen an mittelmäßige Muſik gewöhnten Europäer das fürch⸗ terlichſte Ohrenreißen; denn bei den Tonkünſtlern in Kambodſcha ſcheint der Mißklang die höchſte Regel zu ſein, welche auch auf das Gewiſſenhafteſte befolgt wird.
Politiſche Ueberſicht.
rag am 10. September 1864. Die„Indep. belge“ wiederholt, daß in Paris
Gerüchte von der bevorſtehenden Anerkennung des Königreichs Italien ſeitens Oeſterreichs eirkuliren. Dieſe Gerüchte haben nun freilich bis jetzt wenig Ausſicht, daß ſie ſich beſtätigen werden. Inzwiſchen kündigt die„Ge⸗ neralkorreſpondenz“ eine andere Anerkennung von Seite Oeſterreichs an. Wie wir hören, hat ſich die öſterreichi⸗ ſche Regierung bereit erklärt, den König Georg von Grie⸗ chenland anzuerkennen. Das officiöſe Blatt fügt bei, daß das Wiener Kabinet ſich nicht früher zu dieſem Schritte entſchloſſen habe, als nachdem es ſich mit dem bairiſchen Hofe diesfalls in's Einvernehmen geſetzt und allen Rückſichten gegen die königliche Familie Rechnung getragen hatte.
Ein Münchener Telegramm der„Preſſe“ meldet: Die preußiſche Note nach Wien, welche die öſterr. Vor⸗ bedingungen bezüglich der Handelsfrage zwar nicht ac⸗ ceptirt, aber doch das Princip der Handelseinigung als Berathungsgegenſtand erklärt, iſt vom 25. Auguſt datirt und in freundlichem Tone gefaßt. Sowohl in ſubjekti⸗ ver als objektiver Beziehung ſei jetzt erſt nach Erneue⸗ rung des Zollvereins die Möglichkeit, mit Oeſterreich und ſeinen Handelsverbündeten zu verhandeln, geboten. In der Rückantwort vom 3. Sept. hält das öſterr. Kabinet das Recht auf Zolleinigung kraft des Februar⸗Vertrages feſt, und fragt an, ob es Preußen genehm ſei, daß Sek⸗ tionschef Hock behufs der Verhandlungen vom 12. d. nach Berlin reiſe. Die bairiſche Regierung iſt entſchloſſen, ihr Verhalten möglichſt genau dem Oeſterreichs an⸗ zupaſſen.
Am 7. Nachmittags nach 1 Uhr iſt die Kaiſerin von Frankreich in einem Extrazuge in Wiesbaden eingetroffen. Die Kaiſerin hat für allen officielten Empfang, welcher ihr von Seiten des Herzogs zugedacht war, gedankt, ſie iſt nach ihrer Ankunft in einem gewöhnlichen Lohnkut⸗ ſcherwagen nach Schwalbach weiter gefahren. Die Kai⸗ ſerin war ſehr einfach ſchwarz gekleidet und verſchleiert. Neben ihr ſaß eine Dame, ihr gegenüber ein Herr; man ſagt, es ſei dies der General Fleury geweſen. Die naſ⸗ ſauiſchen Hofequipagen ſind leer nach Hauſe gefahren. Das große Publikum hat ſehr unbefriedigt den Schau⸗ platz der Neugierde verlaſſen.
Dieſe Reiſe kam aller Welt unerwartet. Man zer⸗ bricht ſich den Kopf darüber, welche Gründe dieſe plötz⸗ liche Reiſe veranlaßt haben mögen. Daß man auch po⸗ litiſche Motive unterlegt, verſteht ſich von ſelbſt. Unter anderem folgert man auch, daß jetzt doch die Zuſammen⸗ kunft des Kaiſers Napoleon mit dem König von Preußen ſtattfinden dürfte und zwar bei Gelegenheit der Rückkehr der Kaiſerin, die der Kaiſer abholen werde.— An demſelben Tage fand in der ruſſiſchen Kapelle in Paris zu Chren des Krö⸗ nungstages des Kaiſers Alexander ein feierlicher Gottes⸗ dienſt ſtatt. Als Alles auf den Knien lag ertönte plötzlich in polniſcher Sprache ein mit tiefer Baßſtimme ausgeſpro⸗ chenes„Es lebe Polen!“, das alle Anweſenden in großen Schrecken verſetzte, da man keine Ahnung hatte, woher der Ruf ausging.
Der„Moniteur“ v. 8. d. meldet amtlich die Erneu⸗ nung des Marſchalls Mace Mahon zum General⸗Gouver⸗ neur von Algerien. Der bisherige ſtellvertretende Gou⸗ verneur, General Martimprey, wurde zum Senator ernannt.
Die Darmſtädter Kammer der Abgeordneten hat den Antrag des Abgeordneten Metz und Genoſſen, die Regie⸗ rung um alsbaldigen Beitritt zum Zollvereine, jedenfalls noch vor dem 1. Oktober, dringendſt zu erſuchen, ein⸗ ſtimmig angenommen.
Bekanntlich wurde bei der vorjährigen Siegesfeier in Leipzig von den dort verſammelten Abgeordneten der deutſchen Städte beſchloſſen, einen„deutſchen Städtetag“


