Jahrgang 
1864
Seite
172
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172 Das Königreich Kambodſcha.

ſich endlich in vielen Ausmündungen in das Chineſiſche Meer. An einer dieſer Mündungen litt der berühmte portugieſiſche Dichter Camoens Schiffbruch, und man erzählt von ihm, daß er, mit der einen Hand rudernd, mit der andern ſeine herrliche Dichtung, dieLuſiade haltend, ſchwimmend das Ufer erreicht habe. Der Me⸗ Kong ſoll eine Länge von mehr als 300 Meilen haben, doch eignet er ſich im Ganzen weniger für die Schiff⸗

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fahrt; bald iſt er tief und ruhig, bald ſetzen Felsblöcke, Sandbänke oder Stromſchnellen dem ſichern Fortkom⸗ men der Fahrzeuge faſt unüberſteigliche Hinderniſſe ent⸗ gegen. Die hauptſächlichſten Bewohner des Stromes ſind Fiſchadler, unzählige Pelikane, Scharen von Kai⸗ mans und einige der ſchlanken Gattung angehörende Tiger, welche ihre Lager in den dichten Dſchungeln und ihre Nahrung in den benachbarten Wäldern ſuchen.

Außer den Kaimans und Tigern werden die Ufer noch von einer andern, nicht minder gefährlichen Geſellſchaft beläſtigt, den Piraten, welche ſich in den Ausmündun⸗ gen der Nebenflüſſe oder den Einbuchtungen des Haupt⸗ ſtromes auf die Lauer legen(ſ. d. Illuſtration) und die vorüberfahrenden Bote angreifen. Wenn ſich ihnen auf dem Waſſer keine Beute bietet, ſo überfallen ſie auch die Wohnungen auf dem Lande; doch treffen die Be⸗

wohner inſoweit Vorſorge gegen ſolche Ueberfälle, daß wenigſtens in jedem größern Hauſe ein Wächter ange⸗ ſtellt iſt, welcher unaufhörlich den Gong ſchlägt, um an⸗ zuzeigen, daß man auf der Hut iſt. Die Regenzeit ſetzt, beſonders vom Auguſt bis November, durch eine Menge Nebenflüſſe begünſtigt, weite Landſtrecken unter Waſſer und der Verkehr kann dann nur mittelſt Barken ſtattfinden. Um ſich gegen dieſes ſich regelmäßig wie⸗