Jahrgang 
1864
Seite
168
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168 Unſeren Hausfrauen.

nant, noch dem treuen Berger behagen. Erſterer ſchwelgte in den Wonnen eines möglichen Liebesver⸗ hältniſſes, während letzterer praktiſcher zu Werke ging und ſeiner ſchönen Marie ſchon manches Küßchen ge⸗ raubt hatte. Doch Befehl iſt Befehl, man mußte ge⸗ horchen. Wall beſchloß, der Comteſſe einen Beſuch zu machen, um ſich von ihr zu beurlauben. Zum erſten⸗ male, ſeit er im Felde war, bedauerte er die Vernach⸗ läſſigung ſeines Koſtümes, ſeiner Haare und Nägel und erſt nach der ſorgfältigſten Säuberung ließ er ſich bei Bertha anmelden.

Sie empfing ihn mit ausnehmender Liebenswür⸗ digkeit. Als er in ihr Boudoir trat, kam ſie ihm ent⸗ gegen und reichte ihm die Hand, welche Wall mit einer Inbrunſt an die Lippen drückte, die faſt ausſchließlich nur bei verliebten Lieutenants vorzukommen pflegt.

Wie freue ich mich, meinen Retter wieder zu ſehen, ſprach Bertha freundlich.

Ich komme, gnädiges Fräulein, um Abſchied zu nehmen, ſtotterte Wall.

Sie wollen fort? fiel ihm Bertha raſch in's Wort und verfärbte ſich.Sie müſſen fort, ſetzte ſie nach einer kleinen Pauſe ruhiger hinzu.

Meine Pflicht ruft mich, Comteſſe. Ich habe den Befehl erhalten, zu meinem Bataillon zurückzukehren und da wollte ich Sie nochmals ſprechen, um

Reden Sie, mein Herr, was wollten Sie von mir?

Nichts, gar nichts, ſtotterte zum erſtenmale in ſeinem Leben verlegen der junge Mann,nur ſehen wollte ich Sie, nur ſprechen wollte ich Sie, um Ihnen zu ſagen, daß das Andenken an Sie die ſchönſte Erinne⸗ rung meines Lebens ſein wird.

Bertha verfärbte ſich wieder.Nun werde ich abermals ſchutzlos da ſtehen, ſeufzte ſie.O mein armer Vater!

Nun weiß ich, was ich wollte, ſprang Wall ihr ſchnell in's Wort,ich wollte Ihren Vater retten.

Das wollten Sie! O Sie ſind ein vortrefflicher Mann. Und abermals reichte ſie ihm ihre ſchöne Hand und applieirte ihm einen herzlichen, langen Händedruck.

Es würde mich glücklich machen, könnte ich ihn retten, hub Wall neuerdings an.Ich bin überzeugt, daß unſere Brigade dem Feinde nachfolgt und ihn er⸗ reicht. Entweder wir ſtürmen das Dannewerk, wo ſich das Gros der Armee befindet, oder wir umgehen es und auf alle Fälle hoffe ich bald in der Lage zu ſein, über den Herrn Grafen Näheres zu erfahren und bin ent⸗ ſchloſſen, ihn überall, wo er auch ſein möge, aufzuſuchen. Wollten Sie mir nun ein Erkennungszeichen geben, welches ihn veranlaßt, mir zu vertrauen, könnte ich viel⸗ leicht Vieles für ihn, für Sie thun.

O mit tauſend Freuden gebe ich Ihnen ein ſolches Zeichen, mein guter, mein beſter Freund, ſprach Bertha, nahm ein Medaillon von ihrem Halſe und überreichte es dem jungen Officier.Hier haben Sie mein Bildniß

Ihr Bildniß, ſprang ihr Wall in's Wort.O Sie machen mich zum Glücklichſten der Menſchen.

Bertha wurde über und über roth. Sie gab ihm keine Antwort, reichte ihm jedoch die Hand zum Kuſſe, und die Worte flüſternd:Retten Sie meinen Vater! eilte ſie zur Thür hinaus.

Wal ſtand verblüfft. Hatte er ſie verletzt? Sollte ſie das verblümte Geſtändniß ſeiner Liebe ungütig auf⸗ genommen haben? Er war noch nicht von der Stelle gekommen, als Marie, das Mädchen Berthas aus dem Nebenzimmer trat und ihm die Botſchaft brachte, ihr Fräulein fühle ſich zu ſchwach, dem Herrn Lieutenant Lebewohl zu ſagen. Er möge nicht zürnen und gewiß ſein, daß es ihn mit offenen Armen empfangen werde, wenn er in Papa's Geſellſchaft zurückkehrte.

Der Lieutenant hatte nun ſeinen Beſcheid und drängte auf die Abreiſe. Er traf im Hofe den Jäger Berger, welcher ſich überall nach Marien umſah, wahrſcheinlich um Abſchied von ihr zu nehmen.

Sputen Sie ſich, Berger, ſprach der Lieutenant zu ihm,damit wir zur Zeit beim Bataillon eintreffen, wir ſollen noch heute fort.

Leider, leider, brummte Berger,ich wollte, wir blieben wenigſtens einen Monat hier liegen. Gehen Sie nur voraus, Herr Lieutenant, ich komme gleich, ich muß nur noch der Marie Adieu ſagen.

Lächelnd drohte der Officier dem ungetreuen Bur⸗ ſchen und ſprach:Berger, wenn ich das der Lotte ſchreibe!

Die Lotte habe ich im Magen, Herr Lieutenant, antwortete Berger.

Was iſt denn geſchehen? Iſt ſie untreu geworden.

Das weiß ich nicht, aber ſeit ich ſie, oder beſſer ihr Andenken im Magen begraben habe, gehört mein Herz dieſer verteufelten Marie, welche eine noch viel ſchmuckere Dirne iſt als es, Gott hab' ſie ſelig, Lotte war.

Laſſen Sie ſich wieder einen Rum verehren, lachte Wall.

Mit nichten, Herr Lieutenant. Für Lotten war Rum gut genug; Marie muß mir was dauerhafteres geben. Ach, da kommt ſie und ſucht mich! Sie entſchul⸗ digen, Herr

Glückliche Verrichtung, Berger. Kommen Sie bald nach! Mit dieſen Worten trat Wall ſeinen Rückweg an, während Berger ſich kein Gläschen, ſondern ein Fäßchen Rum und obendrein etliche Küſſe und ein Ringelchen ſchenken ließ.

Bald hatte er ſeinen Herrn eingeholt.

(Fortſetzung folgt.)

Unſeren Hausfrauen. AUeber die Aufbewahrung verſchiedener Vorräthe.

5 Te vorzügliche Sorge der Hausfrau iſt die gute Er⸗ Whaltung ihrer Vorräthe, damit dieſelben keine unan⸗ 8 genehmen oder nachtheiligen Eigenſchaften annehmen oder gänzlich verderben. Wir haben bereits in den vorhergehenden Kapiteln, bei Gelegenheit verſchiedener Speiſeſtoffe die Mittel angegeben, wie ſie am Beſten

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