Jahrgang 
1864
Seite
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Feuilleton.

anweſenden Vereine ihre ſchönſten Lieder ernſter und hei⸗ terer Art. Den Höhepunkt erreichte das bunte Leben und Treiben am Abende nach der Zuerkennung der Preiſe. Da gab es überall Glückwünſche, Jubel und Verbrüde⸗ rung; von einem Tiſche zum andern riefen und ſangen die Vereine einander ihrHoch! zu, und ein dreimal dreifaches, donnerndes, von dem Chormeiſter der preisge⸗ krönten Breslauer, Herr Bartzold, ausgebracht, galt dem Verdienſt des geſammten Feſtausſchuſſes und des Herrn Dr. Uchatzy ganz insbeſondere.

Als ein hübſcher Zug kann nicht unerwähnt bleiben, daß die Gewinner des Pultes, die Mitglieder des Dresd⸗ nerOrpheus, dem Kunſttiſchler Becker, aus deſſen Hand das Kunſtwerk hervorgegangen, ein Abendſtändchen brach⸗ ten, um ihm zu danken. Der treffliche Meiſter hat ſeine ganze Ehre, und wohl noch Materielleres, in das Werk eingeſetzt; möge er jetzt wenigſtens den Lohn des Künſt⸗ lers genießen, daß er allſeitige Anerkennung ſindet, und daß unter den Sängern häufig der Ausſpruch laut wurde, der Gewinn des dritten Preiſes ſei eigentlich wünſchens⸗ werther, als der des erſten geweſen.

Bonbons.

Ein Mann, welcher ſchon manchen gelungenen Spaß vollführt hat, nahm eines Tages ſeine Flinte auf den Rücken und ging auf die Jagd. Da aber das Jagen ohne Jagdſchein verboten war, ſo achteten die Gens⸗ d'armen ſehr darauf, daß Niemand ohne einen ſolchen Schein dieſem Vergnügen nachgehe. Unſer Freund war auch noch nicht lange im Felde umhergeſtrichen, als er wei Gensd'armen in eiligem Schritt auf ſich zukommen fah. Er bemühte ſich, denſelben zu entfliehen. Nach einer Viertelſtunde waren die Wächter des Geſetzes ihm aber ſo nahe gekommen, daß ſie ihn zu ergreifen hoffen konn⸗ ten; in dieſem Augenblicke kletterte aber der Mann ſchnell auf einen Baum.

Kommen Sie herunter! riefen ihm die Gensd'armen zu, aber er antwortete nicht. Sie drohten nicht von der Stelle zu weichen, bis er herunterkomme, er aber zog ganz ruhig ein Frühſtück aus der Jagdtaſche und fing an zu eſſen. Das war den Gensd'armen zu arg, und einer verſuchte, auf den Baum zu klettern was der Obenſitzende nicht hinderte.

Im Namen des Geſetzes Ihren Jagdſchein! polterte der Gensd'arm, indem er den Jäger anfaßte.

Dieſer reichte ruhig den Schein hin.

Er iſt ja in Ordnung.

Freilich, antwortete der Jäger.

Warum liefen Sie denn ſo ſchnell davon?

Habe ich Ihnen geſagt, daß Sie mir folgen ſollen?

Warum kletterten Sie dann aber auf dieſen Baum?

Ich pflege hier zu frühſtücken und habe Sie nicht aufgefordert, auch heraufzukommen.

Warum ſagten Sie aber dies nicht alles vorher?

Ich pflege nicht eher zu antworten, bis man mich fragt.

Unterſuchungsrichter:Woraus ſchließt Ihr denn, daß der Mayer zuviel getrunken hatte, als er den Fiſcher packte?

Zeuge:

Unterſuchungsrichter: benahm er ſich denn?

Zeuge:Ha, Ihr wiſſet ja ſelber, Herr Richter, wie's iſt, wenn Einer en Rauſch hat.

Ich beſuchte in London eines ein Reiſender, meinen Freund, den Strauß. Er war ſehr beſchäftigt mit dem eines Koncerts, welches an demſelben Abende ſollte, als leiſe an die Thür gepocht wurde.

Ha, er hat eben en Rauſch g'hat.

Woher wißt Ihr das? Wie

Morgens, erzählte Wiener Walzerkönig Arrangement ſtattfinden Auf unſer

Herein trat ein gebückter Mann in ſchlechter Kleidung, ein kleines, blaſſes, etwa ſieben⸗ bis achtjähriges Mäd⸗ chen an der Hand führend, ein.

Habe ich die Ehre, Herrn Strauß zu ſprechen? fragte er in gebrochenem Franzöſiſch.

Das iſt er ſagte ich, auf meinen Freund deutend.

Ich habe eine Bitte, fuhr er ſchüchtern fort.Ich wünſchte, daß Sie meiner kleinen Tochter erlaubten, heute Abend in Ihrem Koncerte zu ſpielen, damit ihr einmal Gelegenheit gegeben würde ſich öffentlich hören zu laſſen.

Das kann nicht ſein ſagte Strauß, dem ich die Rede verdolmetſcht,ich habe zu viel Nummern

So, ſo! verſetzte der Alte traurig.Haben Sie nicht vielleicht irgend ein Inſtrument, wenn es auch eine ganz alte Violine iſt, in der Nähe?

Ja, entgegnete Strauß zögernd,meine Violine habe ich natürlich hier. Er legte zögernd das gute In⸗ ſtrument in die begierig danach langenden Hände der Kleinen. Sie drückte es raſch an das Kinn, ſchlug die dunkeln Augen in die Höhe und begann ihr Spiel. Strauß und ich ſahen uns immer mit größeren Augen an, der Alte lächelte. Als ſie geendigt, klatſchten wir uns die Hände wund.

Sie können heute Abend ſpielen, rief Strauß ent⸗ huſiaſtiſch,und immer und jedes Mal, ſo lange ich auf Erden Koncert gebe. Wie heißen Sie, mein Kind?

Ich beugte mich nieder zu der Kleinen, nahm ihr mageres Händchen zwiſchen meine beiden und fragte ſchmeichelnd:Wie heißt Du, Kleine?

Thereſe Milanollo! ſagte ſie leiſe.

Der bekannte Sulzer begegnete einem Menſchen mit einem Gerippe vom Hunde. Der Hund jammerte den weichmüthigen Mann.

Warum ſieht der Hund ſo erbärmlich aus? fragte er.

frißt niſcht! war die Antwort.

Warum frißt er denn nichts?

Wir gäben ihm niſcht.

Aber mein Gott warum gebt ihr dem armen Thier auch nichts?

Wir han niſcht.

Ein kleiner Knabe bat ſeinen Vater, ihm einen anderen Lehrer anzunehmen. Als der Vater ihn nach dem Grunde fragte, erwiederte der Kleine:

Weil er nichts kann! Denn bald frägt er Dies, bald Das, und Sachen, die ich manchmal ſelbſt nicht weiß!

Eine berühmte Ballettänzerin tanzte im Berliner Opernhauſe einen Elfentanz. Ein Witzbold, der hörte, daß die Sylphide 4000 Thlr. jährliche Gage erhielt, alſo für jedes Bein 2000 Thlr., meinte:

.Das iſt doch das theuerſte Elfenbein, welches ich kenne.

Ein Nankeeſtreich.

Graf A. v. Baudiſſin erzählt in ſeinem Buche:Zu⸗ ſtände in Amerika folgende Geſchichte:

Der Held derſelben iſt übrigens kein Amerikaner, ſondern ein Deutſcher, der ſich aber ſo vollſtändig natura⸗ liſirt hatte daß er für einen echten Jankee gelten konnte. Von der Ueberzeugung ausgehend, daß man nicht ſelbſt arbeiten, ſondern die Arbeit organiſiren, oder mit anderen Worten vom Schwindel leben müſſe, ſchlug er ſich nicht immer glücklich, aber mühelos durch's Leben und verfiel unter anderen Ideen auch auf die folgende, die er in einer Geſellſchaft ſo vortrug:

Wir gingen nach Louisville und ließen Zettel von fünf Fuß Länge und drei Fuß Breite drucken, auf welchen wir anzeigten, daß wir an einem gewiſſen Tage im Gaſt⸗