Jahrgang 
1864
Seite
161
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Feuilleton.. 159

hauſe zumBremer Schlüſſel ein merkwürdiges Thier zeigen würden, welches wir in den Rocky Mountains ge⸗ fangen, bereits an Ihre Majeſtät die Königin von Eng⸗ land verkauft hätten und auf unſerer Durchreiſe in Louis⸗ ville für einen Dollar Entrée zeigen würden. Die Damen wurden gebeten, keine rothen Kleider oder Tücher in den Saal zu bringen, weil das Minopholitarantikos ſo nannten wir unſer Thier beim Anblicke eines rothen Zeuges wüthend würde.

Am Tage vor der Ausſtellung erhielten wir eine Kiſte von zehn Fuß Länge, acht Fuß Breite und neun Fuß höhe. Es war ein Ochs in der Kiſte. Da aber nur Luftlöcher darin waren, konnte Niemand den Betrug merken. Die Kiſte ward auf Rollen in den Saal gebracht und alle Zugänge auf's Sorgfältigſte bewacht. Der Ochs war dem Hungertode nahe, wir holten ihm etwas Heu und Mais, brachten etwa zwanzig Eimer Waſſer herbei und retteten ihn ſomit von einem ſchrecklichen Tode.

Eine Stunde vor der beſtimmten Zeit füllte ſich der Saal mit Herren und Damen. Mein junger Freund war an der Kaſſe, ich war mit dem Wunderthiere hinter dem Vorhange. Als der Saal zum Erdrücken voll war, holte mein Freund einen Wagen mit zwei flinken Pferden und gab mir auf einer kleinen ſilbernen Trompete das verab⸗ redete Zeichen

Kaum hatte ich den ſehnlichſt erwarteten Ton ver⸗ nommen, als ich athemlos vor den Vorhang ſtürzte und mit gellender Stimme ausrief:

Meine Herren und Damen, retten Sie ſich, der Mi⸗ nopholitarantikos iſt los!

Ich ſprang durch's Fenſter, beſtieg meinen Wagen und jagte in ſauſender Eile davon. Der Schrecken des Publikums muß übrigens arg geweſen ſein, denn trotz unſerer Eile wurden wir von Männern überholt, die wie wüthend um die Ecke rannten und ausriefen:The beast comes.

Kleine Prager Chronik.

Nichts beſchäftigt die Prager ſeit einigen Tagen ſo ſehr, als der Wucherproceß gegen einen Blutegel Namens Joſua Meller, welcher im wahren Sinne des Wortes von dem blutigen Schweiße der Armuth lebte und welcher nun vor den Schranken des Gerichtes ſteht, um ſich zu verantworten. Joſua Meller iſt ein 40⸗jähriger Iſraelite, Buchbinder von Profeſſion. Er war bereits wegen Be⸗ trug mit 18⸗monatlichem Kerker abgeſtraft, hatte während der Haft einen Fluchtverſuch gemacht, der damit endete, daß er beide Füße brach und dieſe ihm amputirt werden mußten, ſo daß er ungefähr drei Schuh hoch iſt. Sein Aeußeres iſt abſchreckend. Ein großer Kopf mit großen tiefliegenden Augen ſitzt ihm ſchief auf einem breiten un⸗ förmlichen Rumpf und ſeine kreiſchende biſſige Sprech⸗ weiſe vergrößert noch den Ekel, welcher jeden Beſchauer dieſes verkrüppelten Menſchen beſchleicht. Zuerſt war Meller Leihbibliothekar, doch gab er dies Geſchäft als nicht genug einträglich auf. Er überſiedelte vor 4 Jahren nach Prag und wurde Wucherer, lieh gegen 100 bis 150 Procent, ließ ſich aber außerdem noch von jeder Partei Pfand und Wechſel geben. Die Pfänder beſtan⸗ den meiſt aus Verſatzamtszetteln, welche der Ehrenmann angekauft zu haben vorgab und wieder verkaufte. Wer nicht pünktlich zahlte, wurde geklagt und mit Perſonal⸗ arreſt belegt, abgeſehen davon, ob er ſchon den größten Theil der Schuld berichtigt halte oder nicht. Aber damit iſt's noch nicht genug. Er ſchwur auch falſche Eide, darunter einen weniger Gulden wegen. Wer da weiß, wie ſchwer ein Jude zum Eide gebracht wird, ſelbſt wenn dieſer in einer gerechten Sache abgelegt werden ſoll, wird einſehen, wie verderbt der Angeklagte ſein muß. Vor zwei Jahren heiratete er ein junges, kräftiges Weib, und

nun hatte er eine Vermittlerin ſeiner Geſchäfte und machte

dieſe ſo, daß er wo möglich aus dem Spiele kam. Aber der Krug geht ſo lange zum Brunnen, bis der Henkel bricht, ſo wucherte auch unſer Joſua ſo lange, bis 36 Betrugsfälle an das Tageslicht kamen und er in den Kerker wanderte. Hoffentlich iſt ihm für alle Zeiten ſeine ehrenwerthe Laufbahn verſchloſſen und die Menſchheit einen Blutſauger los, der gerade die Armuth ausnützte und auf das Elend ſeiner Mitmenſchen ſpekulirte. Lang⸗ jähriger ſchwerer Kerker iſt ſein Lohn. Es gibt wohl kaum einen Inquiſifen, welcher den Gerichtshof ſo be⸗ läſtigte, als Meller. Alle Tage hatte er Klagen vorzu⸗ bringen. Bald gab er vor, ſeine Mitgefangenen ſchlügen ihn, bald war es der Gefangenwärter, welcher ihm wehe that, ja ſogar der arme Vertheidiger mußte herhalten und Mellers Beſchwerde hören, daß er ſchlecht vertheidigt werde. Der ganze Menſch wäre eine herrliche Figur für einen Kriminalroman und vielleicht findet ſich ein Autor, welcher dieſes prachtvolle Exemplar getreu zeichnet und der Mitwelt als abſchreckendes Beiſpiel hinſtellt. Der Stoff iſt nicht undankbar, wenn auch nicht neu.

Wir ſind unſeren Leſern noch einige Worte über den einbeinigen ſpaniſchen Tänzer Donato ſchuldig. Dieſer tanzte zehnmal im Neuſtädter Theater und errang ſehr viel Beifall, beſonders die Damen waren es, welche von Mitleid für den hübſchen jungen Mann erfüllt, ſeine Leiſtungen höher ſtellten, als ſie eigentlich zu ſtellen ſind. Doch auch ohne Voreingenommenheit betrachtet, mußte ſeine Art und Weiſe zu tanzen, Intereſſe erregen. Aus ſeinen Bewegungen ſprach ſpaniſche Gluth, und er tanzte mit einer Grazie, die ſich wohl betrachten, nicht beſchreiben läßt, da man es nur den eigenen Augen glaubt, daß ein einbeiniger Krüppel graziös tanzen kann. Dazu kommt noch eine Ausdauer, welche es ihm möglich macht, ſich faſt zehn Minuten lang wie ein Kreiſel zu drehen, wobei ſein Mantel die verſchiedenſten Formen annimmt, ſo daß er ihn bald als Tulpe, bald als Schneckenhaus umgibt. Die Reklame bemächtigte ſich dieſes Mantels und ſprach, es ſei derſelbe, welchen er getragen, als er beim Stier⸗ gefecht ſeinen Fuß verlor, wir für unſern Theil müſſen erklären, daß uns das ziemlich gleichgiltig iſt, und daß uns der Tänzer um ſeiner ſebſt, nicht um ſeines Vorlebens willen intereſſirte.

Im deutſchen Landestheater gaſtirte inzwiſchen Frl. Franciska Rottmeyer vom Breslauer Theater für das Fach der muntern Liebhaberinnen. Das Fräulein bringt außer einer hübſchen Erſcheinung auch noch Jugend und Friſche mit ſich und beſitzt eine ungewöhnliche Routine, die nur dem erklärlich iſt, welcher weiß, daß ſie von ihrer zarteſten Jugend an dem Theater angehört und in Kinderrollen ſogar Berühmtheit erlangt hatte. Sie ſpielte zuerſt das Evchen im verwunſchenen Prinzen, dann die Picarde in dem SchwankDer Kurmärker und die Picarde und zu⸗ letzt die Franciska in Leſſings Minna von Barnhelm. Sie gefiel dem Publikum und der Kritik und ſomit dürfte ſie engagirt und wieder eine Lücke unſeres Perſonales ausgefüllt werden. Ehe wir für diesmal ſchließen, können wir nicht unerwähnt laſſen, daß die Direktion bei heran⸗ nahender Herbſtſaiſon alle Anſtrengungen macht, um ſowohl das Perſonale zu kompletiren, als auch das Re⸗ pertoir ſo reichhaltig als möglich zu machen. So wird außer Frl. Rottmeyer auch noch Frl. Porth für Heroinen ga⸗ ſtiren und es ſoll auch ein zweiter Liebhaber engagirt werden, da Herr Siege, ſo verwendbar er auch iſt, doch in den Rahmen des Schau⸗ und Luſtſpiels weniger paßt, als in den der Poſſe. Alle beſſeren Novitäten ſoöllen im Winter vorgeführt werden, als da ſind: Montjoye, Pietra, Königin Bell, Doktor Ehrſam u. ſ. w. ir zweifeln nicht, daß unſer Publikum dieſe Anſtrengungen anerkennen

und das Theater fleißig beſuchen wird, war doch ſchon

Minna von Barnhelm ſo zahlreich beſucht, wie es ſeit der erſten Vorſtellung der gegenwärtigen Direktion nicht mehr geſchehen iſt.

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