Jahrgang 
1864
Seite
157
Einzelbild herunterladen

den nen ach eſt. eg den nen erg, nit. wie ent. ber hen den ehr hre un den ſich eiſe⸗ anze zeile ffee hten am und den eue

mit net. etter nges und den die 64 nken Dort auf bis hier⸗ um veſen Ge⸗ eine ang eiger, zer⸗ und chen. und apro⸗ eiſig alten tadt⸗ füber amm Suhr, ettet⸗ rgul⸗ zzeln⸗ ſchen⸗ igſten dos ſtand

Zelt an Zelt, Fahne an Fahne, flogen die Knappen mit Krügeln und Humpen, eilten die Herolde mit Salami und Strachino, und die Ritter zechten voll edlen Schwungs und mit unerſchütterlichem Muthe; edle Roſſe zogen noch ſpät in der Nacht beim ſilbernen Mondſchein die ſchwer⸗ beladenen Wagen voll neugefüllter Bierfäſſer in das Heerlager der tapferen Zecher. Mit einbrechender Dun⸗ kelheit wurden auf der Cirkus⸗ und Vermälungswieſe gleichzeitig Feuerwerke ab gebrannt. Hier koncentrirte ſich eigentlich der größte Theil der Praterbeſucher und dicht⸗ gedrängt ſtanden ſie hier Kopf an Kopf, jede aufgeflo⸗ gene Rakete mit einem freudigen Oh! die brillante Ent⸗ wickelung mit ſtürmiſchen Brabos und Händetlatſchen be⸗ gleitend. Es war jetzt vollſtändige Dunkelheit eingetre⸗ ten, und der große Menſchenknäuel verſuchte es, ſich nach und nach ein wenig auseinander zu wickeln. Bengaliſche Feuer flammten jetzt an allen Punkten auf und ſetzten Alles in's hellſte Tageslicht.

Der Männergeſangverein fand mit ſeinen Vorträgen großen Beifall. Es hatte ſich dort ein größtentheils ge⸗ wähltes Publikum eingefunden, welches die meiſten Num⸗ mern zur Wiederholung verlangte. Der Beifall nach dem deutſchen Lied wollte kein Ende nehmen, und als die Sänger die Tribüne verließen, wurden die Hüte geſchwenkt und unzählige Vivats und Bravos erfüllten die Lüfte. Die vereinigten Geſangvereine hatten ein recht volks⸗ thümliches Programm ausgegeben und fanden vor einer zahlloſen Zuhörermenge ungetheilten Beifall. Der eigent⸗ liche WienerG'ſpaß fand ſeine Rechnung ausſchließlich, bei den mit Preiſen ausgeſtatteten Kletterbäumen, um welche herum ſich eine zahlloſe Menſchenmenge inge⸗ müthlichen Gruppen gelagert hatte. War das ein be⸗ geiſtertes Zurufen und ſtürmiſches Beifallsgeklatſche, wenn ſo ein Junge oder irgend ein ſtämmiger Burſche da oben glücklich angelangt war und den glückverheißenden Tan⸗ nenzweig abriß. Die Fröhlichkeit und dieallgemeine Heiterkeit waren aber ungleich größer, wenn irgend ein verunglückter Akrobat mitten auf dem ſchlüpfrigen Weger innehielt, noch einen wehmüthigen Blick nach der bunten⸗ Schleife an der Spitze warf und dann eiligſt herunter⸗ rutſchte. Es gab überhaupt keine Schauſtellung die nicht ein dankbares, zahlreiches Publikum gefunden hätte. Volks⸗ ſänger und Akrobaten, Panoramas und kleineTheater waren immer von einer dichten Menſchenmenge umgeben, die Beifall klatſchten, ſelbſt wenn ſie zu weit entfernt waren, um etwas hören oder ſehen zu können. Den Abſchluß der Hauptallee bildete ein großes Transparent, das den Kaiſer unter dem Thronhimmel, in der Hand die Verfaſſung vom 26. Februar haltend, inmitten ſeiner Külter,darſell. mit der Aufſchrift:In der Einigkeit die Kraft.

Viel zur Erheiterung trug das Hundewettrennen bei, welches unterhalb des dritten Kaffeehauſes in einem ge⸗ ſchloſſenen Raum der Hauptallee ſtattfand. Die von den Hunden zu durchlaufende Strecke war 250 Schritt lang. und mit Hinderniſſen verſehen, an denen prachtvolle Würſte aufgehängt waren. Vor Beginn des Wettlaufes wurden die verſchiedenen Möpſe und Pintſche von ihren Eigen⸗ thümern an das entgegengeſetzte Ende der Rennbahn ge⸗ fuhrt und gehalten; es waren zwölf ſchöne und gut dreſ⸗ iirte Hunde aller Ragen am Start erſchienen. Auf ein gegebenes Zeichen gingen ſie im Hundetrab vom Pfoſten. ſetzten tröt Würſte und Braten über die Hinderniſſe, und kamen faſt gleichzeitig an's Ziel. Den erſten Preis, zwei Vereinsthaler, gewann der PudelCaro, dem Schnei⸗ dermeiſter Kozel gehörig. Nur ein gut genährter Mops kümmerte ſich nicht um die zu gewinnenden Preiſe, ſondern ließ ſich zum Ergötzen der Zuſchauer und ſeinem Herrn zum Aerger ein paar Würſte weidlich ſchmecken. Die zweite Vorſtellung, welche um 5 Uhr ſtattfinden ſollte, gab leider Veranlaſſung zu einem Exceſſe, bei dem es beinahe zu Thätlichkeiten gekommen wäre. Es war lange fünf Uhr vorüber und die Vorſtellung nahm noch immer nicht ihren Anfang. Das Publikum drängte in die Bahn und von

Feuilleton. 15⁵

da zur Kaſſe, wo es den Rückerſatz des Eintrittsgeldes verlangte. Nur mit vieler Mühe und beſonders der freund⸗ lichen Anſprache mehrer Beſonnenen gelang es, die auf⸗ geregten Gemüther zu beſchwichtigen. Um halb neun Uhr, nach vollkommen eingetretener Dunkelheit, fand in einem Pavillon in der Feuerwerksau die Ziehung der Volksfeſt⸗ Lotterie ſtatt.

Um 6 ½ Uhr ſandte der Bürgermeiſter⸗Stellvertreter Dr. Felder an den Kaiſer nach Reichenau folgendes Te⸗ legramm:Mit jubelerfüllten Herzen bringen die bei dem Volksfeſte verſammelten Bewohner Wiens Eurer Majeſtät zu Allerhöchſtderen Geburtsfeſte ein begeiſtertes Hoch. Geruhen Eure Majeſtät allergnädigſt zu geſtatten, daß ich den Gefühlen der Bewohner Ihrer treugehorſamſten Haupt⸗ und Reſidenzſtadt Worte verleihe, und in ihrem Namen den Wunſch ehrfurchtsvoll ausſpreche, daß Gott ſeinen vollen Schutz und Segen Eurer Majeſtät, ſowie Glück und Freude Allerhöchſtdero Gemalin, unſerer allergütigſten Kaiſerin und den durchlauchtigſten Kindern Curer Maje⸗ ſtät verleihen möge. Um 7 Uhr ſchickte das Feſtko⸗ mité folgendes Telegramm an den Staatsminiſter von Schmerling nach Iſchl.Das Verfaſſungsfeſt, vom ſchön⸗ ſten Wetter begünſtigt dentwickelt ſich vortrefflich. Unge⸗ heure Volksmenge, Stimmung ſehr fröhlich, allgemeiner Inbelruf:Es lebe der Kaiſer! Hoch die Verfaſſung! Weiters ſandte das Volksfeſt⸗Komité folgendes Telegramm an den Bürgermeiſter Dr. Zelinka nach Vöslau:Das Volksfeſt entwickelt ſich herrlich. Allgemeine Heiterkeit und Jubelruf:Es lebe der Kaiſer! Die Abweſenheit des Bür⸗ germeiſters wird bedauert. Der Statthalter Graf Chorinsky beehrte das Feſtkomité mit einem Beſuche, be⸗ wunderte die Haltung des Publikums, dankte dem Komité und insbeſondere dem Obmanne des Feſt⸗Komité's, Ge⸗ meinderath Frankl, dem er freundlich anerkennende Worte ſagte. In vorgerückter Abendſtunde lief folgendes Te⸗ legramm Sr. Majeſtät des Kaiſers an den Bürgermeiſter Dr. Zelinka ein:Ich danke den beim Volksfeſte verſam⸗ melten Bewohnern Wiens von ganzem Herzen für die mir zugeſendeten Glückwünſche. Reichenau, den 18. Au⸗ guſt, 8 Uhr 55 Minuten. Dieſes Telegramm wurde vom Obmann des Feſtkomités, Gemeinderath Frankl, an verſchiedenen Punkten unter unbegrenztem Jubel veröf⸗ fentlicht. Die Menge blieb bis ſpät in die Nacht beiſam⸗ men. Noch nach Mitternacht gab es luſtige Gruppen, die unter dem Blätterdache des Praters ausharrten, dem Bacchus und Gambrinus opfernd, ſingend und hände⸗ klatſchend.

Das Reichenberger Geſangsfeſt.

Am 14. Auguſt Morgens tönte, dem ſtrömenden Regen zum Trotz, der Weckruf der drei Muſikkapellen luſtig durch die Stadt und rief die Sänger zur Probe, bei der auch die Reihenfolge der Vereine zum Wettge⸗ ſange gelost werden ſollte. Wie bereits bekannt, iſt der ChorSängergruß von Fr. Neumann aus Prag zu der Chre auserſehen worden, von den Reichenberger Vereinen (Männergeſangsverein, Reſſouceverein undHarmonie) als Begrüßung der Gäſte vorgetragen zu werden. Neu⸗ mann war anweſend, auch Vogl aus Prag und LCſchirch, die ihre neuen Chöre perſönlich dirigiren wollten. Storch aus Wien, von dem ebenfalls eine Kompoſition geſungen⸗ wurde, war durch eine gleichzeitig in Linz ſtattfindende Verſammlung von Abgeordneten deutſcher Männerge⸗ ſangsvereine abgehalten. Unter den Gäſten war auch Müller v. d. Werra, der gemüthvolle Dichter, dem die Komponiſten deutſcher Männerchöre ſo manchen ſinnigen und kräftigen Text verdanken.

Zu den Proben und Produktionen verſammelten ſich die Sänger in der eigens erbauten Tonhalle. Sie erhebt ſich, weithin ſichtbar, auf einem Hügel über dem Schieß⸗ hauſe und iſt ein geſchmackvoller gothiſcher Bau mit

20*