150 Die alten hölzernen Wälle Englands und die neuen Panzerſchiffe.
Laird die„Nemeſis“ und den„Phlegethon“ für die Oſtindiſche Kompagnie. Dieſe Dampfer nahmen thäti⸗ gen Antheil an dem chineſiſchen Kriege von 1842. Sie führten eine Laſt von reſp. 660 und 570 Tonnen und beſtanden die Feuerprobe, die Erſchütterung von den ſchweren Geſchützen, die von ihren Decken donnerten, auszuhalten.
Auf Anlaß des Sir George Cockburn ſtellte die Admiralität in den Jahren 1834 und 1835 Verſuche an, um die Widerſtandskraft der eiſernen Platten gegen Schüſſe zu erproben, Schießſcheiben wurden zu Wool⸗ wich aufgeſtellt und Dreißigpfünder auf dreißig Bard Diſtanz gegen ſie abgefeuert. Das Reſultat war für die Eiſenplatten ſo ungünſtig, daß die Admiralität auf die Anwendung des Holzes zurückkam. Aehnliche Expe⸗ rimente wurden 1835 in Metz gemacht. Die Ergebniſſe brachten den General Du Bourg in ſeinem Werke:„Les Principes de l'Organisation de la Marine de guerre“ zu dem Schluß, daß„unter allen Dampfſchiffen die eiſernen die untauglichſten für den Krieg ſind“.
Was würde er jetzt ſagen, wenn er hörte, daß die eiſerne Bruſt des„Warrior“ einem Achtundſechzig⸗ pfünder bei einem Abſtande von 60 Yards widerſteht? — 1840 machte man Verſuche zu Woolwich, die Wir⸗ kungen der Kugeln auf eine eiſerne, mit Kautſchuck und Kork gefütterte Schießſcheibe zu prüfen. Die Stärke der Eiſenplatte betrug ⅞, die der Unterlage 8 Zoll. Der Schuß, ein Zweiunddreißigpfünder, durchdrang das Eiſen und blieb in der Unterfütterung ſtecken. 1850 wurden verſchiedene Verſuche am Bord des„Excellent“ gegen eine Schießſcheibe gemacht, die, die Seiten des „Simoon“ darſtellend,%⅞ Zoll dick war; ſie wurde ſtets von den Kugeln durchbohrt. Dasſelbe Schickſal hatten die Dampfer, und gar durch Traubenſegel, in einem Treffen auf dem Parana 1846. General Paixhans in ſeinem Werke:„Nouvelle force maritime“ meint zwar, die eiſernen Schiffe könnten ſchußfeſt gemacht werden; allein Sir Howard Douglas findet das lächer⸗ lich. Ein anderes Experiment fiel eben ſo unglücklich aus. Nach der Erfindung Napiers wurde ein mit feſt⸗ eingeſtampfter Baumwolle gefüllter eiſerner Cylinder aufgeſtellt und dagegen ein Vierundſechzigpfünder ab⸗ gefeuert. Der Schuß ging richtig durch, zum nicht ge⸗ ringen Erſtaunen des Erfinders, der mit Zuverſicht auf Erfolg gerechnet hatte. Die Baumwollkugeln, vom Ge⸗ neral Jackſon in New⸗Orleans angewandt, und der Widerſtand eines loſe aufgehängten Taſchentuches gegen eine Piſtolenkugel mochten ſeiner erhitzten Phantaſie vorgeſchwebt haben.
Während des ruſſiſchen Krieges ließ Napoleon III. eiſenbeſchlagene ſchwimmende Batterien bauen, die in dem Krimfeldzuge gute Dienſte leiſteten. Die zerſtören ⸗ den Wirkungen der Bomben und des geſchmolzenen Eiſens auf Holz erſchienen unberechenbar. Vor den Paixhans und Moorſoms bot ſich kein Schutz und ent⸗ ſetzlich war das Gemälde einer Exploſion dieſer Ma⸗ ſchinen unter der gedrängten Mannſchaft auf den Decken; die bravſten Leute konnten bei ihren Kanonen nicht
löſt und das Schiff glich einer ſchwimmenden Schlacht⸗ bank. Und als nun gar die Gewalt der Geſchoſſe durch die vom Kapitän Minié erfundenen gezogenen Rohre bis zur Alldurchdringlichkeit geſteigert wurde, da ſchien die Vertheidigungskunſt völlig überwunden; denn das Miniégewehr brachte Feldgeſchütze zum Schweigen. Whitworth erfand ein gezogenes Rohr, das an Wirk⸗ ſamkeit und Genauigkeit das Miniéſche noch übertraf, und William Armſtrong konſtruirte eine gezogene Ka⸗ none, die durch jeden Gegenſtand drang. Sein glatt⸗ gebohrter Dreihundertpfünder mit einem hundertund⸗ fünfzigpfündigen Bolzen und einer Ladung von fünf⸗ zig Pfund Schießpulver durchdrang eine Scheibe mit fünftehalbzölligen Eiſenplatten und einer feſten Rücken⸗ bekleidung von achtzehn Zoll. Whitworths gezogener Hundertundzwanzigpfünder mit abgeglätteter cylindri⸗ ſcher Kugel und einer Ladung von 27 Pfund Pulver durchbohrte eine fünftehalbzöllige Scheibe in einer Di⸗ ſtanz von 800 Yards.
Es war nun erwieſen, daß hölzerne Schiffe einer ſolchen Artillerie nicht Stand halten können, und hohe Zeit, ſich nach anderen Vertheidigungsmitteln umzuſe⸗ hen. Auf Antrieb des franzöſiſchen Kaiſers entwarf und konſtruirte Dupuy de Lôme ein hölzernes Schiff „La Gloire“, beſchlagen mit fünftehalbzölligen Platten von gewalztem Eiſen, die 800 Tonnen wiegen; 77,90 Metres lang, 16,77 Ms. breit und 8,50 Ms. waſſer⸗ tief, bon 5600 Tonnengehalt, führt es 36 Fünfzig⸗ pfünder bei 900 Pferdekraft und 12 Knoten Schnellig⸗ keit. Von den anfänglichen guten Erfolgen dieſes Fahrzeuges und dem erlangten Uebergewichte der Fran⸗ zoſen beunruhigt, veranſtaltete die Admiralität unter der Verwaltung des Grafen Derby den Bau des„War⸗ rior“, der die„Gloire“ bei weitem übertrifft. Das Gerüſt, wie die innere Bekleidung iſt von Eiſen, die äußere Bekleidung von achtzehnzölligen feſten Bohlen; ein Panzer von fünftehalbzölligen Eiſenplatten deckt ein Drittel der Seitenlänge. Es hat eiſerne Quer⸗ wände vorn und hinten. Seine Länge beträgt 380 Fuß, die Weite 58 Fuß, Tonnengehalt 6109, Waſſer⸗ tiefe 26 Fuß 2 Zoll, Schnelligkeit 14,3 Knoten. Nach dem Bauplane ſollte es 50 Kanonen führen; es hat aber nur 13 Achtundſechzigpfünder Breitſeite. Dieſe Ausrüſtung iſt entſchieden ungenügend und Hundert⸗ zwanzigpfünder nach Whitworths Konſtruktion wären bei weitem angemeſſener.
In der Anſtalt hat ſich eine Sektion unter ihrem Vorſteher Samuda gegen die Bauart der„Gloire“ und des„Warrior“ erklärt. Sie finden es rathſam, die Extremitäten der Schiffe, wie es bei dem„Warrior“ der Fall iſt, unbeſchützt zu laſſen. Die vier Punkte, auf die unſer Augenmerk gerichtet ſein müſſe, ſind ihrer Meinung nach: vollkommene Deckung, höchſte Schnel⸗ ligkeit, leicht zu erſetzende Ausrüſtung; endlich muß die Rüſtung, wenn ſie die Stärke des Schiffes vermehren ſoll, der Struktur einverleibt werden. Dieſe Bedin⸗ gungen finden indeß ihre weſentlichen Beſchränkungen in den Erforderniſſen ihres Dienſtes. Denn, haben wir
Stand halten; alle Bande der Mannszucht waren ge⸗ vollſtändige Panzerung, ſo müſſen wir etwas an der


