Jahrgang 
1864
Seite
112
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genen werden gegen die Verſicherung in Freiheit geſetzt, daß die Kriegsgefangenen vor Beendigung des Krieges nicht mehr in der däniſchen Armee dienen werden. Die Freilaſſung der Gefangenen wird ſo bald als möglich in den Häfen von Swinemünde und Lübeck ſtattfinden.

9. Die däniſchen Soldaten, welche beurlaubt werden, um ſich während des Waffenſtillſtandes nach Jütland zu begeben, werden ohne irgend welche Hinderniſſe für den Fall der Wiederaufnahme der Feindſeligkeiten in die dä⸗ niſche Armee eintreten können, ſo bald ſie unter die Fah⸗ nen gerufen werden.

Geſchehen zu Wien, am 1. Auguſt 1864.

Gez.: Rechberg, Brenner, Quaade, Kauffmann, v. Bis⸗ mark, Werther.

Dieſe Präliminarien erregen, nachdem ihr voller Wort⸗ laut bekannt geworden in ganz Deutſchland lebhafte Be⸗ friedigung. Man iſt überraſcht von den bedeutenden Zu⸗ geſtändniſſen, welche die deutſchen Großmächte erwirkt haben. War auch gleich nach Abſchluß der Präliminarien bekannt geworden, daß in denſelben die Abtretung der Elb⸗Herzogthümer an die deutſchen Mächte ſtipulirt ſei, ſo theilte man doch vielfach die Meinung, daß dieſe Ent⸗ ſagung Dänemarks keine vorbehaltloſe ſein und wohl eine und die andere Bedingung im Gefolge haben dürfte, welche dieſe Konceſſion wieder abſchwächt. Dieſe Meinung erweiſt ſich nun, nachdem der Wortlaut der Präliminarien bekannt geworden, als grundlos; die Abtretung der Herzogthümer iſt eine vollſtändige, ohne Vorbehalt und ohne reſtringi⸗ rende Bedingung. Auch die weiteren Beſtimmungen der Präliminarien, ſowie des Wafeenſtillſtandes lauten für Deutſchland ſehr günſtig. Die einzige weſentliche Kon⸗ ceſſion, die man Dänemark gemacht, iſt die, daß die Kriegs⸗ koſten von den Herzogthümern aufzubringen ſind. Dafür fällt die weitere Verpflegung der alliirten Truppen in Jütland während des Waffeenſtillſtandes auf Unkoſten Dänemarks. Dieſe Beſtimmung bietet eine Garantie, daß man ſich in Kopenhagen hüten wird, den definitiven Friedensabſchluß über Gebühr hinauszuſchieben.

Als in der Mitte des vorigen Monats Oeſterreich und Preußeu auf eine vierzehntägige Waffenruhe eingin⸗ gen, wurde ſofort darauf hingewieſen, daß dies nicht ge⸗ ſchehen wäre, wenn die deutſchen Großmächte nicht die Gewißheit erlangt hätten, daß die von ihnen aufzuſtel⸗ lende Friedensgrundlage von Seiten Dänemarks ange⸗ nommen werden würde. Daß dem in der That ſo war, zeigt eine Reihe diplomatiſcher Aktenſtücke, welche jetzt von der officiellenBerlingske Tidende veröffentlicht werden. Mit Intereſſe erſieht man daraus, daß es na⸗ mentlich Graf Rechberg war, welcher von vornherein als unerläßliche Bedingung jeder weiteren Friedensverhand⸗ lung die vollſtändige Verzichtleiſtung Dänemarks auf Schleswig, Holſtein und Lauenburg aufſtellte. Hr. Bluhme, der däniſche Konſeilpräſident, wandte ſich ſofort nach ſeinem Amtsantritt, am 12. Juli, an die Kabinette von Berlin und Wien, um die Einſtellung der Feindſeligkeiten und die Einleitung von Friedensunterhandlungen anzu⸗ ſuchen. Unterm 15. erklärte Hr. Bismark in bündiger Weiſe, daß er von ſeinem Könige ermächtigt ſei, zu er⸗ klären, daß die preußiſche Regierung mit Bereitwillig⸗ keit die Mittheilungen entgegennehmen werde, welche die däniſche Regierung ihr zum Behufe der Beilegung der gegenwärtigen Differenzen zu machen die Abſicht hat. ÜUm die Eröffnung dieſer Unterhandlungen zu erleichtern, habe der König ſogleich die Einſtellung der Feindſelig⸗ keiten bis zum 31. befohlen. Eine weitere Klauſel oder Bedingung enthielt das Bismarck'ſche Antwortſchreiben nicht. Graf Rechberg dagegen, der ſeine Antwort um einen Tag ſpäter abgehen ließ, knüpfte die Bereitwillig⸗ keit der kaiſ. Regierung zum Abſchluß eines Waffenſtill⸗ ſtandes und zur Eröffnung direkter Verhandlungen an die ausdrückliche Bedingung, daß König Chriſtian IX. zu Gunſten der alliirten Mächte auf alle Rechte, die er auf die ſüdlich von der Königsau gelegenen Länder beſeſſender geltend gemacht hat, verzichten und daß Dänemark die

112 Amely Bölte: Der Liebeskaſten.

definitiven Dispoſitionen anerkennen werde, welche die beiden alliirten Mächte in Betreff der drei Herzogthümer Schleswig, Holſtein und Lauenburg, ſo wie in Betreff der jütiſchen Enklaven in Schleswig treffen werden. Dänemark fügte ſich in dieſe Bedingung, und als Herr von Quaade die Reiſe nach Wien antrat, war die voll⸗ ſtändige Ablöſung der Herzogthümer von der däniſchen Krone ſo gut wie eine abgemachte Sache.

Das Schwierigſte iſt erreicht der gedemüthigte Gegner hat auf die ſchönſten Prodinzen ſeines Reiches Verzicht geleiſtet. Aber es bleibt darum nicht minder Schwieriges noch übrig. Es handelt ſich nunmehr um das fernere, definitive Schickſal der Herzogthümer. Die verſchieden⸗ artigſten Intereſſen und Wünſche liegen da mit einander im Widerſtreite. Das Erbrecht des Auguſtenburger's, die Anſprüche des Oldenburger's, die Annexionstendenzen Preußens laufen einander ſchnurſtrackIs entgegen, und wie die Sachen liegen, dürfte es noch geraume Zeit währen, bevor es zu einem Definitivum kommt. In Preußens Intereſſe liegt es, die ſchließliche Entſcheidung uͤber die Geſtaltung der Dinge in Schleswig⸗ZHolſtein ſo⸗ weit als möglich hinauszuſchieben, bis der Boden für ſeine Zwecke hinlänglich geebnet iſt.

Der Liebeskaſten.

Novelle van Amely Zölte.

G onnig beleuchtet lag das Florenz des Elhthales im Sommerkleide da. Die Hügel lachten im Schmucke des Weinſtocks, der unter der dichten Blätterhülle die grünen und blauen Trauben

2 barg, welche der Reife entgegenſchwellken; die Häuschen der Weinbauer reihten ſich in buntem Wechſel dazwiſchen hin, die Thüren hatte man gaſtlich geöffnet; denn es war Sonntag, und der Städter machte ſich auf, ſeinem Freunde auf dem Lande einen Beſuch abzuſtatten. Auf Wegen und Stegen wim⸗ melte es von einer vergnügungsluſtigen Menge. Die Eiſenbahn, in endlos langem Zuge, ſpie auf allen Stationen das fröhliche Völkchen der Bummler aus, die den Tag mit angenehmem Nichtsthun hinzubringen gedachten. Das Dampfſchiff ließ ſein fröhliches Glöck⸗ lein ertönen, und lichtete ſein Verdeck zu verſchiedenen Malen, bevor es ſein Hauptziel erreichte, und immer noch eine beträchtliche Perſonenzahl an das Land zu ſetzen hatte. Kein Ort in der Welt zeigt an einem Sonntage ein ähnliches Bild, nirgends hat die Speku⸗ lation es einträglich gefunden, eine ſolche Anzahl von öffentlichen Vergnügungsorten zu errichten, nirgends iſt das Zeittödten zu einer ſo herrſchenden Tageslaune ge⸗ worden! Wohlſtand, häuslicher Friede und ſtilles Glück kennt man nicht mehr, wo der eigene Herd kein Anziehungspunkt iſt, wo das ganze ſociale Leben einem großen Phalanſterion gleicht.

Die böhmiſchen Bäder hatten ihre Saiſon beendet, ſtill und einſam wurde es an den Quellen, während die Gäſte zur Nachkur, hier und dorthin flogen, und meiſtens noch eine Hauptſtadt beſuchten, um eine flüch⸗ tige Anregung durch Kunſt und Wiſſenſchaft mit heim⸗ zunehmen. Dresden bietet dann immer einen Haupt⸗ anziehungspunkt. Wie ſchön auch Prag gelegen ſei, doch hat es keine Gemäldegalerie mit einer Madonna