Jahrgang 
1864
Seite
103
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d in ſche. zsußte ohne an⸗ inige

b wie nein⸗ Be⸗ zung, annt⸗

glich

Ein Geheimniß. 103

ſeinen breitrandigen Hut aufſetzte und mich mit über⸗ raſchender Schnellfüßigkeit in den hinter dem Hauſe befindlichen Garten begleitete.

Ich war vorige Nacht betrunken, hob ich nun an.

So, erwiederte er, ohne eine Miene zu verziehen.

Und in meinem bewußtloſen Zuſtande, fuhr ich fort,iſt mir meine Brieftaſche geſtohlen worden.

So, wiederholte er mit dem nämlichen Gleich⸗ muth.

Und ich behaupte ſogar, daß Sie es ſind, der mir dieſelbe entwendet hat.

So. Nun ja, Ihre Vermuthung iſt ganz richtig, entgegnete er mit der erſtaunlichſten Ruhe.Ja, ich habe Ihnen Ihre Brieftaſche weggenommen, hier iſt ſie.

Mit dieſen Worten ſchlug er auf die linke Seite der Bruſt, und ich konnte durch das Tuch ſeines zuge⸗ knöpften Rockes das Quadrat meines Portefeuilles mit dem ſtarken Schloſſe in der Mitte deutlich erkennen. Ich ſprang ſofort auf ihn zu, in der Abſicht, es ihm durch Gewalt zu entreißen, allein er wich mir geſchickt aus und nahm raſch ein kleines ſilbernes Pfeifchen her⸗ vor, mit dem er einen gellenden Pfiff ertönen ließ. Im nächſten Augenblicke wurde mir unverſehens ein Mantel über den Kopf geworfen; zu gleicher Zeit fühlte ich, daß man mir die Hände band, und noch ehe ich eine Bewegung zur Gegenwehr hatte machen können, wurde ich emporgehoben und in der dichteſten Finſterniß raſch fortgetragen. Bald darauf fühlte ich, daß meine Träger ſtehen blieben, mich auf einen Sitz hoben, eine Thür zuſchlugen und im nächſten Augenblicke erkannte ich an dem Rollen von Rädern, daß ich mich in einem Wagen befand.

Die Fahrt muß mehrere Stunden gedauert haben. Von Zeit zu Zeit hielten wir an, wahrſcheinlich um die Pferde zu wechſeln. Beim Beginn meiner un⸗ freiwilligen Reiſe machte ich verzweifelte Anſtrengungen, um mich meiner Feſſeln zu entledigen und um Hilfe zu rufen; allein ich war ſo gut geknebelt und gebunden, daß ich zuletzt ganz erſchöpft, jeden weiteren derartigen

Verſuch aufgab. Endlich hielt der Wagen wieder, ich

wurde herausgehoben und abermals etwa zehn Mi⸗ nuten lang fortgetragen. Dann ſchloß ich aus dem Umſtande, daß mir das Athmen ſchwerer wurde, daß wir in ein Haus getreten waren und ich durch einen unterirdiſchen Gang getragen wurde. Wir ſtiegen mehrere Treppen hinauf und hinunter, ich hörte Thüren öffnen und wieder verſchließen und endlich wurde ich unſanft auf einen harten Erdboden niedergeworfen. Man befreite mich von meinen Handfeſſeln und meinem Knebel, eine ſchwere Thür wurde verſchloſſen und ich konnte mich nun wieder frei bewegen und ſprechen. Meine erſte Sorge war jetzt den Mantel abzu⸗ legen, der mir in dem Garten des Hamburger Bier⸗ hauſes übergeworfen worden. Die Dunkelheit, die mich umgab, war ſo dicht, daß ich anfangs glaubte, man habe mich durch ein hölliſches Mittel des Augenlichtes beraubt. Nachdem ich mich jedoch überall umgeſehen hatte, entdeckte ich endlich hoch über mir eine kleine

runde Oeffnung, durch welche ein ſchmaler Lichtſtreifen hereinfiel. Jetzt erkannte ich, daß ich nicht geblendet war, ſondern mich in einem unterirdiſchen Kerker befand. Der Boden, auf dem ich lag, war hart und kalt, er beſtand aus Quaderſteinen. Ich kroch taſtend umher, um den Umfang meines Kerkers zu unterſuchen; meine Hände ſtießen nur auf das feuchte Pflaſter und auf nackte Wände. Stunden lang ſuchte ich nach der Thür, ohne ſie zu finden; ich rief um Hilfe, aber es kam Niemand.

Ich muß zwei Tage und zwei Nächte in dieſem ſchauerlichen Verließe zugebracht haben, wie ich nach dem Hunger und Durſt urtheilte, die mich endlich zu quälen begannen. Jetzt bemächtigte ſich meiner der gräßliche Gedanke, daß ich hier eingeſperrt ſei, um zu verhungern. Um die Mitte des dritten Tages jedoch vernahm ich endlich das Geklirr von Schlüſſeln, die Thür wurde geöffnet, ein breiter Lichtſtrom fiel herein und eine wohlbekannte Stimme rief mir zu:Kommen Sie heraus!

Das Tageslicht blendete mich dermaßen, daß ich anfangs nichts zu unterſcheiden vermochte. Ich kroch in⸗ deſſen nach der Thür, ſtand dann auf und trat in einen kleinen Hof, wo ich meinen Feind, den kleinen Grau⸗ rock fand.

Den grauen Rock trug er jedoch nicht mehr, ſondern eine mit Goldſchnüren reich beſetzte rothe Jacke, die ihn, mit ihren abſtehenden kleinen Schößen, ſo drollig kleidete, daß er mir unter andern Umſtänden höchſt lächerlich vorgekommen ſein würde. Er nahm ſo wenig Notiz von mir, als ob er mich in ſeinem Leben nicht geſehen hätte, und nachdem er zwei Lakaien in rother Livrée befohlen hatte, mich zu führen, watſchelte er vor uns her.

Wir gingen durch ein halbes Dutzend Thüren und mindeſtens eben ſo viele Höfe. Die Gebäude, von denen letztere umſchloſſen waren, hatten alle ein hübſches, freundliches Ausſehen, und in einem derſelben erblickte ich durch die offenen Fenſter mehrere Männer in weißen Jacken und weißen Mützen. Das entfernte Geräuſch von kupfernen Geſchirren und ein köſtlicher Geruch deutete mir an, daß wir uns in der Nähe einer Küche befanden. Wir blieben jetzt einen Augenblick ſtehen, ab in Folge eines in voraus erhaltenen Befehls, oder nur aus raffinirter Bosheit von Seiten meines Führers, kann ich nicht ſagen. Er ſah mich über chulter mit einem ſolchen Ausdrucke hämiſchen Spottes an, daß ich vor Hunger und Wuth eine heftige, aber erfolgloſe Anſtrengung machte, mich den Armen meiner Begleiter zu entwinden. Endlich ſtiegen wir eine ſchmale, aber elegante Treppe hinauf, und nachdem wir durch einen prachtvollen Gemäldeſaal gegangen waren, traten wir in ein luxuriös ausgeſtattetes kleineres Zimmer.

In dem eleganten Kamin flackerte ein munteres Holzfeuer und vor demſelben ſtand ein langer, ältlicher Herr, deſſen ſpärliche graue Haare ſorgfältig über ſeinen kahlen Scheitel gekämmt waren. Er war ſchwarz ge⸗ kleidet, trug ein geſtärktes weißes Halstuch und im Knopf⸗ loche ein zweifarbiges Ordensband. Wenige Schritte