Jahrgang 
1864
Seite
93
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Feuilleton. 93

er die Zumuthung fernerer Opfer mit Verachtung von ſich wies. Die Folge war ein Proceß für ſchuldigen Ge⸗ halt, welcher nun ſchon mehrere Jahre vor den Gerichten anhängig iſt und für's Erſte wird derſelbe wohl nicht ent⸗ ſchieden werden, wenn überhaupt Kläger, Beklagte und Richter nicht ſchon Opfer des Krieges geworden ſind.

Ein Naukee⸗Stückchen.

Der amerikaniſche Bosco, Anderſon, der zu einer Zeit mit ſeinen Taſchenſpieler⸗Kunſtſtücken der Mann des Tages in den Ver. Staaten war, ſaß eines Morgens in dem Zimmer eines Hötels in Boſton, als es an die Thür pochte.Herein!

Ein anſtändig gekleideter Mann mit pfiffigem Jan⸗ kee⸗Geſicht trat ein.Ich frage, ſind Sie der Profeſſor Anderſon?

Bes, Sir!

Well, Sie ſind ein verteufelt pfiffiger Menſch, ich habe darauf gewettet, daß ein Jankee noch beſſere Tricks ausführen kann!

Ah wirklich, ſagt Anderſon, der anfing, ſich zu amüſiren,und worin wollen Sie mich denn überbieten?

Well, ich kann einen rothen Cent nehmen und ihn in ein Zehn⸗Dollar⸗Goldſtück verwandeln, mit Hokus Po⸗ kus, Sie wiſſen!

Oh, das iſt ein Hand⸗Knnſtſtück, ich kann das auch ausführen!

Nein, Sie können's nicht! Probiren Sie es einmal!

Well, ſtrecken Sie Ihre Hand mit einem Kupfer Cent darin aus!

Der JYankee hielt ſeine derbe Patſche mit einem

Copper darin her.

Das iſt Ihr Cent, ſehen Sie ihn an, iſt er's?

Nichts weiter, Sir!

Schließen Sie die Hand feſt. Preſto! Verwandle dich! Nun öffnen Sie Ihre Hand!

Der BYankee öffnete ſeine Fauſt und ein blitzendes Goldſtück lag darin.

Well, ſonderbar, Sie haben's wirklich gethan! Sehr verbunden, Sir! und Jonathan drehte ſich zum Fortgehen.

Halt, ſagte der Profeſſor,laſſen Sie meine zehn Dollars hier!

Ihre? War es denn nicht mein Cent was Sie in das gelbe Ding verwandelten? Good bye!

In der Thür aber ſagte er laut genug zum Hören: Das Kind muß wirklich noch ziemlich grün ſein!

Anderſon fand es am gerathenſten ihn laufen zu laſſen.

Wie man die Gicht bekommt. Herr A... vierzig Jahre alt, ſtarker Leibesbeſchaf⸗

fenheit, ſeit ſeiner Jugend Handlungsreiſender für geiſtige

Flüſſigkeiten, verſpürt einen erſten und heftigen Gichtan⸗ fall. Er ſucht den Dr. B., einen ſeiner alten Freunde, einen mindeſtens eben ſo gefühlvollen als geiſtreichen Mann, auf, ſetzt ihm ſeinen Fall auseinander, und be⸗ fragt ihn, was er zu thun habe.

Sehen wir, ſagt der Arzt zu ihm,wie Sie leben. Sie ſtehen nicht allzufrüh auf, da Sie ſich ſpät zu Bette legen; Sie nehmen bei einem Cafetier Ihrer Kundſchaft ein Glas Abſinth, oder Wermuth, oder Bitter, zuweilen von allen dreien, ehe Sie frühſtücken?

Ja, Herr Doktor.

Dann frühſtücken Sie, und frühſtücken gut, ſei's mit Ihren Kunden, ſei's mit Ihren Kollegen?

Ja, Herr Doktor; wie Sie wiſſen, nöthigt mich mein Beruf dazu.

Nach dem Fruͤhſtück kehren Sie bei anderen Kunden

zum Kaffee ein; Sie nehmen dort eine Halbtaſſe, mit dem kleinen Glas, und als beſondere Herzſtärkung noch überdies ein Gläschen Chartreuſe(oder wie wir vielleicht im Deutſchen ſagen würden, extrafeinen Kümmeh). Dann

ſchlägt man Ihnen eine Kartenſpiel⸗Partie vor, und Sie

trinken Bier bis 3 oder 4 Uhr Abends. Hierauf beſu⸗ chen Sie, um Geſchäfte zu machen, ein anderes Etabliſſe⸗ ment, wo Sie ein oder zwei Gläſer Abſinth nehmen, unter dem Vorwand, Ihre Eßluſt zu erregen?

Ja, Herr Doktor, man kann nicht anders.

Gut, gut. Sie ſpeiſen darüber zu Mittag, beſſer noch als Sie gefrühſtückt, Sie probiren den Vordeaugx, den Burgunder, die mouſſirenden, die Liqneure?

Das iſt wahr, Herr Doktor; was wollen Sie, in Geſellſchaft...

Gut! Und oft, nachdem Sie Kaffee eingenommen, bringen Sie, um nicht im Rückſtand zu bleiben, Ihren Abend mit Biertrinken bei einem oder mehreren Kunden zu, und legen ſich ſo ſpät als möglich zu Bette?

Ja, Herr Doktor.

Und dann haben Sie die Gicht?

Ja, Herr Doktor; was muß ich thun?

Nun, mein lieber Freund, die Fröſche haben ſie nie; man muß leben wie ſie.

Bonbons.

Ein Buchhändler, der ein Werk nachdruckte, ward von deſſen Verfaſſer deshalb ſehr ernſtlich zur Rede ge⸗ ſtellt und gefragt, wie er ſich unterſtehen könne, auf eine ſo ſchändliche Weiſe ihn um ſein Cigenthum zu bringen. Verzeihen Sie, ſagte er,dies iſt nicht der Fall. Ich finde, daß Ihren Schriften der Nachdruck fehlt, und ſuche dieſen Fehler zu verbeſſern.

Ein Komponiſt, der viele Noten kopiren ließ, bezeichnete dem Abſchreiber immer die Anfangsworte der Arie und die Stunde, wann er die Abſchrift haben müſſe. So ſchrieb er ihm eines Tages auf:Laß ſie fließen, die Thränen der Wonne bis morgen Abends ſieben Uhr.

Ein Schauſpieler gab den Hofmarſchall Kalb in Schiller's Kabale und Liebe nicht ohne Beifall. Deſſen⸗ ungeachtet machte ein Recenſent in ſeiner Beurtheilung die boshafte Bemerkung:Herr N. war als Kalb vollen⸗ det! Der Gekränkte rächte ſich ſehr edel, indem er ihm anderen Tages einen Friedrichsd'or mit der Bemer⸗ kung überſandte:Als Anerkennung für Ihre mehr väter⸗ liche als treffende Beurtheilung!

Ueber das Theater in Italien

Das Theater in Italien ſteht noch auf dem Fuße der Komödianten⸗Wirthſchaft. Feſte Bühnen gibt es faſt gar nicht und ſelbſt in den größten, renommirteſten Thea⸗ tern, wie San Carlo in Neapel, in der Scala zu Mai⸗ land ꝛc. wechſeln Geſellſchaften. In den Städten zweiten Ranges iſt natürlich dieſes Treiben noch viel untergeordneter.

Ein Impreſario kommt mit circa vier oder fünf Sängern und Sängerinnen, die kaum die Noten kennen, und etwa vier Opern dem Gehör nach auswendig ge⸗ lernt haben, übrigens öfters gute Stimmen mit feurigem Spiel verbinden, in einer Stadt an, das Publikum wird zuſammengetrommelt und nun beginnt der Cirkeltanz der vier Piècen. Der Chor wird zuſamengeſetzt aus Dienſt⸗ leuten aller Art, die etwas muſtatiſches Gehör und nicht gerade verabſcheuungswürdige Stimmen beſitzen, aus Ar⸗ beitern, Geſellen, Wäſcherinnen, Putzmacherinnen ꝛc. Daher erklärt ſich auch das häufige Uniſono in den Chor⸗Kom⸗ poſitionen Donizetti's und Verdis.