9² Feuilleton.
ſein freier Wille, ſich in das edele Stammregiſter einzu⸗ verleiben.
5) Keiner iſt beſſer als der andere.
6) Keiner hat einen Vorzug vor dem andern, als nur allein Ihro Magnificenz.
7) Keiner ſol Stichelreden, Händel oder Verdruß an⸗ fangen, bey Strafe 5 Maas Wein.
8) Keiner ſol ſich dem Ausſpruche der drey Aelteſten (worunter Ihro Magnificenz und der Herr Doktor) wider⸗ ſetzen, das iſt: Wann einer die Geſetze übertetten und die Strafe nicht willig geben wollte, ſo ihm die Geſellſchafft angemaſet, ſo ſollen es die 3 Aelteſten allein überlegen und wann er daun nicht pariren will, ſo ſol er in eine Strafe von 10 Maas Wein verfallen.
9) Ein Jedweder, ſo in das Stammhaus und edele Tiſchgeſellſchafft gehöret, ſol an ſeinem Finger einen Ring mit einem blauem Stein tragen, wann eine Henzelung oder Straf zum beſten gegeben wird, bey Straf ½ Maas Wein.
10) Sol ein Jedweder von der Wirthin ein klein Stückgen Band bekommen, und dieſes mus ein Jeder an ſeine Serviette anſtecken, damit er allezeit wieder ſeine nemliche bekommt; Vergiſſet er nun ſein Band nach Tiſche wieder anzuſtecken, ſo iſt er ½ Maas Wein Strafe ſchuldig.
11) Vor dieſes kleine Stückgen Band, wenn es dem Neuling gegeben wird, iſt er ſo gütig, und giebt ihr ein größeres davor.
12) Wann ſich einer unterfängt, des Wirths Speiſe und Trank zu verachten, ſo ſollen es die Uebrigen über⸗ legen: Iſt es nun, daß der Wirth von den mehreſten Stimmen vor unſchuldig erkannt, ſo muß der Unrecht habende eine Maas Wein Straf geben.
13) Muß puncto 12 Uhr die Suppe auf dem Tiſch ſtehen, bey Straf ½ Maas Wein. Wer alſo
14) nicht um dieſe Zeit zu Haus iſt, verfället eben⸗ falls in eine Straf ½ Maas Wein.
15) Ein neu Gehenzelter wird nicht, an Knecht und Magd zu gedencken, vergeſſen.
Es folgen nun die Namen„der Edelen hoch⸗ und Mannveſten Herren und Freunde, welche auf Verlangen in die Tiſchgeſellſchafft ſind auf⸗ und angenommen, obiger Geſetze ſich unterworfen, und gehenzelt worden.“ Deren waren bei Unterzeichnung der Statuten am J. Mai 1710 zweinndzwanzig Herren und drei Frauenzimmer.
Unter den Mitgliedern befinden ſich Meßfremde aus Elberfeld, Langenberg, Wichlinghauſen, Lennep, Eſſen, Mühlheim an der Ruhr, Mettmann, Schwelm Unna, Oberwinter, Werther bei Bielefeld, Osnabrück, Neuwied und Wismar.
Die Reſte der Geſellſchaft erhielten noch nach Auflö⸗ ſung derſelben in dem genaunten Hauſe Wohnung und Frühſtück, bis ſich endlich 1821 durch den Neubau des Hauſes das Verhältniß gänzlich löſte.
Amerikaniſches Spekulations⸗Fieber.
Vor einigen Jahren kam ein Maryländer auf die Idee, es müſſe ein enormes Vermögen zu erwerben ſein, wenn man eine Zucht ſchwarzer Katzen anlege, um deren Felle zu verwerthen. Der Gedanke war in der Theorie brillant zu nennen, und zwar aus folgendem Grunde: In Boſton gilt ein ſchwarzes Katzenfell 50 Cents, und obgleich jeder der erſten Producenten eines ſolchen Vlie⸗ ßes dem Spekulanten dieſelbe Summe koſten würde, ſo kalkulirte derſelbe, daß bei mehrfältiger jährlicher Ver⸗ mehrung ein Anlagekapital von 75 Dollars folgende Re⸗ ſultate liefern muſſe: erſtes Jahr 150 Katzen, zweites Jahr 1500 Katzen, drittes Jahr 15.000 Katzen, von denen dann 5000 Stück für 2500 Dollars auf den Markt ge⸗
bracht und einen Fond von 10.000 Producenten zurück⸗ laſſen würden.
Bei gleicher Vermehrung geben dieſe dann im vier⸗ ten Jahre 100.000 Katzen, welche als zinstragendes Ka⸗ pital unſerem Spekulanten eine jährliche Revenue von 500.000 Dollars einbringen ſollten, indem er alle Katzen über jene Zahl fangen und auf den Markt bringen ließe, nämlich 10 100.000= 1,000.000 à 50 c.= 500.000 Dollars.
Man ſieht daß der Gedanke, aus 75 Dollars im fünften Jahre ein Einkommen von über eine Million Gulden per Jahr zu erzielen, eines Rothſchild würdig war; allein leider fand derſelbe in der Ausführung ſeine Schwierigkeiten ſonſt würde unſer Marhländer gewiß zu den großen Männern ſeines Vaterlandes gezählt worden ſein und einen Ehrenplatz im Kapitol von Waſhington erworben haben.
Da unſerem Spekulanten die größte Schwierigkeit einer günſtigen Löſung des Problems darin zu liegen ſchien, daß die Wandereigenſchaften des Katzengeſchlechtes und deſſen Klettertalents eine Einhegung unmöglich mache, ſo kam er auf die luminöſe Idee, daß Waſſer dieſen Katzenqualitäten eine natürliche Barrière ſetzen würde, und da der Zufall es wolle, daß er der glückliche Be⸗ ſitzer einer Inſel in der Cheſapeak⸗Bay war, ſo hielt er den Erfolg für geſichert, und ſetzte ſich an's Werk, ſeinem Vaterlande dieſen neuen Induſtriezweig zu eröffnen.
Er engagirte einen Agenten und verbreitete Cirku⸗ lare, in welchen er einen gewiſſen Preis für jedes ſchwarze Katzenpaar ausſetzte, welches ihm geliefert würde. Wie ein Lauffeuer verbreitete ſich dieſes Anerbieten unter der ſchwarzen Bevölkerung an der Bay(d. h. der zweibei⸗ nigen), und in kürzeſter Zeit ſtahlen die Neger alle ſchwar⸗ zen Katzen, welche in den benachbarten Departements nur aufzutreiben waren. Es war eine Zeit tiefer Trauer unter alten Jungfern und Matronen, denen ihr Lieblings⸗ putz entwendet ward; manche Thräne folgte der Todtge⸗ glaubten, während die gewiſſenloſen und habgierigen Ne⸗ ger ſchonungslos aufräumten, um die verſprochene Prä⸗ mie zu verdienen.
Auf dieſe Weiſe wurden 150 Katzen geſammelt und nach der Inſel transportirt, wo der Agent— ein zweiter Robinſon Cruſoe— ſich als Katzenwächter unter ſeinen Zöglingen niederließ.
Anfangs ſchien es, als ob die Katzen ſich in ihrem neuen Quartiere auf's beſte amüſirten: da gab es Feld⸗ mäuſe zu fangen, Vögeln nachzujagen, gemeinſchaftliches Spiel mit obligatem Katzenkoncerte. Aber endlich ging das Wild aus, es fehlte an Futter, dies erzeugte Hunger und Verzweiflung; in Truppen zogen die ſchwarzen Be⸗ ſtien über die Inſel, nicht miauend wie vernünftige Katzen, ſondern graßlich heulend, wie ihre wilden Verwandten im Innern Afrika's. Dem Agenten ward bange ſo ge⸗ fährlichen Feinden gegenüber, er ſchrieb ſeinem Herrn und beſchwor ihn um Zuſendung von Katzenfutter. Die Antwort war:„man ſolle einige Neger anſtellen, um für die Katzen Auſtern zu öffnen, deren es am Ufer in Menge gäbe.“ Dieſem Befehle ward entſprochen, und die Katzen — in der Alternative zwiſchen dem Hungertode und einem ihnen unbekannten Gerichte— entſchieden ſich für letzteres. Der Magen einer Katze muß indeß anders konſtruirt ſein als der unſerer Gaſtronomen denn die ungewohnte Koſt erzeugte eine Art Cholera, in deren Folge die Hälfte der⸗ ſelben ſtarb, die übrigen wurden wahnſinnig und endeten ihr Leben mit Selbſtmord oder griffen zu dem verzwei⸗ felten Entſchluſſe, durch Schwimmen das Feſtland errei⸗ chen zu wollen.
Immerhin war das Reſultat dieſer ſo kühn erdach⸗ ten Spekulation, daß ſechs Monate nach dem erſten Ver⸗ ſuche keine Katze mehr auf der Inſel zu finden war.
Der Agent meldet hierauf jeiem Herrn, welche trau⸗ rige Wirkung die epikuräiſche Koſt auf ſeine Pflegeem⸗ pfohlenen gehabt habe, und fügte eine beſcheidene An⸗ frage hinzu, wie es mit ſeinem Gehalt ſtünde. Doch letzterer war ſo empört über den Agenten, über die Katzen, und vor Allem über ſeine getäuſchten Erwartungen, daß
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