Feuilleton.
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Was gemacht werden kann, wird gemacht, rief Krempel mit einem humoriſtiſchen Auflug.
Sie ſollen auch mein nächſtes Gaſtſpiel vermitteln. Leben und leben laſſen iſt mein Wahlſpruch. Sie wiſſen, daß ich kein Knicker bin, aber reißen Sie nur den Burſchen, daß ihm der Appetit vergeht, ein andermal in meinen Rollen aufzutreten. Ein kleiner Seitenhieb für die In⸗ tendanz kann dabei auch nicht ſchaden.
Soll beſorgt werden.
Mit biederem Händedruck entfernt ſich der„Große“.
Dokterchen Dokterchen! kein Luſtſpielchen, kein Röll⸗ chen für mich? frägt die Soubrette, die indeß in das Zimmer geſchlüpft.
Zwei dreiaktige und ein fünfaktiges.
Schon angenommen?
Eingerichtet und angenommen.
Sie haben doch der Intendanz erklärt, daß der Dichter die naive Liebhaberin für mich geſchrieben hat? Natürlich! es bleibt bei unſerm alten Abkommen.
Dokterchen! ich möchte Sie küſſen.
Das ſollen Sie auch thun.
Die Soubrette iſt gerade nicht ſpröde und Herr Krempel kann auch zärtlich ſein. Der Wahlſpruch des Agenten lautet: Otile dulci, d. h. zuerſt Geld und dann Vergnügen.—
Ein junger Dichter naht ſich jetzt mit klopfendem Herzen. Er hat Herrn Krempel das Manuſkript eines Trauerſpiels in fünf Akten anvertraut und erwartet ſeinen Beſcheid. Bei dem Eintritt des Poeten nimmt der Agent wieder die würdevolle Miene an, welche der Kuß der Soubrette verwiſcht hat.
Haben Sie mein Drama geleſen? fragte beſcheiden der junge Mann. Sie können mir Ihr Ülrtheil ruhig ſagen, ich werde ſelbſt Ihren Tadel mit Dank annehmen. Sie beſitzen, was mir fehlt: die Kenntniß des Theaters.
Mit einem Worte die Praxis, unterbricht Herr Krempel den Dichter. Das iſt aber die Hauptſache. Was nützt mir die Poeſie?— Nicht ſo viel. Wenn Sie meinem Rathe folgen wollen, ſo ſchreiben Sie das ganze Stück ſtatt in Jamben noch einmal in Proſa.
Aber der Vers iſt ja durch den Stoff bedingt.
Schadet nichts.— Kein Direktor nimmt jetzt ein Stück in Verſen und die Schauſpieler wollen's auch nicht lernen.
Schiller, Goethe, Shakeſpeare haben doch in Verſen geſchrieben, wendet der Poet ſchüchtern ein.
Das Glück dieſer Dichter iſt, daß ſie ſchon vor Zeiten gelebt haben und alt geworden ſind.
Haben Sie ſonſt über mein Stück keine Bemerkungen zu machen?
Ja! den Schluß müſſen Sie abändern, wenn ich es drucken und verſenden ſoll. Eduard darf ſich nicht tödten, eer muß durchaus Klotilde heiraten.
Aber das iſt ja unmöglich.
Das Publikum verträgt keine ſolche traurige Scenen mehr auf der Bühne. Jeder hat ſein Trauerſpiel zu Hauſe. Sie können ja die Sache leicht machen. In dem Augenblick, wo Eduard ſich erſchießen will, kommt Klotilde, fällt ihm in die Arme und verzeiht ihm.
Das iſt ja reiner Unſinn und widerſpricht den Charakteren
Darauf kommt es gar nicht an. Die Hauptſache bleibt immer, daß das Publikum befriedigt aus dem Theater geht und zum Schluß die Schauſpieler gerufen werden. Auch würde ich Ihnen den Rath geben, laſſen Sie am Ende des dritten Aktes den Helden einmal nieder⸗ fallen und ſich auf dem Boden wälzen.
Aber wozu?
Das macht Effekt, und dann ſpielt Herr Holder, unſer erſte Liebhaber, ſolche Rollen am Beſten, wo er niederfallen kann. Sie glauben gar nicht, mit welchem Anſtand er ſich niederwirft. Das Publikum iſt jedesmal außer ſich. Ueberhaupt würde ich Ihnen den Rath geben, die Aktſchlüſſe nochmals umzuarbeiten und auf dieſe Ihr
ganzes Talent zu verwenden. Nehmen Sie ſich die Birch zum Muſter. Die Frau verſteht's. Bei der könnt Ihr jungen Leute in die Schule gehen. Ja, ja! die Birch iſt wirklich eine große, eine praktiſche Frau.
Der Agent ſprach den Namen mit einer Miſchung von Hochachtung und Entzücken aus. Er ſchwelgte in der Erinnerung an die Geſchäfte, welche er mit der Mutter des deutſchen Drama's gemacht, die bereits mehr als 60 Kinder in's Leben gerufen und deren fernere Frucht⸗ barkeit ſich nicht berechnen läßt.— Nach einer Pauſe, die der faſt religiöſen Verehrung der Gefeierten gewidmet war, erklärte ſich Herr Krempel bereit, das Drama des jungen Dichters mit den von ihm vorgeſchlagenen Ver⸗ änderungen zu drucken und gegen eine Proviſion von zehn Procent an die Bühne zu verſenden.
Der arme Dichter, dem das Geld fehlt, das Stück auf eigene Koſten drucken zu laſſen, der ſogar ſo kühn iſt, auf einen kleinen Vorſchuß aus der Kaſſe des Agenten zu hoffen und der keine Verbindung mit dem Theater hat, entſchließt ſich, wenn auch widerſtrebend, zu den Veränderungen, welche der Agent ihm angegeben hat.
Ein originelles Statutenbuch.
Dieſes Buch führt den Titel: Weſtphäliſches Stamm⸗ und Einſchreib⸗Buch der hochanſehnlichen Tiſch⸗Geſellſchafft ſo in dem ehemalig Ignatius Knechtiſchen und nunmehro Martin Knechtiſchen Weſtphäliſchen Stamm⸗Hauſe zur Katzen⸗Poot genannt, in der Ziegel⸗Gaſſe, allhier in Franckfurt, während der Meßzeit logiren und ſpeiſen. und führt folgende Verſe als Motto: Wir, die zum Handlungsflor nach Franckfurts Meſſen reiſen, Und da vereint und froh im Knecht'ſchen Hauſe ſpeiſen: Wir haben unter uns den feſten Schluß gemacht, Nachdem wir insgeſammt es reiflich überdacht; Daß es von Alters her ſchon der Gebrauch geweſen. Und daß man es noch jetzt von manchem Ort kan leſen, Wie Jeder, der die Meß zum erſtenmal beſucht, Die Tiſch⸗Geſellſchafft hier zu henzeln ſei befugt: Beym beſten Glaſe Wein will man ſich vann ergözen, Und die Ankommende in Rang der Alten ſezen. Da nun Nachſteheude ſich ſchon zu uns gefügt, Und wir zum erſtenmal mit ihnen uns vergnügt; So wird wer künftig ſol in Franckfurts Meſſe kommen, Ohn eine Henzeley bei uns nicht angenommen. Wornach dann Jedermann ſich fein zu richten hat, Gegeben in Franckfurt an ſichrer Wahrheit ſtatt. War der gefaßte Schluß auf allgemein Belieben, Mit eigner Hand ganz gern und willig unterſchrieben.
Die„Geſeze und Artickel dieſer Geſellſchafft“ lauteten folgendermaßen:
1) Keiner komt in die Geſellſchafft des Knechtiſch⸗ Weſtphäliſchen Stammhauſes, er müſſe ſich dann henzeln laſſen.
2) Sollte etwan einer ſein, welcher dieſer hohen Ehren ſich nicht würdig machen wollte, oder dielleicht gar aus Unbedachtſamkeit ſich weigern, und die Edele Uralte Stiftung und Geſellſchafft dadurch verſchmähen, der ſol vor einen Knicker, Baſtarden, Stümpler und Froſchjäger gehalten werden, und keiner von der Tiſchgeſellſchafft ſol ihn würdigen, ſeine Geſundheit zu trincken.
3) Das Frauenzimmer iſt auch befugt, ſich henzeln zu laſſen..
4) Solte ein anderer, welcher kein Weſtphäliſcher Landsmann iſt, auch bey der Geſellſchafft ſich befinden, ſo ſol der zweite Artickel ihn nichts angehen, es ſeie dann
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