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Pariſer Humoresken. Nach dem Franzöſiſchen von Léon Grellepois. XVI. Die guten und die ſchlechten Dienſtboten.
Man kann ſich nicht vorſtellen, wie viel Unheil durch den Dienſtboten verhindert wird.
Eine Frau vergißt leicht die Pflicht, die Ehre, die Achtung vor dem Namen ihres Mannes, das Glück des Mannes, dem ſie feierlich geſchworen hat, eine ergebene und treue Gefährtin zu ſein, ſie vergißt leicht ihren Ruf, ihre Kinder, ihre Mutter, eine Frau vergißt Alles, und das in fünf Minuten. Sie ſteht mit dem Fuße am Rande des Verderbens, ein gieriger Wille bemächtigt ſich ihrer. Sie empfindet ſelbſt einen gewiſſen Stolz in dem Augenblicke, wo ſie, entſchloſſen, ſich in den Abgrund gleiten läßt. Jedoch hält ſie eine Sache zurück: ſie will nicht erröthen vor ihrer Kammerfrau.
Viele Frauen bieten der öffentlichen Meinung Trotz und fürchten die des Vorzimmers.
Nicht vor ihrer Kammerfrau zu zittern, iſt ſchon die
letzte Ohnmacht der Sittſamkeit einer Frau.
Was denket ihr von den guten Dienſtboten?
Ich, ich ziehe die ſchlechten vor.
Schreiet auf wie ihr wollet, daß dieſes ein Widerſinn iſt, mich wird es nicht wundern. Dies iſt das allgemeine Geſetz.
Unterſuchen wir zuerſt das Unheil, welches ein ſchlechter Dienſtbote thun kann.
Ein ſchlechter Dienſtbote beſtiehlt euch, gut; und dann?
Iſt das wirklich ein ſo großes Unglück!
Dies lehrt euch zwei ſehr nützliche Sachen: euer Geld zu zählen erſtlich, dann es einzuſperren.
Von dem Tage angefangen, an welchem euer Be⸗ diente euch einen oder zwei Louisd'or ſtibitzt hat, wird aus euch ein vorſichtiger Selbſtadminiſtrator.
Die Köchin macht Schwänzelpfennige, das iſt zweifels⸗ ohne ärgerlich, das lehrt aber euere Frau Gemalin eine gute Wirthſchafterin zu werden. Sie lernt alle Preiſe kennen, und die Sparſamkeit wird ihre Tugend.
Eure Dienſtboten ſind neugierig? Nun gut, ihr ſperret eure Sachen ein und laßt nicht eure Briefe herumliegen.
Die Briefe, welche herumliegen, ſind immer kom⸗ promittirend für den, der ſie geſchrieben hat oder für den, der ſie empfängt.
Eure Dienſtboten betrinken ſich gern? Das iſt ärger⸗ lich, ich gebe es zu, ohne viel Anſtrengungen machen zu müſſen; aber es iſt ja ſo einfach ihnen die Thüre zu weiſen.— Eure Dienſtboten ſind lügneriſch? Wer zwingt euch denn, mit ihnen zu plaudern?
Eure Dienſtboten ſind verliebt?
Nun, das iſt ſo ein bischen Naturgeſetz.
Was macht es denn euch, nach Allem? Der Kutſcher iſt verheiratet; die andern gehen gemeiniglich ihr Neſt unter ein anderes Dach machen, als das eurige.
Die Mägde, nun freilich! Aber man muß ja auch etwas für die Armee thun.
Die Armee, das iſt der Friede des Landes, das iſt die Ehre des Vaterlandes, das iſt die Aufrechthaltung
Erinnerungen. 88. Bd. 1864.
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Feuilleton. we⸗
der Ordnung, die⸗Sicherheit der Staatsbürger, und ihr würdet einige Dienſtmädchen bedauern, die ſie alljährlich verkonſumirt? Dies wäre ja mehr als Ungerechtigkeit, es wäre Undankbarkeit.
Das ſind alſo alle Unannehmlichkeiten, welche man mit den ſchlechten Dienſtböôten auszuſtehen hat.
Ich weiß wohl, daß es deren zuweilen gegeben hat, die ihre Herrſchaft ermordeten, aber das waren nur mit einer fixen Idee Behaftete oder unverſtandene Genies⸗
Alles in Allem gennommen, einige geſtohlene Louis, unterſchlagene Groſchen, geleſene Briefe, vertrödelte Kleider, ausgetrunkene Flaſchen, Riſſe in der Tunika der Moral, und das iſt Alles.
Aber die guten Dienſtboten! Gott behüte euch davor! Ihr wiſſet nicht, was das iſt.
Das iſt ganz einfach die Peſt im Hauſe.
Weun ich verheiratet wäre— ich bin es nicht und ich bedauere es— und meine Frau würde mir hinſicht⸗ lich ihres Kammermädchens ſagen:„Iſt Fanny auch ein ganz verläßliches Mädchen?“ ſo würde ich Fräulein Fanny auf der Stelle expediren.
Ich würde in den Dienſt meiner Frau nur eine hübſche, eigennützige, verſchwenderiſche, eiferſüchtige, träge Kokette aufnehmen, weil ich gewiß wäre, daß ſie ihre Herrin um ein blaues Band, das vierzig Groſchen koſtet, verrathen würde.
Ich weiß wohl, daß das abſcheulich ſcheinen wird, aber ich glaube, daß es ſehr wenige Ehemänner auf Erden gibt, die in gewiſſen Augenblicken nicht ſehr froh geweſen wären eine Zofe bei der Hand zu haben, welche ihnen die Geheimniſſe ihrer Frauen um das beſagte Band überliefern würde.
Ich glaube nicht zu weit zu gehen, wenn ich behaupte, daß dieſe Art gut eingerichteten Handelsverkehrs großen Unannehmlichkeiten vorbeugen würde.
Was nun aber das Unglück des Einen iſt, macht das Glück des Andern; das iſt fatal.
In der feinen Welt herrſcht die Meinung, daß ein Mann, welcher die Dienerſchaft ausfragt, nicht comme il faut, ſondern ein verachtungswürdiges Weſen ſei. Gewiß iſt es aber, daß nur die leichtſinnigen Frauen dieſes Ge⸗ rücht ausſtreuen.
Es gibt keine einzige, ihren Mann liebende Frau, die ſich ein Gewiſſen daraus machen würde, zu ihrem Kammermädchen zu ſagen:
„Fanny, fragen Sie doch den Kutſcher, wo er geſtern Abend, um halb zwölf, hingefahren hat.“
Warum wäre denn ſomit ein Mann verachtungswerth, wenn er zum Kammermädchen ſagte:
„Du Kleine, mache mir doch das Vergnügen mir zu ſagen— Du wirſt nicht ſchlecht dabei wegkommen— welches die Leute ſind, die Deine Herrin in meiner Ab⸗ weſenheit empfängt.“
Es gibt Männer, die es vorziehen betrogen zu wer⸗ den und comme il faut zu bleiben; andere haben es lieber nicht comme il faut zu ſein und nicht betrogen zu werden! Dies iſt eine Sache des Geſchmacks.
Das iſt der gute Kammerdiener, welcher ſeiner Herrin, die ihn fragt, um wie viel Uhr ſein Herr nach Hauſe kommt, ſagt:
„Der Herr bleibt nicht gerne ſpät auf; es iſt ſehr ſelten, daß er um Mitternacht oder halb eins nicht ſchon ſchlafe.“
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