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Triumph und Untergang des Merrimac.
raden Weg nach Yorktown zu nehmen, während die Flotte einen Theil desſelben den Yorkfluß hinaufbringen ſollte, um der ſüdſtaatlichen Armee den Rückzug zu er⸗ ſchweren. Kaum hatten ſich die erſten Nachrichten von den Operationen M Clellans auf der Halbinſel verbrei⸗ tet, als Alles weit und breit von Furcht und Entſetzen ſchwer betroffen wurde. Die Verwirrung, welche in Richmond ec. einriß, grenzte an Wahnſinn, die wider⸗ ſprechendſten Befehle wurden ertheilt, und die Eile, mit welcher der Präſident Jefferſon Davis ſeine Anſtalten traf, um alles Werthvolle, was ihm per fas et nefas gehörte, in Sicherheit zu bringen, ängſtigte und empörte zugleich die Bürger. In ſämmtlichen Regierungs⸗ Kanzleien herrſchte ein ſchreckliches Durcheinander. Re⸗ gierungs⸗Güter wurden nach Nordcarolina befördert, die Banknotenpreſſe nach Columbia gebracht, ja der Kriegs⸗ und der Flottenminiſter eilten ſchon nach Norfolk und Portsmouth, um— nicht etwa zu retten was noch zu retten war— ſondern nur um Alles zu zerſtören. So rückte der Tag heran, welcher für die Konföderirten ein wahrer Begräbnißtag werden ſollte. 5
General Huger erhielt den Schergen⸗Auftrag, die von der konföderirten Regierung neu errichteten Schiffs⸗ werfte auf's neue zu zerſtören, obgleich dreißigtauſend Mann Truppen in und um Norfolk lagen. Huger be⸗ trieb die Ausführung ſeines Auftrags mit ſolchem Eifer, daß der Werth von Millionen, die leicht gerettet werden konnten, leichtſinnig aufgegeben wurde; ja man hatte ſich ſo beeilt, daß man den in der Bai liegenden Merrimac gänzlich vergaß. Nachdem der Kriegsmini⸗ ſter dem General Huger den Befehl zur Zerſtörung Portsmouts gegeben, ſäumte der Flottenminiſter nicht, dem Kommodore Tatnall den Auftrag zu ertheilen, die kleinen Schiffe nach Richmond hinauf zu ſenden und dann mit dem Merrimac auszulaufen, nach Neuyork zu ſegeln, dort ſämmtliche Kauffahrer zu zerſtören und, wenn das vollbracht, ſich mit dem Merrimac in die Luft zu ſprengen. Man ſieht, auf großartige Befehle kam es den Herren Miniſtern nicht an. Die Weiſung des Kriegsminiſters wurde ſehr pünktlich ausgeführt, und das Brandgeſchäft wurde in einer Eile abgemacht, als hätte M Clellan ſchon vor den Thoren von Portsmouth geſtanden. Sobald die Truppen mit der Zerſtörung fertig waren, zogen ſie ſich auf Suffolk und Petersburg zurück; und kaum verkündeten die Flammenſäulen der Schiffswerfte dem zu Monroe liegenden Unions⸗General Wool den Abzug der ſüdſtaatlichen Truppen, ſo nahm er ſofort den ſo feig verlaſſenen Platz in Beſitz.
Norfolk und Portsmouth waren alſo von den Konföderirten aufgegeben, und nur der ſtolze Merri⸗ mae lag noch draußen in der offenen Bai und erwar⸗ tete, ruhig ſich ſchaukelnd, ſein Urtheil. Als ob er ahnte, welch trauriges Los ihm, dem wackern Kämpen, bevorſtände, wiegte er ſich traurig auf den kleinen Wel⸗ len, welche ihn ſpielend ſchaukelten. Die noch vor we⸗ nigen Tagen ſo ſiegestrunkene Flagge der Konfödera⸗ tion hing ſchlaff und gleichſam beſchämt vom Maſte. Unruhig eilte der brave Kommodore Tatnall von einem Ende des Schiffes zum andern und wußte nicht recht,
was er mit ſeiner Ordre beginnen ſollte. Ein Seege⸗ fecht liefern, iſt recht ſchöͤn, aber nach Neuyork gehen und die Kauffahrteiſchiffe in den Grund bohren und dann Feuer in die eigene Pulverkammer werfen, um ſich ſelbſt zu zerſtören, das ſind großartige Befehle, ſie laſſen ſich nur nicht leicht ausführen. Die Flotte in Neuyork zerſtören, das thäte ſich wohl noch, auch noch einmal zwei hölzerne Schiffe wie Cumberland und Kongreß in den Grund bohren, aber ſich ſelbſt in die ſchönen, blauen Lüfte ſprengen, das iſt doch ganz was Anderes! Man ſage ja nicht, daß ſo eine tabakkauende Theerjacke keine Ver⸗ nunft habe; viele Leute waren vielmehr überzeugt, die Kerle rochen die Ordre des Marineminiſters in der Taſche ihres Kommandanten, denn ſie umkreiſten ihn ſo mißtrauiſch, ja manche von ihnen brachten ſchon ihre Siebenſachen in Sicherheit, und ſo iſt die Vermuthung wohl gerechtfertigt, daß ſie auf irgend eine Weiſe Wind von der Sache bekommen hatten.
Als die Flammen von Portsmouth zum Himmel ſtiegen, ſtürzten die Matroſen des Merrimac auf's Deck, um dieſes gräßliche Schauſpiel zu betrachten; der Ka⸗ pitän Tatnall berief ſeine Officiere ſowie den Oberpi⸗ loten und Chefingenieur in ſein Kabinet, um Kriegs⸗ rath zu halten. Mit pochendem Herzen traten dieſe ein und erwarteten die Anrede ihres Kommandanten, welcher ſie auch ſofort mit der erhaltenen Ordre bekannt machte. Er ſei gern bereit, ſich der Majorität der Officiere anzuſchließen; folgende Fragen hätten ſie nach reiflicher Erwägung jetzt zu beantworten:„Sind die Officiere des Merrimac entſchloſſen, denſelben nach Neuyork zu bringen und dort ihren Auftrag zu vollzie⸗
hen?“ Antwort: Ja.—„Iſt der Merrimac ſo gebaut, daß er das Feuer der geſammten Batterien des Fort Monroe aushalten kann?“ Antwort: Nein.—„Iſt die
Maſchine des Merrimac in einem ſolchen Zuſtande, daß ſie, falls die Befeſtigungen Monroe's glücklich paſſirt würden, eine etwas ſtürmiſche See aushalten kann?“
Antwort: Nein.—„Sind die Offcciere entſchloſſen, falls ſie dennoch ihre Ordre erfüllen ſollten, das Schiff ſelbſt zu zerſtören?“ Antwort: Nein.—„Gut,“ ſagte
der Kommandant;„dann entſchließen Sie ſich ſofort zu einem Plan, wie und auf welche Weiſe das Schiff der Regierung erhalten werden kann. Aber, beeilen wir uns, meine Herren, Portsmouth brennt, und es iſt ſehr leicht möglich, daß wir bald feindliche Schiffe auf den Hals bekommen.“— Eilig traten die Officiere und Piloten zuſammen, und nach einigem heftigen Hin⸗ und Herreden kamen die Herren ſo weit in's Reine, daß ſie beſchloſſen die Ordre des Marineminiſters nicht zu reſpektiren. Die Piloten verſicherten, daß, wenn man das Schiff 7—8 Fuß erleichtern könnte, es vielleicht 31 Meilen den Jamesfluß aufwärts zu bringen ſei, wo es ausgezeichnete Dienſte in der Vertheidigung des Fluſſes leiſten würde. Kaum war dieſes dem Kom⸗ mandanten mitgetheilt, als er auch ſofort der Beſatzung befahl, das Schiff zu erleichtern. Die ganze Nacht wurde unermüdlich gearbeitet, Ketten, Anker, Eiſen, Ka⸗ nonen, alles wurde über Bord geworfen, und als das Schiff ſich um acht Fuß hob, da war es kein eiſenge⸗
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