Jahrgang 
1864
Seite
79
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Triumph und Untergang des Merrimac. 79

Manöver anwenden, um vorwärts zu kommen. Als er bemerkte, daß es nicht möglich ſei, ſich der feindlichen Fregatte zu nähern, eröffnete er ein fürchterliches Feuer auf dieſelbe. Die mächtigen Wurfgeſchoſſe durchbohrten ſie auf beiden Seiten und hatten binnen kurzem eine ſo gewaltige Verheerung auf derſelben angerichtet, daß der Kapitän, um der ſchrecklichen Zerſtörung zu entge⸗ hen, die Kapitulationsflagge aufhißte. Sofort ließ Buchanan das Feuer auf dem Merrimac einſtellen und ſignaliſirte dem Kanonenbot Beaufort, Lieutenant Par⸗ ker, ſich nach dem feindlichen Schiffe zu begeben und deſſen Flagge ſowie ſämmtliche Bemannung und Offi⸗ ciere zu übernehmen. Kapitän Smith und Lieutenant Pendergraſt von der Fregatte Kongreß erbaten ſich nach der Uebergabe die Erlaubniß, auf dem Schiffe bleiben zu dürfen, um für die Verwundeten Sorge zu tragen, was auch Buchanan gern erlaubte. Unverantwortli⸗ cherweiſe unterhielten die Landbatterien, während die Uebergabe ſtattfand, ein heftiges Feuer auf das Kano⸗ nenbot Beaufort, und obgleich Niemand auf demſel⸗ ben getödtet wurde, gerieth Kapitän Buchanan hierüber in einen ſolchen Zorn, daß er den Kongreß mit glühen⸗ den Kugeln zu beſchießen und denſelben zu vernichten befahl. Das unrühnliche Feuer wird trotz der Ueber⸗ gabe des Schiffes eröffnet. Im ſelben Augenblicke wurde Buchanan durch eine Miniekugel am Fuße ver⸗ wundet; er iſt gezwungen, das Kommando dem erſten Lieutenant Jones zu übertragen, jedoch mit dem ſtren⸗ gen Befehl, den Kongreß ohne Gnade zu vernichten. Dieſer, ein treuer Diener ſeines Herrn, führte die un⸗ würdige Aufgabe aus, und vergebens bemühen ſich die Fregatten Minneſota, Roanoke, Lawrence auf alle mügliche Weiſe, ihrem Kameraden zu helfen; alles iſt umſonſt, der Kongreß iſt dem Verderben verfallen. Eine ungeheure Aufregung hatte ſich der Zuſchauer am Ufer bemächtigt. Zu Tauſenden waren die Neugierigen aus weiter Ferne herbeigeeilt, zwei ſtolze, feindliche Fregat⸗ ten hatte unſer eiſerner Koloß bereits vernichtet und den nächſten Tag mußte er ohne Zweifel die andern in den Grund bohren. Man war von dem Erfolge ſo überzeugt, daß man ſchon von den Vorkehrungen ſprach, welche getroffen werden müßten, wenn nun der Hafen jetzt eröffnet wäre; kurz, unſer Publikum ſah ſich ſchon in Europa, die Kaufleute waren bereits am Handeln, während der Merrimac vor Waſhington ſtand und dort alles in Grund und Boden ſchoß. Niemand konnte die Nacht ſchlafen, die meiſten kampirten unter freiem Himmel an dem Ufer und erwarteten mit Ungeduld den kommenden Tag und die Wiederaufnahme des Kampfes. Endlich brach die Morgenröthe an, die Maſſe der Zuſchauer war noch größer als am vergangenen Tage.

4 Die feindlichen Fregatten Roanoke und Lawrence hatten ſich unter die Kanonen des Forts Monroe zu⸗ rückgezogen und nur die Minneſota lag draußen in der ruhigen Bai. Ihr zur Seite lag auch ein merkwürdi⸗ ges, kleines Ungethüm von einem Schiffe, es hatte gar keine Form, und guckte nicht an jeder Seite der fürch⸗ terliche Schlund einer Kanone heraus, man hätte es

für einen umgeſchlagenen Wallfiſchfahrer halten können. Der Merrimac dampfte unter dem tauſendſtimmigen Jubel der am Ufer Harrenden ſeinem Gegner entgegen. Kapitän Buchanan ſandte ſeine leichten Kanonenbote Jamestown und JYorktown voraus, um den Gegner zu unterſuchen. Vorſichtig näherten ſich dieſe dem Fremdling, als plötzlich zwei fürchterliche Kugeln über ſie hinflogen und ſie zur eiligen Flucht beſtimmten. Jetzt dampfte der Merrimac mit Wuth gegen dieſen kleinen Kerl und hoffte ihn durch den Druck ſeines Ge⸗ wichtes in den Grund zu bohren; ſchon hatte er ſich ihm auf dreißig Schritt genähert und hoffte ihm einen Stoß zu verſetzen; doch flink wie ein Fiſch entſchlüpfte der Monitor und gab dem Merrimac eine ſeiner Kugeln zu probiren, welche ihm bewieſen, daß er einen eben⸗ bürtigen Gegner vor ſich habe. Langſam legte ſich jetzt der Merrimac vor ſeinen kleinen Feind und beide er⸗ öffneten ein Feuer, wie es niemals vorher zur See angewandt wurde. Hundertpfündige runde und hun⸗ dertundzwanzigpfündige Armſtrongkugeln wurden auf eine Entfernung von hundertfünfzig Schritt geſchleu⸗ dert; nichts half, machtlos prallten die Geſchoſſe an den eiſengepanzerten Wänden ab. Schon währte dieſer fruchtloſe Geſchützkampf mehrere Stunden, ohne ein Reſultat zu erzielen, da verſuchte der Merrimac, noch⸗ mals mit voller Kraft gegen den Feind anlaufend, denſelben in den Grund zu bohren. Doch mit einem flinken Manöver wich der kurze Monitor aus und gab dem Merrimac eine Kugel, welche durch eine Stückpforte drang und Tod und Verderben im Innern des Schiffes verbreitete. Mit wahrer Wuth eröffnete jetzt der Mer⸗ rimac ſein Feuer, welches jedoch mit Ruhe und Beſon⸗ nenheit vom Monitor erwiedert wurde. Erſt als der Kapitän des Merrimac ſah, daß er dieſem kleinen ge⸗ wandten Gegner nichts anhaben könne, wandte er ſich, überließ demſelben das Schlachtfeld und dampfte gegen Norfolk. Die Menge, welche vom Ufer aus dem Kampfe zugeſehen hatte, konnte nicht begreifen, daß der Merri⸗ mac nicht mit dieſem kleinen Ding hatte fertig werden können, und als ſie das wahre Sachverhältniß vernom⸗ men, als ſie hörte, daß der Gegner auch ein eiſenge⸗ panzertes Schiff habe, welches dem großen Merrimac

den Ausgang aus dem Hafen ſtreitig machte, da ver⸗

wünſchte ſie den Marrimac und den Flottenminiſter dazu, weil er nicht gleich ein paar ſolche Schiffe ge⸗ baut habe, um damit den Hafen zu öffnen. Zum gro⸗ ßen Glück lenkten die Bewegungen der Armee MClel⸗ lans jene Politiker bald auf einen andern Punkt hin.

Unterdeſſen war es in Virginien allgemein be⸗ kannt geworden, daß M Clellan, der Oberbefehlshaber des Unionsheeres, ſeine Operationen auf die Penin⸗ ſula verlegen wolle. In kurzem hatte er eine Flotte zu Alexandria verſammelt die direkte Waſſerſtraße, den Jamesfluß aufwärts, nach Richmond konnte er nicht einſchlagen, weil ſie vom Merrimac blokirt war; er begann daher die Ueberfahrt ſeiner Truppen nach Fort Monroe, um von da auf dem Landwege nach Richmond zu eilen. Endlich hatte er ſein Heer unter den Mauern des Forts verſammelt, und ſofort beſchloß er, den ge⸗