Jahrgang 
1864
Seite
78
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78 Triumph und Untergang des Merrimac.

Jamestown mit zwei Kanonen und den Kanonenbo⸗ ten Teazer, Beaufort und Raleigh, jedes mit einer Ka⸗ none ausgerüſtet, ihren Beſuch in Hampton⸗Road. Un⸗ zählige Neugierige hatten ſich eingefunden, um dem merkwürdigen Schauſpiel einer Seeſchlacht beizuwoh⸗ nen, und verfolgten mit unendlichem Intereſſe die kleine Armada der Konföderation, als ſie unter Dampf ging. Das Kommando dieſer kleinen Flotte hatte Kapitän Buchanan, welcher ſeine Flagge auf dem Merrimac aufgehißt hatte. Bevor die Flotte auslief, hielt der⸗ ſelbe eine eindringliche Rede an ſeine Truppen.Wir gehen nun, um die Geſicchtszüge unſerer Feinde in Augenſchein zu nehmen, ſagte er;lange genug muß⸗ ten wir dieſe Ehre den Landtruppen überlaſſen, doch heute ſoll auch euer Wunſch in Erfüllung gehen. Ihr ſollt eure Feinde ſehen, und daß das Gefecht nicht lange hinausgeſchoben wird, dafür werde ich Sorge tragen. Erinnert euch, ihr fechtet für eure Rechte, eure Heimat. Seht ihr die feindlichen Schiffe dort? Ihr müßt ſie vernichten; ich frage nicht, ob ihr es thun wollt, denn ich weiß, ihr thut es. Dieſe Anſprache, kurz und kräf⸗ tig, verfehlte ihre Wirkung auf die Mannſchaft nicht, fröhlich erſcholl ihr Hurrah in die ſtillen Lüfte, und ſelbſt jene, welche noch vor wenig Minuten mit beengtem Herzen dieſes eiſerne Haus betreten hatten, waren wie⸗ der zu ihrer frühern Lebhaftigkeit zurückgekehrt.

Wie ein ſchweres Verderben wälzte ſich der eiſerne Koloß Merrimac in die offene Bai hinaus. Es ſah ſeltſam aus, dieſes unförmliche Gebäude, als es auf dem Waſſer dahinſchwamm. Kein lebendes Weſen war an irgend einem Theile dieſer fahrenden Feſtung zu ſehen; wie von Seemöven, ſo wurde es von den ſchlan⸗ ken, flüchtigen Kanonenboten umkreiſt, welche ihre Kräfte erprobten und in raſchem Fluge über die Wellen ſtri⸗ chen, allein ſich doch immer in der Nähe ihres eiſenge⸗ panzerten Schützers hielten. Mit bebendem Herzen und un verwandtem Blick folgten die am Ufer Harren⸗ den der Bewegung der kleinen Flotte der Konfödera⸗ tion. In ziemlich deutlicher Ferne lagen in der ruhi⸗ gen Bai die mächtigen Schiffe der Union, auf deren Maſten die kleinen Flaggen luſtig flatterten. Weit voran, als vorgeſchobener Poſten lag die Fregatte Cumberland von vierzig Kanonen, etwas weiter rechts ſchaukelte ſich die ſtolze Fregatte Kongreß, während etwas tiefer der majeſtätiſche Bau der Minneſota und ihr zur Seite mehrere kleine Dampfer ſich zeigten. Im Hintergrunde zeichneten ſich die Maſten der Kauffahr⸗ teiſchiffe am blauen Horizont. Auf den feindlichen Schiffen wurden jetzt Flaggen mit großer Schnelligkeit gewechſelt und gaben unſern Leuten die Gewißheit, daß unſere Annäherung den Feind nicht unerwartet antraf. Auf einmal tönte ein mächtiger Kanonenſchuß aus einer der Pforten der Minneſota als Signal für ſämmtliche Schiffe, während eine Flagge ſich entfaltete, welche das Signal der Gefahr war; alle kleineren Schiffe eilten jetzt wie aufgeſcheuchte Vögel, Schutz und Sicher⸗ heit unter den gewaltigen Kanonenreihen des Forts Monroe ſuchend. Auf den feindlichen Fregatten wurde eine ganz außergewöhnliche Thätigkeit bemerkbar.

Sämmtliche Stückpforten öffneten ſich, die Kanonen⸗ ſchlünde ſtreckten ihre drohenden Mündungen hervor und verkündeten, daß man entſchloſſen ſei, die Einla⸗ dung anzunehmen. Als unſere Schiffe ſich den feind⸗ lichen auf Schußweite genähert hatten, blieben die kleinen Kanonenbote zurück und der Merrimac be⸗ wegte ſichruhig vorwärts. Kaum befand er ſich dem Kongreß gegenüber, als er dieſem eine Breitſeite gab, welche von dieſem und den Strandbatterien mit großer Lebhaftigkeit erwiedert wurde. Ohne Erfolg; die feindlichen Kugeln prallten von dem Eiſenpanzer des Merrimac ab, als ob man Erbſen auf ein dickes Glas geworfen hätte. Ohne von dieſer Erwiederung die geringſte Notiz zu nehmen, dampfte er gegen die Fre⸗ gatte Cumberland, die er zum Verderben auserſehen hatte. Als er ſich dieſer auf vierzig Schritt genähert hatte, konnte die Bemannung ganz deutlich die Unter⸗ redungen auf dem feindlichen Schiffe hören.Ah gut, hier kommt eins; wie zum Teufel ſieht das Ding aus? was mag es wollen? In dieſem Augenblicke ertönte das Kommando auf dem Merrimac und eine jener cylinderartigen Rieſenkugeln fuhr der Länge nach über das feindliche Deck, alles tödtend und zerſtörend, was ſich ihr im Wege befand. Dann beſchrieb er einen kleinen Kreis und legte ſich mit der Spitze gegen die breite Seite des feindlichen Schiffes. Der Kapitän desſelben eröffnet aus allen Batterien ein Feuer auf den in kurzer Entfernung liegenden Merrimac; ohn⸗ mächtig prallen die Kugeln ab; jetzt bewegt ſich der Koloß, langſam geht er auf die feindliche Fregatte vorwärts, die vergebens aus ihren Batterien ein hölli⸗ ſches Feuer unterhält. Jetzt erreicht die Spitze des Merrimac die Wand der Fregatte, jetzt kracht und bricht es, wie ein Betrunkener wankt jenes vor wenigen Minuten noch ſo ſtattliche Schiff umher. Trotz des verzweifelten Augenblicks und des faſt gewiſſen Unterganges läßt der feindliche Kapitän das Feuer fortſetzen. Schon neigt ſich die Fregatte tiefer und tiefer, die Wogen ſchlagen zu den Stückpforten hinein, dann hebt ſie ſich von neuem, noch einmal ſpeien die obern Batterien Feuer, jetzt legt ſie ſich auf die Seite und mit flattern⸗ der Flagge ſinkt das ſchöne ſtolze Schiff mit ſeiner hel⸗ denmüthigen Bemannung auf den Grund des Meeres. Kein Laut, kein Schrei wurde vernommen; es ſchien, als ob die Wogen etwas ſtärker ſchlügen, doch nur auf wenige Augenblicke, dann wälzten ſie ſich wieder ruhig, als wäre nichts geſchehen, über jene Stelle, an der das Schiff verſchwunden war. Welch' herbes Gefühl mag ſich der Bemannung der andern Schiffe der Union in dem Augenblicke bemächtigt haben, als ſie bei ruhigem Wetter, bei ſtiller See, in der prächtigen Bai durch den unheilvollen Stoß dieſes Ungemüths das ſchöne Schiff ſammt der ganzen Mannſchaft ſinken ſahen! Allein trotzdem behielt der Kongreß ſeine Stellung bei und bereitete ſich vor, die Ehre ſeiner Flagge zu vertheidi⸗ gen. Kaum war das erſte Werk der Zerſtörung voll⸗ bracht, ſo dampfte auch der Merrimac gegen den Kon⸗ greß hin; allein nach wenigen Minuten hatte er mit ſeichtem Waſſer zu kämpfen und mußte alle möglichen