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als Freie zu ſterben, denn als Sklaven zu leben“ und die ſich ſchon eine Warnung geſchöpft haben aus dem Geiſte der Wildheit und der Verheerung, mit welchem dieſer Krieg gegen ſie geführt wird, und aus den wahn⸗ ſinnigen Geſtandniſſen, welche ihnen für den Fall ihrer Unterjochung eine mehr als egyptiſche Gefangenſchaft drohen.“ Die Phraſenhaftigkeit des Schriftſtücks kulminirt in dieſem Schlußſatze, wenn man bedenkt, daß von„jenen acht Millionen Menſchen“ drei Millionen Sklaven ſind, und wenn es nach dem Willen der Konföderirten geht, ſicher als ſolche leben und ſterben werden.
Die Armee des Kankaſus.
— MPeber das ruſſiſche Heer, gewaltig wie der Koloß, Min deſſen Dienſt es ſich befindet, haben wir vor
Kurzem intereſſante ſtatiſtiſche Notizen einge⸗
x ſehen. Wir erſahen aus denſelben, daß ſich für ) die gegenwärtige Stärke desſelben die folgenden
6 Zahlen ergeben: 1) Aktive Feldtruppen, und zwar Unterofficiere und Soldaten: Anf. 1864: Infan⸗ terie 694.511, Kavallerie(reguläre) 49.183, Artillerie 48.773, Sappeurs 16.203, zuſammen 808.670. 2) Aktive Lokaltruppen: Linien⸗Bataillone 74.561. Fe⸗ ſtungs⸗Regimenter 23.472, Feſtungs⸗Artillerie 29.892, zuſammen 127,925. 3) Reſerve, innere Truppen und Nichtkombattanten: Reſerve aller Waffen 38.518, in⸗ nere Wache 123.161, Nichteinrangirte 30.200, Gen⸗ darmerie 6.5 11, Lehrtruppen 990, zuſammen 1 99.380, alſo reguläre Truppen im Ganzen 1,135.975. 4) Ir⸗ reguläre Truppen: zum aktiven Dienſt kommandirt 177.460 Mann.(Die volle Zahl der dienſtpflichtigen und waffenfähigen Koſaken beträgt 307.000 Mann). Was die Armee des Kaukaſus im Beſondern anlangt, ſo beſteht dieſe aus drei Infanterie⸗Diviſionen(19., 20. und 219, aus der Diviſion von Transkaukaſien (Diviſion der Grenadiere des Kaukaſus) unter General⸗ Lieutenant Baron Nikolai, und der Diviſion von Kutaiſs (30.— 37. Linien⸗Bataillon) unter General⸗Lieutenant Fürſt D. Swiatopolk⸗Mirski. Neuerdings iſt nun noch ein aus Eingeborenen errichtetes Tirailleurs⸗Korps hin⸗ zugekommen. Fürſt Baryatinſki ſah längſt ein, daß, um ſchwierig zu behauptende Poſten zu vertheidigen, oder das Vordringen in die oft unwegſamen Gebirge zu er⸗ leichtern, ſeine regulären Linientruppen durchaus nicht geeignet waren. Um einen tapfern, gewandten und un⸗ ermüdlichen Feind in ſeiner eigenen Heimat zu bekämpfen, errichtete er, nach dem Vorbilde der algeriſchen Zuaven und Turkos, Tirailleurs⸗Korps aus den Eingeborenen, welche mit den Terrainverhältniſſen ebenſo bekannt und mit dem Guerillakriege ebenſo vertraut ſind, wie die Gegner. Der von uns abgebildete Tirailleur gehört dem Regiment Kaborda an, deſſen Uniformirung genau mit der in Circaſſien üblichen Tracht übereinſtimmt. Der Handſchar, die von den Orientalen allgemein geführte, den Uebergang vom Dolch zum Säbel bildende Hieb⸗ und Stichwaffe, iſt reich verziert; die Klinge iſt fein da⸗ maſcirt und auf der Oberfläche des aus Elfenbein ge⸗ fertigten Heftes ſind künſtliche Schnitzereien angebracht.
Das Gewehr iſt europäiſches Fabrikat und wird von den den Ruſſen unterworfenen Gebirgsbewohnern mit außerordentlichem Geſchick geführt. Dieſe eingeborenen Tirailleurs haben ihren früheren Beſiegern und jetzigen Kampfgenoſſen ſchon weſentliche Dienſte geleiſtet und der Statthalter zählt feſt auf ihre Treue, wenn eine
neue Schilderhebung von Seiten der Tſcherkeſſen ſtatt⸗ K.
finden ſollte.
Triumph und Untergang des Merrimac.
er 8. März 1862 iſt ein Tag, an welchen eine Jhöchſt intereſſante Epiſode in der Geſchichte des Seekriegsweſen ſich knüpft, eine Epiſode, deren Wichtigkeit an ſich und deren muthmaßliche Fol⸗ —) gen allerdings damals überſchätzt worden ſind, die aber doch des Intereſſes genug bietet, um
noch einmal unſern Leſern in Erinnerung gebracht zu werden. An jenem und dem darauf folgenden Tage fand auf der Rhede von Hampton in Virginien der be⸗ rühmte Seekampf ſtatt, in welchem die neuen eiſernen Panzerſchiffe ihre erſte ernſtliche Probe zu beſtehen hatten, und allerdings war das Duell zuerſt zwiſchen dem ſüdſtaatlichen„Merrimac“ und dem unioniſtiſchen Geſchwader, dann aber zwiſchen dem koloſſalen Panzer⸗ und Widderſchiff und der von Norden herbeieilenden ſchwimmenden Panzerbatterie„Monitor“ ein Zwei⸗ kampf, wie die Welt noch keinen geſehen. Wir gaben damals einen allerdings nur ſehr gedrängten Bericht über dieſe moderne Naumachie, während deren die Luft erzitterte von dem Dröhnen der Kanonen und dem Zi⸗ ſchen und Berſten der Bomben, und wir könnten uns
nicht entſinnen, daß jener Schilderung, welche natürlich
nach Berichten unioniſtiſcher Korreſpondenten gearbei⸗ tet war und das ſeltene Schauſpiel beſchrieb, wie es von den Schiffen der Nordländer aus ſich darſtellte, noch eine zweite gefolgt wäre, die, der Kehrſeite des Bildes gerecht werdend, eine Darſtellung der Vorgänge vom Standpunkte der Konföderirten gegeben hätte. Jetzt erhalten wir eine dankenswerthe Ergänzung dieſer Lücke durch ein paar Kapitel des kürzlich erſchienenen empfehlenswerthen Werkes:„Kriegsbilder aus Ame⸗ rika von B. Eſtvan, Oberſt der Kaballerie der konföde⸗ rirten Armee“(zwei Bände, Leipzig, Brockhaus), deſſen Verfaſſer die Aufgabe nicht nur ſich geſtellt, ſondern auch allem Anſchein nach gelöst hat in Bezug auf Alles, was er als Officier in dem Heere der Südſtaaten erlebt, nur nach beſtem Wiſſen und nach innerſter Ueber⸗ zeugung die Wahrheit zu ſchildern. Im zweiten Theile ſeines überaus anziehenden Buches kommt Eſtvan auch auf den Seekampf bei Hampton zu ſprechen, und ſeine Darſtellung wird nicht nur manche Einzelheiten desſel⸗ ben berichtigend oder ergänzend ins rechte Licht ſtellen, ſondern vorzüglich auch wegen der zuverläſſigen und genauen Nachrichten über das Ende des Eiſenkoloſſes Merrimac mit großem Intereſſe geleſen werden, wes⸗ halb wir hier gleich ſeine eigenen Worte folgen laſſen.


