74 Politiſche Ueberſicht.
und Zaum glänzend geputzt, und ſeidene Bänder in den Landesfarben flattern daran.
Das preiswürdige Vieh bekommt nach der Rang⸗ ordnung Täfelchen mit einer bezeichnenden Nummer und wird am Sonntag Morgen in eigens errichteten Schranken zur Schau ausgeſtellt. Auch zum Behuf der Ausſtellung der Erzeugniſſe des Acker⸗, Garten⸗, Obſt⸗ und Seidenbaues iſt eine beſondere Bretterbude aufgeſchlagen. Die Preiſe ſelbſt werden nach einem zweifachen Maßſtab beſtimmt: nach dem eigentlichen Werth und nach der Entfernung von München.
Nachmittag um 2 Uhr nimmt das Feſt, von Ka⸗ nonenſchüſſen verkündet, ſeinen Anfang, und mehr als 70— 80.000 Menſchen ziehen der ſüdöſtlich von der Stadt gelegenen Thereſienwieſe zu. Sie iſt feſtlich ge⸗ ſchmückt. Hohe Flaggen mit dem baieriſchen und Münch⸗ ner Wappen wehen auf der ſogenannten ſendlinger Anhöhe, weiße und blaue Fähnchen bezeichnen die ovale Rennbahn, in deren Mitte ein längliches Rechteck, von Bretterbuden umgeben, offen gehalten iſt, um allen hungrigen und durſtigen Seelen als Zufluchtsort zu dienen.
Wer ſich jedoch eines echten, erleſenen Trunkes erfreuen will, zieht ſich auf die Höhe zurück, wo in im⸗ proviſirten Schenken vortreffliches Bier aus dem be⸗ nachbarten Markte Tölz in unverſiegbaren Quellen fließt. In der Mitte der Höhe, deren terraſſenförmige Erhebung zur Aufnahme eines Theils der Zuſchauer benutzt wird, iſt, dem königlichen Zelte gegenüber, eine Tribüne für die Muſik errichtet, an der Wieſe, längs der Rennbahn, ordnen ſich Wagen an Wagen zu einer bunten, glänzenden Reihe, und der höhere Adel ver⸗ ſammelt ſich im Königzelte.
Neue Kanonenſalven verkünden die Ankunft der königlichen Familie, welche von einer Deputation des Magiſtrats und den Anordnern des Feſtes am Pavillon empfangen wird. Eine Abtheilung Landwehrgrena⸗ diere bildet die Ehrenwache. Der König begibt ſich alsbald unter das Volk, beſichtigt die zur Ausſtellung eingebrachten Thiere und Gegenſtände, und überreicht, in ſein Zelt zurückgekehrt, die von der Prüfungskommiſ⸗ ſion feſtgeſetzten Prämien eigenhändig den Ausſtellern, welche Einer nach dem Andern bei ihm vorüber ſchrei⸗ ten müſſen, um ihre ſilbernen Medaillen und bunten Preisfahnen zu empfangen, die vorher von Knaben in altdeutſcher Tracht unter dem Vortritt der Stadttrom⸗ peter in geordnetem Zuge an dem Königszelte vorbei⸗ getragen und übergeben worden ſind.
Iſt dieſe Ceremonie vorüber, ſo beginnt das Wett⸗ rennen. Trompeter zu Pferde eröffnen einen neuen Zug, in welchem man die Rennpreisträger in ſpaniſcher Tracht mit ihren gold⸗ und ſilbergeſtickten oder zierlich bemalten Fahnen und Staadarten, die Rennbuben in ſchmucker vielfarbiger Kleidung, von den Rennmeiſtern und einer Anzahl Jockeis zu Pferde beaufſcchtigt, und die Rennpferde, von ihren Beſitzern geführt, erblickt. An die verſchloſſene Schranke zurückgekehrt, fängt zu⸗ erſt ein luſtiger Kampf der Rennknaben um den Vor⸗ rang an, dann öffnen ſich die Flügel der Schranken⸗
thüren, und unter dem freudigen Zuruf der Menge lau⸗ fen 20— 30 Pferde dem Ziele zu. Die Bahn, welche eine Viertelmeile im Umkreis beträgt, muß vier Mal umritten werden. Bei jedem Unreiten wächſt die Spannung, die Theilnahme des Publikums wird immer lebhafter und lauter, Tücher flattern, Mützen und Hüte werden geſchwenkt, bis endlich bei dem Ankommen der erſten Renner ein allgemeines Jauchzen und Zurufen losbricht, während die Zurückgebliebenen mit einem weithin ſchallenden Gelächter empfangen werden. Kaum ſind aber die Rennpreiſe vertheilt, ſo wickelt der unent⸗ wirrbar ſcheinende bunte Menſchenknäuel ſich ab, die Anhöhe wird leer und Alles ſtrömt den Buden zu, um ſich an einem friſchen Trunk zu laben.
Am nächſten Tage fängt das Feſtſchießen mit Stutzen und Armbruſt nach der Scheibe, dem Vogel und laufenden Hirſch an. Die reichen, mit ſchweren Geld⸗ gewinnen behangenen Preisfahnen werden ſchon Sonn⸗ tags im Saale des bürgerlichen Rathhauſes der allge⸗ meinen Schauluſt ausgeſtellt. Am Montag Morgen verſammeln ſich nun die aus allen Gauen des Landes herbeigezogenen Schützen im Rathhauſe, die Loſe wer⸗ den vertheilt und dann wird in wohlgeordnetem Zuge auf die Feſtwieſe marſchirt. Den Stadttrompetern fol⸗ gen die in ſpaniſche Tracht gekleideten Preisträger mit den Preisfahnen, hierauf unter Vortritt eines wohl⸗ beſetzten Muſikkorps der Schützenmeiſter, an welchen ſich die übrigen theilnehmenden Schützen anſchließen, die ein buntes, bebändertes Blumenſträußchen auf Hut oder Mütze als Abzeichen tragen. Das Schießen dauert unter lebhafter Theilnahme des Publikums die ganze Woche hindurch, und während dieſer Zeit wird die The⸗ reſienwieſe mit ihren zahlreichen Reſtaurationszelten, Buden und Schenken aller Art nie leer von Beſuchern aus der lebensfrohen Stadt.
Der zweitfolgende Sonntag bildet den Schluß des Feſtes. Nachmittags 2 Uhr iſt die Vertheilung der Schützenbeſten, worauf ein zweites ſogenanntes Nachrennen abgehalten, und Abends gewöhnlich ein großes Feuerwerk abgebrannt wird.
Peolitiſche Ueberſicht.
rag am 23. Juli 1864. In dieſen Tagen muß es ſich entſcheiden, ob es wirklich zum Frieden mit Dänemark kommt oder nicht. Die Waffenruhe dauert nur bis zum 1. Auguſt. Sie dürfte nicht um einen Tag verlängert werden, wenn die von den deutſchen Großmächten aufgeſtellte Grund⸗ lage des Friedens bis dahin von Seiten Dänemarks nicht angenommen iſt. Als dieſe Friedensgrundlage wird von der preußiſch⸗miniſteriellen„Provinzial Korreſpondenz“ die gänzliche Abtretung der drei Herzogthümer Schleswig, Holſtein und Lauenburg ſeitens der Krone Dänemarks bezeichnet. Jede andere Löſung der Frage wird von dem officiöſen Blatte als unmöglich erklärt. Auf der Londoner Konferenz hätten die Preußen und Oeſterreich noch in eine Theilung Schleswigs mit der Grenzlinie Apenrade⸗ Tondern gewilligt; von dieſem Zugeſtändniſſe könne aber jetzt nicht mehr die Rede ſein, die Theilung Schleswigs ſollte ja nur zugeſtanden werden, um neuen Kampf und
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