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Das Oktoberfeſt in München. 73
fallen waren, zurück, ergriff ein neben der Wand liegen⸗ des Beil und ſchwang dies über den Häuptern ſeiner Feinde.—
Der Kommiſſär verkroch ſich hinter ein Bett; Durand blieb regungslos ſtehen, ohne einen Verſuch zu machen, der Wuth des Greiſes zu trotzen.
„Glaubt Ihr, daß Ihr ſie mir noch einmal ent⸗ reißen könnt?“ ſchrie der Letztere.„Verſucht es einmal, Eure verbrecheriſche Hand nach ihr auszuſtrecken!“
„Nun, ſo mag es drum ſein,“ entgegnete Du⸗ rand;„nimm ſie zurück. Ich wollte ein ehrliches Mäd⸗ chen aus ihr machen und ſie hat meinen Sohn zu einem leichtſinnigen Schritt verleitet.“
„Schweig!“ fuhr ihn der Greis an,„ſchweig, wo⸗ fern Dir Dein Leben lieb iſt!“
„Geh' und mache eine Bettlerin aus ihr,“ er⸗ wiederte Durand,„ein Bettler biſt Du ja ſelbſt!“
„Herr! wenn Sie nicht mein Vater wären,“ rief Johannes, indem er ſich zwiſchen den Greis und Durand warf,„ſo würde ich—“
„Meine Tochter eine Bettlerin?“ ſtieß der Greis lachend hervor.„Sie iſt reicher als Du, denn ſie beſitzt ebenſo viel Geld, als Du mir geraubt haſt!“
„Er iſt verrückt!“ ſtotterte der Kommiſſär, indem er den Kopf durch die Bettvorhänge ſteckte, ihn aber ſogleich wieder zurückzog.
„Verrückt?“ wiederholte der Greis.„Nein, ich
bin es nicht mehr, der Abſcheu hat mir meine Vernunft
wiedergegeben. Seht nur.“
Mit dieſen Worten trat er auf das Bild der Jung⸗ frau Maria zu und ſchlug mit dem Stiel des Beils darauf. Das Papier und das Holzwerk flogen auseinan⸗ der und aus der Vertiefung in der Mauer nahm er eine Kaſſette, welche er ſeiner Tochter vor die Füße warf, ſo daß das Schloß aufſprang.
Die Geſchichte, welche er in den letzten Augen⸗ blicken ſeiner Geiſtesverwirrung erzählt hatte, war reine Wahrheit. Es lag da eine Million, die bereits fünf⸗ zehn Jahre vergeſſen war!“
Der Anblick des Geldes brachte ſogleich eine Um⸗ wandlung bei dem reichen Durand hervor. Seine Mienen klärten ſich auf und ſeine Erbitterung ver⸗ ſchwand, wie Nebel vor der Sonne. Er näherte ſich ſeinem vormaligen Freunde und ſagte mit ſchmeichelnder Stimme:
„Dumont— ich bin der Urheber Deines Un⸗ glücks geweſen, aber ohne es zu wollen. Ich habe Dein Vermögen in einer auf zügelloſe Weiſe durchlebten Nacht
gewonnen, aber ich habe es ehrlich gewonnen. Aller⸗
dings bin ich etwas zu ſtreng beim Eintreiben meiner Forderung geweſen, ich geſtehe es, und das reut mich. Du warſt verſchwunden; ich konnte Dich nicht unter⸗ ſtützen, aber Deine Tochter war zurückgeblieben— hab' ich nicht für ſie geſorgt?“
Der arme Vater erwiederte kein Wort auf die Ent⸗ ſchuldigungen ſeines Verderbers. Er erinnerte ſich der Habſucht und des Starrſinns desſelben. Er erinnerte ſich, daß Durand ſich nicht einmal durch den Todes⸗ kampf einer unglücklichen Frau hatte abhalten laſſen,
Erinnerungen. 88. Bd. 1864.
ſelbſt das letzte Stück ihres Hausgeräthes zu ver⸗ kaufen.
Johannes ſtand mit tiefverwundetem Herzen vor ihm und bat mit flehender Geberde um Vergebung für ſeinen Vater und um Nachſicht für ſeine Liebe.
Der Greis führte ſeine Tochter nach der entfern⸗ teſten Ecke des Zimmers, drückte mit feuchten Augen einen Kuß auf ihre Stirn und fragte mit unausſprech⸗ licher Milde:
„Mein Kind, Du weißt, wie jener Mann gegen uns gehandelt hat,— muß ich ihm vergeben?“
„Vater!“ erwiederte Julie, ihr Haupt an ſeine Bruſt lehnend,„ich liebe ſeinen Sohn!“
Dumont ging darauf auf ſeinen Feind zu, deu⸗ tete auf das Gold und die Banknoten und ſagte:
„Dies iſt der Brautſchatz meiner Tochter.“
„Johannes,“ ſagte Durand,„bitte um die Hand des Fräulein Dumont.“
„Segne uns, mein Vater!“ rief Johannes, indem er ſein Knie vor dem Greiſe beugte.
„Kommt in meine Arme, an mein Herz, meine Kinder!“ ſagte Dumont, indem er Johannes aufhob und das junge Paar an ſeine Bruſt zog.
Dieſer Tag war für die beiden Liebenden wie für deren Väter der Anfang eines neuen glücklichen Lebens.
Das Oktoberfeſt in München.
(Hiezu die Bilderbeilage.) eit mehr als fünfzig Jahren wird in München ein allgemeines Volksfeſt gefeiert, das mit dem erſten Sonntag im Oktober beginnt und unter dem Namen„Oktoberfeſt“ weit und breit be⸗ rühmt iſt.
Als nämlich am 12. Oktober 1810, dem Geburtstage des verſtorbenen Königs Maximilian's I., König Ludwig I. von Baiern, damals noch Kronprinz, ſich mit der Prinzeſſin Thereſe von Sachſen⸗Hildburg⸗ hauſen vermälte, wollte auch die Hauptſtadt des Lan⸗ des ihre freudige Theilnahme an dieſem Ereigniß kund⸗ geben und die Erinnerung an den Tag durch ein all⸗ jährlich wiederkehrendes Feſt wach erhalten. Ein Pfer⸗ derennen, die beliebteſte Volksbeluſtigung, ſollte den Glanzpunkt der Feſtlichkeiten ausmachen, der Platz, auf welchem es abgehalten wurde,„CThereſienwieſe“ ge⸗ nannt, und das ganze Volk zur Betheiligung aufgefor⸗ dert werden. Der Aufruf blieb nicht fruchtlos. Aus allen Kreiſen Baierns ſtrömte man zu dem Feſte auf der Thereſienwieſe herbei, und dieſes geſtaltete ſich mit der Zeit zu einem landwirthſchaftlichen Centralfeſt um, das allmälig ſeine jetzige Bedeutung gewann.
Der Hauptfeſttag iſt der erſte Sonntag im Okto⸗ ber. Tags vorher geht in der königlichen Reitſchule die Prüfung und Muſterung der Pferde, des Rind⸗ und Maſtviehes und der übrigen Viehgattungen vor ſich. Die Mähnen der Pferde ſind zierlich geflochten, Gebiß
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