58 Feuilleton.
Oeverſee errichtet; das eine erhält ſeinen Platz am Krug von Oeverſee, wo 70 Oeſterreicher ruhen, das andere am Walde dicht bei der Chauſſee.
Der Kaiſer Napoleon hat Befehl gegeben, eine Statue des verſtorbenen Marſchall Peliſſier anzufertigen, welche auf einem der Plätze des Boulevard Sewaſtopol zu Paris aufgeſtellt werden ſoll.
Pariſer Humoresken. Nach dem Franzöſiſchen von Léon Grellepois.
XIV. Der engliſche Profeſſor. (Scenen aus dem bürgerlichen Leben.)
Bei Herrn Paravant.
Hr. Paravant(ſeine Bonne rufend).„Viktorine!... Das iſt aber doch,..Viktorine!“
„Sie ſchaffen?“
„Ah! Sie entſchließen ſich zu antworten... Das iſt noch ein Glück. Woher kommen Sie denn?“
„Herr, ich war ein engliſches Buch für das Fräulein kaufen gegangen.“
„Was für ein Buch?“
„Ich weiß nicht, Herr.“
„Wie, Sie wiſſen nicht?“
„Und bin denn ich es, die eng liſch lerut?“
„Das iſt richtig, es iſt meine Tochter. Eine noble Idee, die mir da eingefallen iſt!..In jetziger Zeit muß ein Fräulein zwei Sachen kennen: Piano und
engliſch... Das Piano, um die trübſeligen Stunden ihres Gemals zu erheitern, und engliſch, um jes ſagen zu können.— Wie viel Uhr iſt es denn?“
„Neun Uhr, mein Herr.“
„Neun Uhr.. Hr. Jockſon, der Profeſſor meiner Tochter, wird wohl bald angeſegelt kommen.“
„Angeſegelt?“..
„Das iſt eine engliſche Ausdrucksweiſe, und bedeutet ankommen.“
„Ach ſo!“
2S meine Frau ſchon aufgeſtanden?“
Herr.“
„und meine Tochter?“
„Sie kleidet ſich an.“
„Schön. Sie haben ihr doch geſagt, daß ihre Leltion auf heute iſt?“
„Nein, mein Herr.“
„Ich hatte es Ihnen aber doch aufgetragen!“
„Mögen Sie mir meine Aufkündigung geben, wenn Sie wollen, aber ſeitdem das Fräulein engliſch lernt, geht im Hauſe alles drüber und drunter. Ich, ich ver⸗ geſſe alles!“
„Viktorine! Viktorine!.
„Ich bin auf alles gefaßt.“
„Reichen Sie mir meinen Oberrock.“
„Da iſt er, Herr.“
„Und gehen Sie aufmachen, ich glaube, man hat geläutet.“
„Ich geh' ſchon, Herr.“
„Aber geben Sie doch Acht, Unglückliche, Sie hätten bald den Tiſch umgeworfen.“
Hr. Paravant lallein).„Dieſes Mädchen iſt toll aber ich behalte ſie, weil ſie eine gute Eigenſchaft hat: ſie iſt nicht in die Turkos vernarrt; denn wahrlich, mit dem Jahre 1863, von wo an immer ein Bataillon ſchwarzer Wüſtenſöhne in Paris ſtationiren wird, iſt eine neue Land⸗ plage mit eingezogen: alle Bonnen haben den Kopf arabiſch verrückt.“
Viktorina(zurückkommend).„Herr, es iſt der Profeſſor.“
„Sehr gut..H'er laufe in den Hafen ein. Gehen Sie und benachrichtigen Sie meine Frucht.“
geben Sie Acht.“
„Was für eine Frucht?“ „Meine Tochter, Sie Alberne!“ „Das iſt wahrſcheinlich auch eine engliſche Aus⸗ drucksweiſe. Ich kenne mich wirklich nicht mehr aus!“ (Eintritt des Proſeſſors Jackſon.)
Jackſon.„Maſter Paravant, ich bin der Ihrige.“
„Mein Herr, ſeien Sie verſichert, daß das Vergnügen ganz meinerſeits iſt.“
‚Unſer Zögling iſt unwohl?“
„Nein, Gott ſei Dank! ſie kommt in einigen Sekunden herunter; wenn Sie ſich niederſetzen wollten?“
„Think you, sir.“
„Wie beliebt?“
„Ich ſage Ihnen: danke, mein Herr.“
„Ach! ſo! zu gütig.. Wollen Sie nicht etwas genießen?“
„Ich danke, ich komme eben vom Frühſtück.“
„Ach! hier iſt meine Tochter.“
(Eintritt der Tochter.)
Die Tochter.„Guten Morgen, Papa.“(Zu Hrn. Jakſon, indem ſie die Augen niederſchlägt.)„Herr Jakſon...“
„Fräulein?
Hr. Paravant.„Werden Sie alſo anfangen?“
„Ich bin ganz bereit.“
„Ich genire Sie nicht?“
„Im Gegentheil.“
„Wiſſen Sie, es wäre mir nicht unlieb, einige Worte im Fluge zu erhaſchen. Das würde mir im Kaffee⸗ hauſe unter meinen Bekannten ein Anſehen geben. Denn jetzt ſpricht alle Welt engliſch.“
„Das iſt wahr.“
„Es iſt ſchon ſo in unſere Sitten übergegangen. Zu meiner Zeit dachte man nicht einmal daran. Ich getraue mich ſogar zu ſagen. man verabſcheute dieſe Sprache. Schauen Sie, ich muß es Ihnen wohl geſtehen, Herr Jackſon, Sie ſind ein Engländer, es wäre mir ſehr leid, Ihnen nahe zu treten, aber Ihre Landsleute ſind immer die Feinde unſeres ſchönen Vaterlandes geweſen.“
„Entſchuldigen, aber Ihr ſchönes Vaterland hat es uns wohl zurückbezahlt...“
„Wollten Sie vielleicht, daß es Ihre Grauſamkeiten mit Liebkoſungen entgelten ſollte?“
„Nein, aber...
Die Tochter.„Alſo gut! Jetzt werdet ihr wieder Politik reden während meiner Lektion; wenn ihr glaubt, daß ich auf dieſe Art lernen werde...“
Hr. Paravant.„Erlaube, meine Tochter, ich verthei⸗ dige die Ehre Deines Landes.“
„Fräulein, ich vertheidige die des meinigen.“
Die Tochter.„Alſo werde ich fortgehen.“
Hr. Paravant.„Mit einem Worte, Herr Jackſon, England hat unſere Jungfrau von Orleans verbrännt!“
„Iſt es auch hinlänglich bewieſen?“
„Wie, ob es bewieſen iſt!... es gibt kein einziges Kind, daß es Ihnen nicht beſtätigen würde.“
„Es war dies Krieg nach Recht und Billigkeit.“
„Krieg nach Recht und Billigkeit, eine ſchwache Frau zu verkohlen! Und die Galanterie, junger Mann, nichts anderes als die Galanterie berückſichtigt...
„Im Kriege gilt Galanterie nichts. ſie hatte uns zehn tauſend Mann getödtet.“
„Iſt es auch hinlänglich bewieſen?“
„Es gibt keinen Einzigen, der es nicht gewiß wüßte.
„Sie hatte ſie getödtet, angenommen; ich räume Ihnen dieſes ein... aber es waren dies Männer, ſie konnten ſich vertheidigen, wo hingegen ſie.
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„Eine Frau! bedenken Sie doch, junger Mann, eine Frau lebendig verbrannt! Die Ritterlichkeit allein ſträubte ſich gegen einen ſolchen barbariſchen Akt.“
„Die Ritterlichkeit, das iſt Ihnen leicht. zu ſagen; Sie hätten ſo gehandelt wie wir, Sie..


