, Feuilleton. Wo⸗
Allerlei.
König Friedrich Wilhelm IV. hatte die vorma⸗ lige Abteikirche zu Altenberg— Rheinprovinz— herſtellen laſſen und ſie zum Gebrauch beider Konfeſſionen beſtimmt. Es war daher auch der Altar mit einem Chriſtusbilde, von den Apoſteln umgeben, geſchmückt worden. Katho⸗ liſcherſeit wurde jedoch vor kurzem der Erlöſer durch ein Marienbild, zu Ehren des Dogmas der unbefleckten Empfängniß, erſetzt. Sobald die Regierung davon Kennt⸗ niß erhielt, iſt dieſes eigenmächtige Verfahren durch Her⸗ ſtellung der alten Ordnung beſeitigt worden.
In der italieniſchen Maurerei herrſcht Zwieſpalt. Von den etwa 8000 italieniſchen Maurern in 60 Logen arbeiten 5000 nach franzöſiſchem, die übrigen nach ſchotti⸗ ſchem Ritus. Letztere ſind es, die Garibaldi zum Groß⸗ meiſter gewählt haben, worauf viele, welche in den Logen keine National⸗Agitation dulden wollen, ausgetre⸗ ten ſind. Zur Ausgleichung hat Garibaldi eine Tagſatzung nach Palermo ausgeſchrieben, allein die Turiner Loge und andere weigern ſich, ſolche zu beſchicken, und man zwei⸗ felt überhaupt, daß in Palermo eine Verſtändigung be⸗ wirkt werden wird.
Die Regierung von Nicaragua hat mit dem eng⸗ liſchen Kommandeur Bedford Pim einen Vertrag über den Bau einer Eiſenbahn zur Verbindung der beiden Oceane geſchloſſen. Die Bahn wird von Monkey Point am At⸗ lantiſchen Meere längs des Nicaragua⸗ und Managna⸗ ſees nach Leon am Golf von Fonſeca im Stillen Ocean geführt. Zu Herkulesbad bei Mehadia im Banat iſt im Mai ein ſehr intereſſanter Münzenfund gemacht worden. Beim Erdabgraben in der Nähe der zur Demolirung be⸗ ſtimmten griechiſch⸗orientaliſchen Kirche entdeckte ein Ar⸗ beiter ein irdenes Gefäß und man fand in demſelben nahezu 2000 Stück ſehr wohlerhaltene römiſche Silber⸗ münzen, von denen merkwürdigerweiſe jedes ein anderes Gepräge trägt, ſo daß man annehmen kann, man habe hier eine wahrſcheinlich zur Zeit der Türkenkriege ver⸗ grabene Münzſammlung vor ſich. Der Schatz iſt leider von vem Finder in kleinen Partien an Private verkauft worden.
Von dem berühmten Steine„Zodiacus“, der als Antiquität der mexikaniſchen Urzeit in einer Wand der Kathedrale von Mexiko eingemauert iſt, hat Marquis v. Montholon einen Abdruck in natürlicher Größe nehmen laſſen und mit anderen Alterthümern für das kaiſerliche Muſeum nach Paris geſandt.
In Oſtia ſind auch dieſen Winter wieder die alljährlichen Ausgrabungen vorgenommen worden; da ſie aber hauptſächlich in der alten Nekropolis geſchahen, ſo konnte die Ausbeute natürlich faſt nur in Grabſchriften beſtehen. Am gegenüberliegenden Tiberufer zu Porto, den alten Hafenanlagen der Kaiſer Claudius und Trajan, ließ der Fürſt Torlonia zur Bereicherung eines eben an⸗ gelegten Muſeums nachgraben. Außer verſchiedenen ſehr beſchädigten Statuen förderte man ein höchſt intereſſantes Relief an's Licht, welches das Innere eines reich mit Koloſſalſtandbildern verzierten Hafens darſtellt, den man an dem hinten erſcheinenden Leuchtthurm und ſeiner Lage im Verhältniß zu den Hafendämmen leicht als eine Ab⸗ bildung des von Claudius angelegten Hafens ſelbſt er⸗
Erinnerungen. 88. Bd. 1864.
kennt, wie ihn uns die Alten beſchreiben und ſeine Ueber⸗ bleibſel erkennen laſſen. Vorn befinden ſich Schiffe; das eine rechts iſt eben angelangt und wird ausgeladen, das andere links, deſſen Segel das Bild der Wölfin mit den Zwillingen und auf der Spitze des Maſtes und dem Hinterdeck der Statue der Victoria zeigt, ſteht im Be⸗ griff auszulaufen. Auf dem Verdeck wird ein Opfer dar⸗ gebracht; eine daneben ſtehende Frau zeigt den Kopfputz der römiſchen Damen aus dem Ende des 2. oder Anfang des 3. Säkulums n. Chr., was wegen der Zeitbeſtim⸗ mung von Bedeutung iſt.
Zu Lezardeau im franzöſiſchen Finiſtéredepartement beſteht ſeit 1861 eine Bewäſſerungſchule, über deren Wirk⸗ ſamkeit wir unſeren Leſern nach Pariſer Blättern einige intereſſante Einzelnheiten mittheilen können. Die Grund⸗ ſtücke, auf denen die Zöglinge von Lézardeau ihre prakti⸗ ſchen Erfahrungen ſammeln, enthalten Abhänge und Flächen verſchiedener Lage und Richtung. Eingetheilt ſind dieſel⸗ ben in drei Meiereien, von denen jede zwei Schulſtationen enthält— eine zum Getreide⸗ und Futterkräuterbau, eine andere zum Bau von temporären und permanenten Wieſen, die eine verſchiedenartige Bewäſſerung erfordern. 43 Teiche, Becken und Behälter ſind zur Aufnahme des zu verwen⸗ denden Quell⸗ und Regenwaſſers, ſo wie des flüſſigen Düngers beſtimmt. Die Bewäſſerung geſchieht zu jeder Jahreszeit. Die Art und Weiſe derſelben richtet ſich nach der Bodenfläche, und kommen dabei verſchiedene Verthei⸗ lungs⸗ und Schonungsmethoden in Betracht. Das Quell⸗ und Regenwaſſer geſtattet die Bewäſſerung aller, auch der höchſtgelegenen Bodenflächen. Die zur Drainage ge⸗ hörenden Arbeiten erfolgen nach und nach und werden über mehre Jahre vertheilt. Einen beſtändigen vielſeitigen praktiſchen Unterricht hingegen erheiſcht die Verwendung der verſchiedenen Düngerarten. Jede Bodenfläche ſowohl wie jeder Waſſertropfen, jede Bodenſorte wie jede Kulturart iſt Gegenſtand einer neuen, nützlichen, ökonomiſchen Anwen⸗ dung. Hierbei hat alles, auch das geringſte, ſeinen Zweck und nichts wird praktiſch zur Ausführung gebracht, wobei nicht die Zöglinge an Erfahrung gewännen. Die, na⸗ mentlich in der Bretagne, zur Verbeſſerung des Bodens erforderlichen Kalkerden bilden den Gegenſtand eines be⸗ ſonderen Unterrichts. Sämmtliche in den Küſtengegenden des Kaiſerreichs von der Landwirthſchaft benutzten Sand⸗ oder Erdarten werden im Laboratorium der Schule ana⸗ lyſirt und geprüft. Stallungen, nach neuen, ſehr ſinnreichen Entwürfen an verſchiedenen Punkten der Domäne errichtet, geſtatten, ſei es behufs des Futterkonſums oder zur Frucht⸗ barmachung der Wieſen vermittels flüſſigen Düngers, das Einpferchen der Herden auf den verſchiedenſten Punkten und zu jeder Jahreszeit. Das Lehrperſonal be⸗ ſteht in einem Direktor, einem Lehrer der in Anwendung kommenden Wiſſenſchaften, einem Profeſſor der Thier⸗ arzneikunde, einem Unterweiſer in der praktiſchen Land⸗ wirthſchaft, einem Bewäſſerungsaufſeher und einem Ge⸗ müſegärtner. Die Bewäſſerungsſchule von Lépardeau dürfte durch die Heranbildung tüchtiger landwirthſchaft⸗ licher Kräfte namentlich dann ihren großen Nutzen be⸗ währen, wenn ernſtlich zur Benutzung der 400.000 Hektare in der Bretagne brach liegenden Landes geſchritten wird.
Auf Koſten der Officiere des in Schleswig ſtehen⸗ den öſterreichiſchen Armeekorps werden zwei Grabdenk⸗ mäler für die gefallenen öſterreichiſchen Mannſchaften bei
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