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56 Literatur und Kunſt.
entzündlichen Fiebern, fieberhaften Hautausſchlägen und bei verſchiedenen Krankheiten der Verdauungsorgane an. Die leichte Diät paßt für Leute, welche an Ent⸗ zündungen, an Blutandrang nach edleren Organen, an Blutwallungen und Gicht leiden und Anlage zum Schlag⸗ fluß haben; ſie beſteht aus leicht verdaulichen Pflan⸗ zenſtoffen, aus Weißbrod, Milch, Molken, Buttermilch, ſchleimigen Getränken und Waſſer. Ihre ſtrengſte Form iſt die ſogenannte Hungerkur. Die plaſtiſche Diät, Fleiſch, Eier, Bier, Wein, Chokolade verordnet man nach ſchweren Krankheiten und bei ſkrophulöſen, waſſer⸗ ſüchtigen, blutarmen Menſchen.
Das Kapitel von des Menſchen Nahrung und Nothdurft iſt ein hochwichtiges Kapitel. Die Menſchen ſagen in der Regel:„Der und der hat ſein Brod“ und meinen damit, daß er ein gemachter Mann ſei, und er gilt für glückich. Aber Brod, zu leben und ſein Aus⸗ kommen, ſogar noch viel mehr zu haben und ſehr reich ſein, in Amt und Würden ſtehen, zärtlicher Gatte und Vater ſein— das Alles iſt keinen falſchen Silbergro⸗ ſchen werth, wenn man keinen guten Magen hat und alſo ſchlecht verdaut. Was iſt der Menſch ohne Appe⸗ tit? Was für ein elender, armer, unglückſeliger Mann i*ſt der Millionär ohne Geſundheit! Unſer Hauptlebens⸗ glück hängt von der Geſundheit ab, und dieſe wieder vom Magen, von der Verdauung. Die vielen Leiden des Lebens, die auch den Glücklichſten nicht ganz ver⸗ ſchonen, werden alle unendlich größer, ja oft unerträg⸗ lich, blos weil uns eine unverdaute Mahlzeit im Magen liegt. Der Held, geſund, ein Herkules voll Kraft und Todesverachtung, wird zum Feigling durch ſchlechte Verdauung. Durch Indigeſtionen werden Mücken von Unannehmlichkeiten zu Elephanten. Der ſchlechte Magen erzeugt Quälgeiſter der Phyantaſie, welche mehr peini⸗ gen, als den Geſunden eine Reihe wirklicher Unglücks⸗ fälle. Gegen dieſes Elend gibt es als erſtes und haupt⸗ ſächlichſtes Heilmittel nur eine richtige Vorſtellung von den Bedingungen aller Geſundheit, der Verdauung. Uebrigens hat jeder Menſch nicht nur ſeinen Kopf für ſich, ſondern er beſitzt auch ſeinen eigenen Magen, der wieder ſeinen Kopf, ſeine Launen, ſeine„Idioſynkra⸗ ſien“ für ſich hat. Jeder Menſch muß durch Eſſen eſſen lernen, muß ſich ſelbſt genau beobachten, an ſich ſelbſt die nöthige Erfahrung machen, welche durch allge⸗ meine wiſſenſchaftliche Ermittelungen nur geleitet und auf den rechten Weg geführt werden kann.
Literatur und Kunſt.
— Karl Witte macht in Hinſicht auf das in den Mai des künftigen Jahres fallende Dante⸗Jubiläum den Vorſchlag zu einer in Deutſchland zu gründenden Dante⸗ Stiftung. Als Grundzüge dieſes Planes werden die Ein⸗ richtung einer möglichſt vollſtändigen Dante ⸗Bibliothek, ferner die Herausgabe einer in zwangloſen Heften zu publicirenden Zeitſchrift bezeichnet, in welcher letztern wahrhaft neue Ergebniſſe von Dante⸗Forſchungen nieder⸗ gelegt, die neue Dante⸗Literatur beſprochen und Fragen und Vorſchläge in dieſer Sache gemacht würden. Als
dritten Punkt erwähnt Witte, wie wünſchenswerth es wäre, wirklich kritiſche Ausgaben der kleineren Schriften des Dichters zu erlangen und ſchlägt zur Erreichung dieſes Zweckes vor, von Zeit zu Zeit einen mit gehörigen Mitteln ausgeſtatteten jungen Gelehrten zu derartigen Forſchungen über die Alpen zu ſenden.
— Von dem Buchhändler Behrend in Berlin er⸗ geht eine Aufforderung an alle deutſchen Verleger, den widerrechtlichen Abdruck literariſcher Erzeugniſſe, als No⸗ vellen ꝛc., in Tages⸗ und Wochenblättern ſtreng zu ver⸗ folgen; die hierdurch gerichtlich erlangten Entſchädigun⸗ gen ſollen dem Unterſtützungsvereine für hilfsbedürftige Buchhändler in Berlin zufließen. Dem Vorſchlage iſt der beſte Erfolg zu wünſchen.
— Der neueſte Roman von Charles Dickens:„Unſer gemeinſamer Freund“, der in Monatslieferungen erſcheint, verſpricht dem Verfaſſer einen reichen Ertrag. Am zweiten Tage nach dem Erſcheinen der erſten Lieferung waren bereits über 40.000 Exemplare verkauft. Schon die erſten Kapitel zeigen, daß das Werk des berühmten Hu⸗ moriſten einen entſchiedenen Gegenſatz zu den gegenwärtig Furore machenden Senſationsnovellen der Damen Braddon und Blount, des Wilkie Collins u. a: bilden wird. Was die humoriſtiſche Auffaſſung und Schilderung des that⸗ ſächlichen Lebens betrifft, ſo ſcheint Dickens ſich ſelbſt übertroffen zu haben. Eine von Marie Scott beſorgte deutſche Ueberſetzung dieſes neueſten Romans von Dickens, mit den Illuſtrationen des Originals, erſcheint im Verlage von J. J. Weber in Leipzig.
— Moſenthal's„Deborah“ hat einen Erfolg gehabt, wie nicht leicht ein anderes dramatiſches Werk unſerer neuern Dichterſchule; das Stück iſt in mehre fremde Sprachen überſetzt und auf vielen ausländiſchen Bühnen gegeben worden. Gegenwärtig wird es ſogar zu einem italieniſchen Opernlibretto verarbeitet. Ein gewiſſer Mar⸗ cello hat den Text geliefert und Schira komponirt die Oper, von welcher zwei Akte bereits vollendet ſind.
— Der in Paris kürzlich verſtorbene Muſikkritiker Fiorentino, welcher die Theaterkritiken für den Moniteur, die France ꝛc. ſchrieb, hat ein Vermögen von nahezu 1 Mill. Fr. hinterleſſen, eine Thatſache, die unſere deutſchen Muſikkritiker gewiß höchlich überraſchen wird. Außerdem beſaß er eine reiche Sammlung von Kunſtſchätzen aller Art, zu der faſt alle Künſtler und Komponiſten, die in den letzten zwanzig Jahren in Paris geweſen ſind, ihr Scherflein beitrugen. Fiorentino ward von den Oper · direktoren, den Komponiſten und Künſtlern gleich ge⸗ fürchtet und beſchenkt. Er war von Geburt ein Sicilianer.
— Die Eſterhazy⸗Galerie in Wien, von deren Ueber⸗ ſiedelung nach Peſt kürzlich die Rede war, bleibt zum wenigſten noch ein Jahr lang an erſterem Orte. Das neue Peſter Muſeum, welchem die Sammlung einverleibt wird, kann erſt im Herbſt vollendet werden; dann errſcht auch die Beſorgniß, die Kunſtwerke könnten durch die Aufſtellung in den noch nicht gehörig ausgetrockneten Räumen Schaden leiden, ſo daß die Wiener noch für einige Zeit im Genuß der Sammlung bleiben.
— Zur Beſchaffung der Mittel zu einem Denkmal für Raphael Mengs in Auſſig will man die berühmte Madonne in der dortigen Dekanalkirche photographiren laſſen, ferner die Herausgabe einer Biographie des Künſtlers veranlaſſen, zu welcher Herr Cruzade Vilaamil in Madrid nach ſeiner Zuſage ſchätzbares Material liefern wird. Endlich ſoll auch eine Gemäldelotterie veranſtaltet werden, weshalb man ſich an verſchiedene Kunſtvereine und Künſtler zur Widmung von Gemälden zu wenden gedenkt.
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