Feuilleton.
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Was die Linke gibt, ſoll die Rechte nicht wiſſen.
„Was das ſoll, will ich Ihnen mit kurzen Worten bedeuten,“ antwortete ich dem Lieferanten, welcher der deutſchen Sprache ziemlich mächtig war.„Das iſt ein Stück von dem Fleiſch, wie Sie es ſchändlicher Weiſe unſern Soldaten ſtets geliefert haben. Wir luden Sie ein, damit Sie es jetzt ſelbſt koſten ſollten.“
Das Geſicht des Kerls verfärbte ſich bedeutend bei dieſer Antwort, und ſeine bis dahin ſo frohe Weinlaune verſchwand erſichtlich, während ſeine Gattin einen ſchmach⸗ tend fragenden Blick auf den Polen warf, bei dieſem aber auch nur ein ſpöttiſches Lächeln entdeckte. Der Au⸗ genblick der bitterſten Enttäuſchung für das würdige Ehe⸗ paar hat begonnen, für uns Officiere aber war der der ſo lang erſehnten Rache endlich erſchienen⸗
„Soll dies eine Beleidigung für mich ſein, ſo ver⸗ bitte ich mir eine ſolche, ich ſehe überhaupt ein, daß ich beſſer thue, eine derartige Geſellſchaft zu meiden,“ ſchrie der Lieferant in zornigem Tone und wollte vom Tiſche aufſpringen.
„Halt, nichts da, bleibens ruhig ſitzen und verſpei⸗ ſens bald das Fleiſch, was Sie für unſere Soldaten gut genug hielten,“ entgegnete der Wiener Hauptmann, ſein breites, rothes Geſicht dabei zu einem freundlichen Grin⸗ ſen verzerrend und ſeinen fuchsblonden Schnauzbart mit der Hand zwirbelnd.„Es hilft Ihnen Alles nichts, Sie
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ſind einmal in die Falle gegangen und nun in unſerer Gewalt. Alſo entweder Sie eſſen das Fleiſch bis auf das letzte Häppchen, oder wir rufen unſere Soldaten und ſa⸗ gen: Seht, Burſche, das iſt halt der ſchändliche Kerl, der Euch ſeit Wochen ſchon betrogen hat, und dem es gleich iſt, ob Ihr davon krank werdet wenn er nur die blanken Dollars, um die er dabei die Kaſſe betrogen hat, in die Taſche ſchieben kann. Was aber Ihr Schickſal wird, wenn Sie in die Hände unſerer Soldaten fallen, das können Euer Gnaden ſich halt ſelber ſagen. Gelyncht werden Sie, Herr, gelyncht, bis an den Hals in ein Theer⸗ faß geſteckt, dann mit Federn beſtreuet und ſo mit Schand und Spott aus dem Lager gejagt. Ha, ha, ha, das wird halt a recht luſtiger Spaß werden,“ fuhr er lachend weiter fort, und ſein Auge zwinkerte dabei vor Bosheit und Vergnügen.
Wer beſchreibt nun die Scene, die da weiter folgte! Der Lieferant tobte, fluchte, drohte mit Anzeige; Alles vergebens; er legte ſich auf Bitten und Verſprechungen, es half dies auch nichts, überall begegnete er den kalt ſpöttiſchen Geſichtern von uns Officieren. Seine holde Gattin ließ die ſchmachtend⸗feurigſten Blicke umherſchie⸗ ßen, aber ſie prallten wirkungslos an unſeren Marmor. herzen ab. Der Pole hatte ſich abſichtlich jetzt leiſe hin⸗ ausgeſchlichen, ſie rang oerzweifelt die zarten Hände,


