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Feuilleton. 127
Die Höflichen. Ein Schwurgerichtspräſident fragte 1 auf der Reiſe einen Wandersmann nach dem Wege⸗ Die⸗ ſer gab die nöthige Auskunft und fügte hinzu:
„Ich habe die Ehre, Sie zu kennen, Herr Präſident, denn ich ſtand einmal wegen Schafdiebſtahls vor dem Schwurgericht.“
„Ich erinnere mich Ihrer wie geht es Ihrer Frau? Ich hatte damals die Ehre, dieſelbe gleichfalls kennen zu lernen, denn ſie war der Mitwiſſenſchaft beſchuldigt.“
„Zu dienen, Herr Präſident. Wir wurden Beide glücklicher Weiſe freigeſprochen, und ich ſetze meinen Vieh⸗ handel fort.“
.„Nun, dann werde ich wohl die Chre haben, Sie recht bald wieder vor Gericht zu ſehen.“
In einem Pariſer Kriminalproceß war der An⸗ geklagte ſchlecht vertheidigt worden. Als der Advokat geendet, fragt der Präſident den Angeklagten:„Habt Ihr noch etwas zu Eurer Vertheidigung vorzubringen 2 An⸗ geklagter:„Ich bitte die Herren Geſchworenen, Nachſicht mit meinem Vertheidiger zu haben.“
Ein liebender Ehegatte klagte einem Arzt, daß ſeine Fran an den Augen litte.„Gebt ihr alle Morgen ein kleines Glas Branntwein, mit dem mag ſie ſich die Augen waſchen,“ verordnete der Doktor. Einige Wochen darauf traf dieſer den Gemal und fragte:„Hat Ihre Frau meinen Rath befolgt?“—„Sie hat es verſucht, Herr Doktor, allein ſie konnte das Glas nie höher als bis an den Mund bringen.“
Der Kaufmann W. in F. hatte ein ſehr häßli⸗ ches, aber reiches Mädchen zur Frau genommen. Man warf ihm dieſe üble Wahl vor.„Wundert Euch nicht darüber,“ ſagte er,„ich habe ſie, wie altes Silber, nach dem Gewichte genommen; die Fagon habe ich umſonſt.“
Ein neugewählter Direktor, deſſen Bildniß nach dem eingeführten Brauche im Hörſaale aufgehängt wurde, hielt folgende Anrede an ſeine Schüler:„Ich bin von armen Eltern, aber durch Fleiß und Ausdauer habe ich es dahin gebracht, daß man mich nunmehr in Eurer Schule aufhängt. Ich erwarte von Euch daß Ihr nach gleichem Ziele ſtreben werdet!“
Der berühmte Herzog von Marlborough war geizig bis zur Niederträchtigkeit. Geld zuſammen zu ſcharren war ihm eine Wolluſt, der er nicht widerſtehen konnte und er erröthete nicht, ſelbſt vor den niedrigſten Mitteln. Einſt bat ihn Jemand um eine einträgliche Stelle. Da er des Herzogs Geiz kannte, ſo ſogte er ihm ohne Umſchweife: „Gnädiger Herr, wenn ich die Stelle erhalte, ſo können Sie nach Gefallen über tauſend Guineen disponiren, und ich gebe mein Ehrenwort, keinem Menſchen das Mindeſte davon zu ſagen.“—„Weißt Du was?“ erwiederte Marl⸗ borough,„gib mir zweitauſend Guineen, die Stelle iſt es werth, dann geh' und wenn es Dir Spaß macht, ſo ſag' es allen Leuten.“
Malesherbes aß eines Tages mit dem Biſchof von Rouen, der ſehr ſchlecht predigte.— Kaum war die Mahl⸗ zeit vorbei, ſo ſchlief der Dichter ein, ward aber von dem Biſchof aufgeweckt, um mit ihm in die Kirche zu gehen und ihn predigen zu hören.„Bitte, entſchuldigen Sie mich“ erwiederte Malesherbes, ich kann hier eben ſo gut ſchlafen.“
Eine Tänzerin warf einer Kollegin die Klein⸗ heit ihrer Statur vor und meinte, ſie meſſe ja kaum vier Fuß.„Dagegen,“ erwiederte dieſe,„haben Sie freilich einen Fuß, der für viere mißt!“
Ein Schwank aus dem nordamerikaniſchen Bürgerkriege.
In den Kriegsbildern aus dem nordamerikaniſchen Bürgerkriege, welche nach den Tagebüchern eines in der Unionsarmee dienenden früheren preußiſchen Officiers von J. v. W. bearbeitet ſind, erzählt derſelbe unter Anderm:
Bei der in unſerm Lager herrſchenden Unordnung und dem gänzlichen Mangel an jeglicher ſtrengen Hand⸗ habung der Disciplin mußte ſich jeder einzelne Befehls⸗ haber ſo gut wie möglich ſelbſt zu helfen ſuchen. Eine Menge ganz eigenthümlicher und zum Cheil höchſt lächer⸗ licher Scenen, die man in Deutſchland kaum für mög⸗ lich halten würde, kamen hierbei vor. So war ich per⸗ ſönlich Augenzeuge oder richtiger Theilnehmer von einem Auftritte, der ſo charakteriſtiſch iſt, daß ſeine nähere Schil⸗ derung vielleicht der Mühe werth ſein dürfte.
Die Soldaten meiner eigenen und die einer ande⸗ ren Kompagnie unſeres Bataillons, die ebenfalls von einem deutſchen Hauptmann befehligt wurde, die wir zu⸗ ſammen längere Zeit detachirt am Potomac lagerten, be⸗ klagten ſich bitter daß das uns gelieferte Pöckelſchweine⸗ fleiſch zum Theil ſo verdorben ſei daß man es ſelbſt beim größten Hunger nicht genießen könne. Wir Haupt⸗ leute, die wir nach guter deutſcher Sitte uns in jeder Hinſicht möglichſt um das Wohl unſerer Untergebenen zu bekümmern beſtrebten, unterſuchten dieſe Beſchwerde nun genauer und fanden ſie leider nur zu begründet. Und für dieſes entſetzlich verdorbene Zeug mußte Uncle Sam dem Lieferanten einen ſo hohen Preis bezahlen, daß man da⸗ für leicht das beſte Roaſtbeef hätte kaufen können. Eine Zeit lang ſuchten ſich unſere Soldaten für die ungenieß⸗ baren Fleiſchrationen dadurch zu entſchädigen, daß ſie einem benachbarten Farmer ohne Weiteres ſeine lebendi⸗ gen Schweine todtſchoſſen und ſolche mit gutem Appetit verzehrten, welches Treiben wir Officiere denn auch no⸗ lens volens geſchehen laſſen mußten, da wir keine Mit⸗ tel hatten, es zu verhindern. Auf die Länge ging aber doch ſolch' Plünderungsſyſtem nicht an, weil unſere Kom⸗ pagnien dabei zuletzt zu Räuberbanden ausgeartet wären, und wir mußten daher ſuchen das Uebel möglichſt wie⸗ der abzuſtellen. Das ſicherſte Mittel hierzu war aber, unſeren Soldaten genießbare Fleiſchrationen zu verſchaf⸗ fen. Wie aber dies anzufangen ſei, das war die ſchwere Frage, die guten Rath theuer machte. Auf dem gewöhn⸗ lichen Wege der Beſchwerde, wie in jedem andern gut org aniſirten Heere, war hierin auch nicht das Allermin⸗ deſte zu erreichen; dies wußten wir ſchon aus vielfacher eigener Erfahrung. Unſer Oberſt, der Chrenmann, der früher bereits Advokatenſchreiber, Viehhändler und Eiſen⸗ bahnunternehmer geweſen war, bis er auf den Gedanken kam, es ſei das beſte Geſchäft, bei dem in jetziger Zeit am meiſten Geld verdient werden könne, wenn er ſich die Stelle eines Oberſten eines New⸗Yorker Freiwilligen⸗Re⸗ giments erſchwindelte, ſteckte ſicherlich mit dem ſchurki⸗ ſchen Lieferanten unter einer Decke. Er bekam ſeine Pro⸗ cente von dem Betruge, ſtrich wohlgefällig die blanken Dollars ein und es war ihm vollſtändig gleichgiltig, ob nun viele Soldaten von dem Genuſſe des verdorbenen Fleiſches erkrankten oder ſtarben. Im Gegentheil ſogar, ein großer Verluſt an Todten konnte für den Oberſt, ſei⸗ nen Adjutanten und den Quartiermeiſter, die zuſammen ein würdiges Kleeblatt bildeten, was jedem Galgen zur größten Zierde gereicht haben würde, vielleicht ſogar eine erwünſchte Quelle des Gewinnes abgeben. Die lebenden Soldaten forderten ſicherlich ihre Soldrückſtände, für die Hinterbliebenen der Geſtorbenen war dies aber ſchon un⸗ gleich ſchwieriger, und ſo konnten die Verwalter der Re⸗
imentskaſſe vielleicht hoffen, auch hierbei wieder etwas 8 ihre eigenen Taſchen zu ergaunern, was ja überhaupt der einzige Zweck war, um deſſentwillen ſie jetzt die Uni⸗ form angelegt hatten. Auch eine Beſchwerde höheren
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