Jahrgang 
1864
Seite
28
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26 Feuilleton.

Uebergang. Wohl können wir nun mit Recht von einer heißen und zwei gemäßigten Zonen ſprechen; doch bleibt es, bei unſern geringen Kenntniſſen von den beiden Polargegenden, gewagt, eine beſtimmte Anzahl von Po⸗ larzonen aufzuſtellen. Die Linie, gleichſam der Grenz⸗ kordon, die das gedeihliche Klima unſerer gemäßigten Zone und die exceſſive, vernichtende Kälte der polaren heilſam auseinander hält, heißt nicht unpaſſend der Polarkreis.

Halten wir uns nun das Geſetz der Ausdehnung der Körper in der Wärme vor den Augen, ſo werden wir nebſt andern geographiſchen Problemen, begreifen lernen, warum um den Aequator die Erde am breiteſten, warum die Parallelkreiſe ſo mächtig anwachſen, und die Meri⸗ diane eben hier ſo weit auseinandergehen.

Damit die Harmonie des Weltgebäudes, insbeſondere das Ebenmaß und das Gleichgewicht unſerer lieben Erde in nichts geſtört werde, hat die weiſe Vorſehung unſern Planeten in zwei vollkommen gleiche Hälften getheilt, von denen die rechts gelegene die öſtliche, die linke hin⸗ gegen die weſtliche Halbkugel genannt wird. Zudem er⸗ hielten ſie die Beſtimmung, ſich in Tag und Nacht ab⸗ wechſelnd abzulöſen, wodurch die harten Mühen der Tagesarbeit von den Schultern der einen Hälfte des Menſchengeſchlechts auf die der andern abwechſelnd über⸗ tragen werden. So hat eine gütige Fürſorge das Princip der Theilung der Arbeit im Großen durchgeführt. Die Bewohner der einen Halbkugel nennen ſeit jeher jene der andern ſpottweiſe Gegenfüßler, und lächeln über deren umgekehrte Stellung. Es iſt aber allenfalls thöricht von uns, über die abſurde Körperſtellung unſerer Gegen⸗ füßler zu ſpotten, da dieſe, nach ihrer Ueberzeugung, unſere aufrechte Haltung mitleidig belächeln dürften. Nebenbei bemerkt, gilt ja dieſes Princip der Gegenfüßlerei auch von den ſeligen Bewohnern der Himmelskugel, und ferner ſagt ſchon ein altes Sprichwort: Was du nicht willſt, daß dir geſchehe, daß thue auch keinem andern nicht.

Unſere Erde iſt ferner durch den Aequator in eine nördliche und eine ſüdliche Hälfte abgeſchnürt, welche Einrichtung wiederum zur gegenſeitigen Ablöſung in den Semeſtern getroffen iſt. Beiſpiele: im Norden 1. Januar, im Süden 1. Juli; im Norden Oſterferien, im Süden Einſchreibungen für's Winterhalbjahr; bei den Samojeden⸗ Peter und Paul, bei den Petſcheräh's Weihnachten.

Vierte Lektion.

Die allgemeine Erdkrume.

Die Oberfläche der Erde iſt nicht überall wie bei uns, blos Landſchaft und Gegend, ſondern ſie iſt auch, und ſogar meyhrſtentheils, mit Waſſer bedeckt. Wo dieſes ſo recht zu Hauſe, und in ſeinem Elemente iſt, heißt es Meer, und wird allda zu Seeſchlachten, Häring⸗ fang, Auswanderungen und was dergleichen mehr iſt, be⸗ nützt; während das ſogenannte feſte oder trockene Land den Landthieren, dem Landheer, den Großgrundbeſitzern und den übrigen Menſchen zum Wohnſitz angewieſen und unter die verſchiedenen Potentaten vertheilt iſt.

Anmerkung. Dieſe ſogenannte politiſche Einthei⸗ lung iſt ſeit denLondoner Verträgen für ewige Zeiten feſtgeſtellt und geſichert.

Das Feſtland zerfällt in fünf Welttheile, wozu ſich noch ein ſechster im äußerſten Süden beigeſellt, der je⸗ doch noch nicht entdeckt iſt. Der älteſte heißt Aſien; dann wurden, der Reihe nach, Afrika durch die Egyptier, Europa durch die Gebrüder Czech und Lech, Amerika durch ſpaniſche Auswanderer, und Auſtralien durch Paul de Kock erfun⸗ den. Europa hat die Geſtalt einer ſchmachtenden Jung⸗ frau, an welcher unter anderm Portugal das Häubchen, Oeſterreich die Schürze und Griechenland einen der niedlichen Schuhe darſtellt, während der andere

ſich unter die weite Krinoline, Rußland, ſpurlos zurück⸗ zieht. Die andern Welttheile haben keine Geſtalt.

Gegenden mitten im Waſſer heißen Inſeln, und werden meiſt von Inſulanern bewohnt. Oft gehören ihrer mehre zuſammen, z. B. ſämmtliche Inſeln Ihrer Majeſtät der Königin von England. Hängt eine Inſel mit dem Feſtlande zuſammen, ſo heißt ſie Halb⸗ inſel, z. B. Schleswig, welches blos durch einen Grenz⸗ fluß, die Eider, mit Hoiſtein in Verbindung ſteht. Je ſchmäler die Halbinſel, deſto mehr heißt ſie Landzunge. Dieſe wird wiederum Landenge genannt, ſo oft es ſich nicht unterſcheiden läßt, auf welcher Seite ſie eigentlich anfängt.

Das feſte Land iſt nicht überall ſo ſchön eben, wie z. B. in der Mark Brandenburg, ſondern iſt partienweiſe von Thälern und Bergen bedeckt. Wo letztere geſellig bei einander vorkommen, heißen ſie Gebirge, und deren Theile wiederum, nach gewiſſen Aehnlichkeiten mit allerhand peinlichen Gegenſtänden, Knoten, Stöcke, Ketten u. ſ. w. Jeder Berg hat einen Anfang und ein Ende; in der Richtung gegen das erſtere laufen die ſogenannten fließen⸗ den Waſſer, welche die Beſtimmung haben, unſere Mühlen u treiben, unſere Wäſche zu reinigen, den Reiz der Land⸗ ſcaft zu erhöhen, und vor allem, dem Meere Waſſer zu⸗ zuführen.

Der geſammte Waſſervorrath unſerer Erde wird hin⸗ ſichtlich ſeines Geſchmackes eingetheilt in ſüßes und ſal⸗ ziges. Zum Süßwaſſer gehören alle Bitterlinge, Säuerlinge, Pumpen, Springbrunnen, die Schloßen, das Ungewitter u. ſ. w. Zum Salzwaſſer rechnen wir die fünf Weltmeere mit ihren Auswüchſen und Anhäng⸗ ſeln(Häfen, Buchten etc.), die Waſſerhoſen, die Geyſer, das todte Meer und die Seen des Salzkammergutes.

Anhang.

Der geſammte Erdkörper lutſchbeutelt, ſo zu ſagen unter allen ſeinen Bewegungen, innerhalb einer Blaſe von einem windförmigen Stoffe, der Luft. Dieſe findet ſich überall vor, wo eben nichts anderes iſt, jedoch be⸗ ſonders reichlich im Freien. In ihrer Geſammtheit heißt ſie Atmoſphäre d. h. Athmungsſphäre. Entdeckt wurde ſie von Otto v. Gerike mittelſt der Luftpumpe. Sie dient zum Aufenthalte den Vögeln, dem fliegenden Fiſche und den Luftſchifffahrern.

Beſondere ganz ausgezeichnete Formen der Luft ſind: die Wolken und der Nebel, die Morgen⸗ und Abendröthe, der Blitz und der Regenbogen und vielleicht auch der ge⸗ heimnißvolle Erdmagnetismus. J. K.

Bonbons.

In London trat ein armer Irländer an einen Geflügelhändler heran und fragte:

Was koſtet dieſes paar Hühner?

Drei Schilling.

Ei was! meinte der Irländer,in meiner Heimat zahlt man höchſtens ſechs Pence für ein ſolches Paar.

Nun weßhalb ſeid Ihr da nicht in Eurer Heimat geblieben??

Weil wir daheig keine ſechs Pence haben.

Ich kenne faſt alle Bücher über Moral, ſagte einſt eine junge Kokette.Wahrſcheinlich gerade ſo, wie ein Dieb die Polizeibeamten kennt? verſetzte ein Satyriker.

Ein junges Fräulein, welches mit ihrer Mutter im Koncertſaal ſaß und bei obligatem Flötenſpiel vom Vortrage eines Adagio hingeriſſen wurde, rief ganz ent⸗ zückt: 2 1

Mutter, der junge Mann bläſt mir aus der Seele!

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